Ein kleines großes Haus am See

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Text: Clara Blasius, Foto: Åke E:son Lindman

Die Architekten Katarina Krupinska und Konrad Krupinski bauen ein Ferienhaus in Schweden mit viel Licht und Landschaft und möblieren die Holzhütte mit den zeitlosen Stühlen und Tischen von Alvar Aalto aus finnischem Birkenholz.

Dieses Grundstück in den Schären vor Stockholm wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von einem Gärtner bewohnt und genutzt. Viele der Pflanzen von damals findet man dort noch heute. Seit 25 Jahren verbringt eine Mutter mit zwei Töchtern ihre Ferien in dem Haus, die Töchter sind mittlerweile erwachsen und selbst Mütter geworden – die eine junge Familie hat sich im alten Gästehaus eingerichtet, die andere ein neues gebaut.

Summerhouse T steht auf dem höchsten Punkt des Grundstücks, mit etwas Abstand zu den anderen Bauten, aber noch in Sichtweite. Baurechtlich war eine Grundfläche von nur 40 Quadratmetern erlaubt. Die Architekten Krupinski/Krupinska haben sich etwas einfallen lassen, damit das kleine Haus dem Paar mit zwei Kindern trotzdem genug Platz bietet und aus der geringen Größe eine Stärke wird.

Der quadratische Grundriss auf sechs mal sechs Metern wurde von den Voraussetzungen des Grundstücks geformt. Bewegungen durch den offenen Raum organisiert ein von der Fassade losgelöstes Volumen. Diese sekundäre Struktur lässt Zimmertüren überflüssig werden und verschiedene räumliche Situationen entstehen. Verstärkt durch die Sichtlinien erscheint das Haus geräumiger als es eigentlich ist.

In den Kern integriert sind Alkoven: ein Doppelbett, mit Aussicht auf den See und ins Grüne, sowie ein Etagenbett, von dem aus die Kinder das Haus der Großmutter sehen können. Dazwischen befindet sich die zweizeilige Küche, von beiden Seiten aus zugänglich, zu beiden Seiten hin offen – auf der einen Kiefernwald, auf der anderen Flieder. Rückseitig bildet sich eine Passage, zwischen Regalen und der ausnahmsweise geschlossenen Fassade. Nur das Badezimmer tritt aus der kompakten Form heraus, hängt in einer Ecke als ein eigenes, ovales Volumen daran, perfekt eingepasst in eine Lücke im Felsen.

Auf der Südseite erstreckt sich das Wohn- und Esszimmer. Hier lässt sich die raumhohe Verglasung zur Seite schieben, die Grenze zwischen innen und außen verschwimmt. Verlängert durch die Terrasse, nimmt der Raum Kontakt zur Umgebung auf. Das großzügig auskragende Dach schützt zum einen vor Sonne, zum anderen leitet es Regen so ab, dass ein das Haus umschließender Wasservorhang entsteht.

Pläne
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Aus der Ferne wirkt das Haus etwas versteckt, wird Teil der Szenerie. Aus der Nähe unterstreichen die ausgearbeiteten Details den funktionalen, aber stimmungsvollen Ausdruck. Innen leuchten Artek 66 Chairs mit dem passenden Tisch aus der Artek L-Leg-Collection von Alvar Aalto und andere Holzmöbel vor der ansonsten dunklen, matten Oberfläche. Das in traditioneller Schlammfarbe gestrichene Pinienholz trägt zum diskreten Charakter bei und schenkt der farbenfrohen, hellen Natur ihre Aufmerksamkeit. Große Architektur auf kleiner Fläche – an einem eh schon wunderschönen Ort.

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