Ein Praliné stand Pate

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Text: Claudia Simone Hoff


Hier läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Zum einem ob der vielen schokoladigen Köstlichkeiten, zum anderen aufgrund der gelungen Innenraumgestaltung. Die Confiserie Vollenweider am Zürcher Opernplatz wurde von dem ebenfalls in der Stadt an der Limmat ansässigen Designstudio Hannes Wettstein in ein Mekka der Praliné- und Macarons-Freunde umgestaltet und lädt ein zum grenzenlosen Schoko-Rausch.



Kurz vor der Opernaufführung noch schnell ein Praliné oder eine Tarte au Citron vernaschen? In der aus Winterhur stammenden Confiserie Vollenweider kann man diesem Drang ganz vorzüglich nachgeben, liegt sie doch in dem von Stücheli Architekten umgebauten Stammhaus der Neuen Zürcher Zeitung gleich um die Ecke des Opernhauses. Hält man mit der Tramlinie 2 oder 4 in der Theaterstraße, erblickt man sogleich die raumhohen Fensterfronten, die dazu einladen, dem Schoko-Rausch gänzlich zu verfallen.

Klein, aber fein

Betritt der Besucher den edel gestalteten, immerhin 3,80 Meter hohen Raum, mag er kaum glauben, dass dieser nur 54 Quadratmeter groß ist. Seine rechteckige Form lässt den Laden weitaus größer erscheinen, was der ausgeklügelten Gestaltung zu verdanken ist. In acht Monaten Planungs- und Bauzeit ist ein formal reduzierter Verkaufsraum entstanden, der durch die Verwendung von edlen Materialien wie schwarzem Marmor, gebeiztem Holz und schwarzem Schleiflack besticht. Nicht nur gestalterisch hebt sich dieser Einraumladen von anderen Schoko-Gourmet-Tempeln der Stadt ab, auch umwelttechnisch ist er auf dem neuesten Stand gebracht, einer in die Innenarchitektur integrierten, nachhaltigen Umluftkühlung sei Dank. Diese kühlt den Raum auf konstante 22 Grad, so dass die wunderbaren Pralinés auch im Sommer nicht dahinschmelzen.

La dolce vita

Im Mittelpunkt des Verkaufsraumes steht die langgestreckte, kubische Vitrine, die in drei unterschiedlich gekühlte Bereiche unterteilt ist: darin Berge von geometrisch angeordneten Pralinen und Macarons in Farbschattierungen, die von Weiß über Nougatbraun bis Tiefschwarz reichen. Auch die Patisserie kommt nicht zu kurz: Aufwändig gestaltete Törtchen und Kuchen mit so überraschenden Namen wie „Rosalie“, „Cube“ oder „Vertigo“ lassen das süße Herz höher schlagen. Und auch der Augenmensch und Design-Afficionado kommt nicht zu kurz, sind die feinen Schokoladenhüllen und Pralinenkästen doch grafisch ansprechend gestaltet. Hier fügt sich alles zusammen, denn die Wand hinter der Theke wurde ebenfalls mit einem grafischen Clou versehen: Eine raumhohe Buchstabenkombination des Vollenweider-Schriftzuges wurde mittels Lasertechnik aus champagnerfarben eloxiertem Aluminiumblech herausgeschnitten. Das schimmernde Relief ist nicht nur optisch ansprechend, sondern verleiht dem Raum zusätzlich Tiefe. Hinter dieser Wand versteckt liegt der Nebenraum mit einer kleinen Küche, während Sanitäranlagen, Garderobe und Lager im Untergeschoss untergebracht sind.

Was hat Blattgold mit Schokolade zu tun?

Auf den beiden kurzen Seiten des mit schwarzem Marmor ausgelegten Raumes, die wie die Decke mit kastanienfarbenen gebeiztem Holz verkleidet sind, sind Regale integriert, die hochglänzend schwarz lackiert wurden. Und auch die runden, freistehenden Etageren sind von Stephan Hürlimann, Marc Briefer und Bea Knöpfel vom Designbüro Hannes Wettstein eigens für Vollenweider entworfen worden. Darin glänzen Schokoladen, Mandelgebäck, mit Schokolade überzogene Schattenmorellen, Amaretti und je nach Jahreszeit Osterhasen und Weihnachtsmänner – kurzum, alles was das süße Feinschmeckerherz begehrt.

Der recht dunkel gehaltene Raum – der in seiner Farbgebung an cremige Schokolade erinnert – wird über der marmorverkleideten Theke durch ein gestalterisches Highlight kontrastiert: einem ebenfalls vom Studio Hannes Wettstein entworfenen, über die gesamte Länge der Theke schwebenden Kristalllüster, der funkelt, glitzert und glänzt. Einen glänzenden Auftritt legt auch eine Schokolade hin, die wohl nur in der Schweiz zu finden ist: die „Gold Chocolate“. Hier ist der Name Programm und auch wenn man es kaum zu glauben vermag, besteht sie aus 72 Prozent Kakao mit 24 Karat Blattgold.
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