Ein Highlight für die Kulturhauptstadt

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Text: Katja Neumann


Am 2. Januar 2009, um 11 Uhr, wurde das neue Ars Electronica Center im österreichischen Linz eröffnet. Oder besser gesagt: eingeschaltet. Denn die Fassade des neuen Gebäudes wird von rund 40 000 Lichtdioden erhellt, womit an diesem Tag zugleich die größte LED-Fassadenbeleuchtung Europas eingeweiht wurde: Rund 5100 Quadratmeter groß ist die gläserne Hülle, die das neue Ars Electronica Center umgibt. Entworfen wurde der Neubau vom Wiener Architekturbüro Treusch, die Fassadenbeleuchtung wurde von der Firma Multivision geplant und realisiert.

Bereits seit 1979 befasst sich die Ars Electronica GmbH mit digitaler Kunst und Medienkultur. Das Konzept wird heute grundsätzlich von vier Säulen getragen: einem avantgardistischen Festival, einem Wettbewerb, einem Museum und einem Medienkunstlabor, das künstlerische Kompetenzen für Forschung und Industrie zugänglich macht. Nun ist die Stadt Linz im Jahr 2009 Kulturhauptstadt Europas und somit fällt auch der Ars Electronica, aufgrund ihrer internationalen Bedeutung im Bereich der Medienkunst, eine wesentliche Rolle zu.

Erweiterung um 4000 Quadratmeter

Den baulichen Rahmen für diesen Auftritt schaffte die Stadt Linz mit der Erweiterung des Stammsitzes: Nach dem ersten Spatenstich am 1. März 2007 wurde neben dem bestehenden Haus in Rekordzeit ein zweiter, mehrgeschossiger Trakt errichtet. Eingefasst mit einer gläsernen, hinterleuchteten Hülle verschmelzen Alt- und Neubau nun zu einem homogenen Ganzen. Als transparente Lichtskulptur korrespondiert das neue Ars Electronica Center, kurz AEC, architektonisch außerdem mit dem gegenüberliegenden Lentos Kunstmuseum, das sich ebenfalls als gläserner Bau mit nächtlicher Fassadenbeleuchtung präsentiert. Auf rund 6500 Quadratmetern Gesamtfläche erstreckt sich heute das erweiterte Ars Electronica Center – fast 4000 Quadratmeter größer als zuvor. Mit dem großen Vorplatz erhält das AEC zudem auch eine attraktive Veranstaltungsfläche. Dessen östliches Ende strebt nach oben und ist mit Sitzstufen versehen, direkt darunter befinden sich die Labors und Werkstätten des Centers. Insgesamt bietet das neue AEC 3000 Quadratmeter für Ausstellungen, 1000 für die Forschung, 400 für Seminare und Konferenzen, 650 für Gastronomie und Veranstaltungen sowie 1000 Quadratmeter Vorplatz für Open-Air-Events.

Europas größte LED-Fassadenbeleuchtung

Eine Konstruktion aus Stahl und Glas verbindet das bestehende Ars Electronica Center mit dem Hauptgebäude. Die teils transparenten und teils matten Glasflächen werden vom Zwischenbereich aus mit 40 000 Leuchtdioden hinterleuchtet. Die auf LED basierende Lösung verbraucht somit deutlich weniger Energie als die ursprünglich vorgesehene Hinterleuchtung der Fassade mit Leuchtstofflampen - und das bei längerer Lebensdauer. Im nächtlichen Normalbetrieb beträgt der Leistungsbedarf nur gerade mal drei bis fünf Kilowatt. Im Gegensatz zu Leuchtstofflampen steht die volle Lichtleistung auch bei sehr tiefen Temperaturen zur Verfügung. Durch die niedrigeren Energiekosten und den geringeren Wartungsaufwand rechnen die Betreiber mit jährlichen Betriebskostenersparnis von rund 38 000 Euro.
Die an jeweils einer Seite der 1100 Fassadenglasscheiben eingebauten Leuchtdiodenleisten sind 20 bis 120 Zentimeter lang und sind mit 20 bis 48 Hochleistungs-Leuchtdioden bestückt. Je ein Viertel der 40 000 Dioden strahlt in den Farben Rot, Grün, Blau und Weiß. Die auf Leiterplatten gelöteten Leuchtdioden sind lediglich 2,4 mal 4,5 Millimeter groß und zwei Millimeter hoch. Darauf aufgesetzt befindet sich eine 22 mal 22 Millimeter messende Spezialoptik, die das Licht auf die Glasscheiben wirft. Jede der 1100 Leuchtdiodenleisten ist über eine Elektronikeinheit einzeln ansteuerbar, zudem können Helligkeit und Farbmischung individuell gesteuert werden.

Eine Reihe von Standardmustern für das nächtliche Erscheinungsbild des selbstbetitelten „Museums der Zukunft“ ist auf dem Leitrechner des Systems gespeichert. Für künstlerische Aktionen können über den Rechner aber auch neue Ansichten erzeugt werden. Eine Besonderheit der in Linz eingesetzten Technik ist die Möglichkeit, ein reines Weiß darzustellen. Damit verwandelt sich das AEC auf Knopfdruck in einen „weißen Kristall“.



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