Ein Zebra im Riad: SALT of Palmar

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Text: Tanja Pabelick, Foto: Tekla Evelina Severin

Allein das Wort Mauritius ruft schon Bilder voller Farbe wach: azurblaues Meer, weiße Strände und grüne Palmen. Mit dem neu gestalteten Hotel SALT of Palmar wird die tropische Szenerie durch radikale Muster ergänzt, die an geometrische Dazzle-Tarnung erinnern und eine Hommage an die grafischen Welten des Memphis-Designs sind. Landschaft und Architektur machen gemeinsame Sache – und schaffen einen Ort für Urlaub im ästhetischen Ausnahmezustand.

Bereits 2005 hat der mauritische Architekt Maurice Girbaud ein dramatisches und geometrisches Bauwerk auf der Insel Mauritius realisiert. Stilistisch erinnert es mit seinen Innengärten und -pools an das klassische marokkanische Riad. Die winkelförmige Silhouette, mit Türmen und abgetreppten Dachlinien, steht wie ein pfirsichfarbener Scherenschnitt vor dem blauen Himmel. „Als wir den Auftrag bekamen, das Interieur zu überarbeiten, haben wir sofort gedacht: Wir haben den besten Job der Welt“, erzählt Camille Walala. Die Französin ist für ihre geometrischen und mutigen Konzepte bekannt; ob es Murals sind, die ganze Gebäude in eine Comiczeichnung zu verwandeln scheinen oder knallig-bunte Raumkonzepte, die in ihrer Konsequenz die Raumgrenzen verschwinden lassen. Für Walala ist das SALT bereits die zweite Arbeit, die sie für die im Indischen Ozean operierende Hotelkette LUX umsetzt – im benachbarten Resort Grand Gaube hat sie bereits eine großflächige, zum Meer weisende Wanddekoration realisiert, die der davor installierten Strand-Lounge mit Mustern im Stil der 50ies Tropicalia-Flair verpasst.


Camille Walala war mit Mauritius, dessen Kultur ebenso wie ihre Arbeit durch kräftige Farben bestimmt ist, demnach schon vertraut. „Camille Walalas Beziehung zur Farbe ist dieselbe wie die der meisten Mauritier. Für beide ist Farbe Vehikel für Freude und ein Mittel, Positivität auszudrücken. Ich habe das Hotel in den letzten Monaten bestimmt hundertmal gesehen – aber ihr Design bringt mich immer noch zum Lächeln“, sagt Paul Jones, Geschäftsführer vom Lux Collective. Vor der Finalisierung ihres Konzeptes ging Walala auf der Insel noch einmal auf Farbsafari. „Wir sahen überall leuchtende, satte und lebendige Töne.“

Kräftige Nuancen finden sich jetzt auch auf allen Flächen und im Interieur des Hotels – zusammen mit der durchgängigen Begleitung von schwarzen und weißen Streifen, einem Signatur-Muster der Gestalterin. Mit 59 Zimmern, Gemeinschaftsbereichen, Dachterrasse, Pool und Innengärten ist das SALT keine kleine Anlage, durch die liebevollen Details und die individuelle Umsetzung erhält es sich aber einen wohnlichen und privaten Charme. Dabei unterstützt auch die ans marokkanische angelehnte Architektur, die Walala an ein Labyrinth erinnert und den Gästen immer wieder neue Ecken und Plätze zu entdecken gibt.

Rattan-Flechter Mawlabaccus Moosbally
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Der Bezug zum Lokalen, der auch das Konzept des auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Hotels mit angeschlossener Farm bestimmt, beeinflusst auch die Umsetzung des Interieurs. Mit Unterstützung eines lokalen Architekten machen sich Camille Walala und ihre Mitarbeiterin Julia Lomaa auf die Suche nach den besten Handwerkern der Insel, vom Korbflechter bis zum Töpfer. Sie realisierten die kleinen Möbel und Accessoires, die das Farbkonzept begleiten – und bringen authentisches Mauritius in die Räume. Ein bewusster Weg. Denn statt ein generisches Tourismus-Konzept an einen beliebigen Ort zu transplantieren, sollte im SALT unbedingt Indigenes Einzug halten. Das Interieur ist eine Essenz der Insel, die zusammen mit dem Design von Camille Walala zu einem farbenfrohen Cocktail wird.

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