Ein Schlagzeuger sieht rot: Wohnhaus in Schweden

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Text: Tim Berge, Foto: Mikael Olsson

Auffällig unauffällig: Das Haus, das sich nördlich von Göteborg zwischen Feld und Wald schmiegt, orientiert sich zwar in Materialität und Farbe an regionalen, landwirtschaftlichen Gebäudetypologien, dennoch wirkt die in Rot gestrichene Herberge wie ein schön anzusehender Fremdkörper in der saftig grünen Landschaft Schwedens.

Vorbild und Referenz für den Neubau sind eine Scheune und ein Bauernhaus, die sich vor einigen Generationen auf dem Grundstück befanden. Das Stockholmer Architekturbüro Bornstein Lyckefor übernahm deren für die Region typische Bauweise. Die Konstruktion bleibt dabei sichtbar: Tragende Balken zeichnen sich als Rahmen auf der Fassade ab. Das Material Holz, ein großes Scheunentor und der in Schweden traditionell verwendete Farbton Falunrot, komplettieren den landwirtschaftlichen Charakter des Hauses. Dennoch ist etwas anders. Die minimalistische, würfelförmige Kubatur des Gebäudes, großformatige Fensteröffnungen und in das Volumen eingedrückte Loggien brechen mit der architektonischen Folklore. Eine formale Wendung, die auch dem Bauherrn gefallen dürfte.

Making-of
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Offene Schnittflächen
Auftraggeber dieses wundersamen Wohnhauses ist ein alleinerziehender Vater, der das Haus für sich, seine zwei Kinder und seine Leidenschaft, das Schlagzeugspielen konzipieren ließ. Er wünschte sich ein Gebäude, das sich in sein Umfeld einfügt - und gleichzeitig einen eigenen Charakter ausbildet. Der Innenraum sollte eine atmosphärische Offenheit besitzen und soziale Aktivitäten fördern. Um dies zu erreichen, platzierten die Architekten den Wohnraum im Zentrum des quadratischen Volumens. Dieser drückt sich in die obere Etage hinein. Schnittflächen zwischen unten und oben kleideten die Planer mit einem Metallnetz aus, wodurch visuelle und akustische Verbindungen entstehen. Auch mit den weiteren Wohnbereichen des Erdgeschosses entsteht, da es keine Türen gibt, eine räumliche Verflechtung.

Pläne
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Spannender Hybrid
Die oberen Ebenen verfügen über zwei Kinderschlafzimmer und eines für den Vater, das etwas erhöht unmittelbar über dem unteren Wohnzimmer schwebt. Auf der Fläche, die sich zwischen den Schlafzimmern auftut – und die das heimliche Zentrum des Hauses markiert – steht das Schlagzeug. Wenn hier jemand zum Schläger greift, gibt es kein akustisches Entkommen.

Die Materialwahl der Architekten für den Innenraum reduziert sich auf Holz in Form von Pressspan- und Faserplatten, letztere in Grau. Der Werkstoff verleiht dem Inneren des Gebäudes seine wohnliche Atmosphäre. Mit dem Haus haben Bornstein Lyckefor einen spannenden Hybrid geschaffen. Er vermittelt und distanziert sich gleichermaßen von seinem Kontext und bietet seinen drei Bewohnern eine abwechslungsreiche Behausung mit viel Freiraum.

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