Ein Platz im Paradies

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Text: Julia Bluth


Gute staatliche Kindergartenplätze sind in London heiß umkämpfte Mangelware, und zumeist muss Qualität teuer bezahlt werden. In Kentish Town im Stadtteil Camden zeigt nun ein gemeinnütziges Projekt, wie es anders geht. Dank finanzieller Unterstützung des Bezirks und der engen Zusammenarbeit mit Eltern, ehrenamtlichen Helfern sowie der Nachbarschaft haben Anthony Boulanger und Yeoryia Manolopoulou von AY Architects ein nachhaltiges Betreuungsparadies für Zwei- bis Fünfjährige geschaffen, das allen Familien offen steht.


Der Kindergarten Montpelier Community Nursery liegt versteckt eingebettet zwischen traditionellen Reihenhäusern und dem öffentlichen Park Montpelier Gardens. Gegründet in den achtziger Jahren, war er lange Zeit in einem behelfsmäßigen und über die Jahre verfallenen Containerbau untergebracht. Mit dem dringend benötigten Neubau wurden die Grundfläche von 90 auf 130 Quadratmeter und die Betreuungskapazität von 18 auf 24 Plätze erhöht.

Grün, grün, grün...


In ihrem Entwurf ließen sich die Architekten von der grünen Idylle und dem alten Baumbestand des angrenzenden Gartens und Parks inspirieren. Wichtig war ihnen dabei vor allem die Symbiose zwischen Innen- und Außenraum, die für die Kinder eine erweiterte Spielfläche an der frischen Luft bedeutet. Das gesamte Gebäude wurde in energieeffizienter Holzbauweise aus Brettsperrholz-Platten errichtet und mit dunkel gebeizter, sibirischer Lärche verschalt. Diese bildet eine extrem widerstandsfähige Außenhaut und fügt sich harmonisch in die natürliche Umgebung – ebenso wie das Dach, das mit einer mikro- und makroklimatisch günstigen Begrünung versehen wurde. Im Inneren spiegeln Schichtholzsäulen den Rhythmus der umliegenden Baumstämme, während bodentiefe Fensterflächen die Räume zum Garten hin öffnen.

Licht und Luft

Die Dachkonstruktion des Kindergartens verfügt über durchgehende Fensterbänder, die sich diagonal zum Grundriss in Nord-Süd-Ausrichtung erstrecken. Sie ermöglichen eine effiziente Querlüftung und lenken viel Tageslicht in den zentralen Spielraum – vor allem, wenn die Sonne in den dunklen Wintermonaten ihren Tiefstand erreicht. An heißen Sommertagen verhindern hingegen Dachauskragungen, dass sich das Haus aufheizt. Die weiß lasierte Holzverschalung der Decke sowie die weißen Stellwände und Regale reflektieren das natürliche Licht und sorgen für ein Gefühl von Helligkeit und Weite. Hinter den modularen Stellwänden verstecken sich Waschgelegenheiten für die Kinder sowie Küchenutensilien und viel Stauraum. Helle Holzregale unterteilen den Raum in einen Essbereich mit hölzernen Kindertischen und -stühlen sowie in einen geräumigen Spielbereich, in dem bunte Kissen auch zum Entspannen einladen. Gleichzeitig lenkt die ansonsten monochrome Innengestaltung die Aufmerksamkeit auf den Ausblick in den zum Spielen und Toben einladenden Garten.

Für das überzeugende Konzept und die umweltfreundliche Umsetzung wurde der Montpelier Community Nursery erst kürzlich der begehrte RIBA National Award sowie der RIBA London Regional Award der britischen Architektenkammer (The Royal Institute of British Architects) verliehen. Ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen!
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