Eine schrecklich nette Grossfamilie

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Text: Judith Jenner
Foto: Maija Luutonen und Tuomas Uusheimo

Wie können vier Generationen zusammenleben, ohne sich gegenseitig auf den Wecker zu gehen? Die Schauspieler Vilma Melasniemi und Juho Milonoff suchten nach einer Möglichkeit, mit ihren Eltern, Kindern und deren 91-Jahre alten Uroma zusammenzuwohnen und dennoch genügend Privatsphäre zu haben. Von dieser Konstellation hätten ihrer Ansicht nach alle etwas: Die jungen Eltern profitieren davon, dass die Großeltern gelegentlich die Enkel von der Schule abholen, die Urgroßmutter fühlt sich im Kreise ihrer Familie geborgen und sicher, und die Großeltern hätten einen engeren Kontakt zur Familie.

Den passenden Ort für ihr Vorhaben fand die Familie auf dem Grundstück von Vilmas Eltern im Stadtteil Oulunkylä in Helsinki. Darauf steht bereits ein etwa 100 Jahre altes Haus inmitten eines Gartens voller Fliederbüsche und alten Apfelbäumen. Nach Norden hin fällt es steil ab. „In dieser Umgebung sollte ein weiteres Haus entstehen, das zwar modern, aber trotzdem wohnlich ist. Es sollte mit seiner Umgebung korrespondieren und dennoch eine stimmige Einheit ergeben“, sagt Architekt Tuomas Siitonen, der das House M-M genannte Mehrgenerationendomizil realisierte.

Loft im Baumhaus
Siitonen gliederte das Haus in drei Etagen. Im Erdgeschoss sind die Wohnung der Urgroßmutter, die Sauna und verschiedene Abstellräume. Darüber befindet sich die 120 Quadratmeter große Wohnung von Vilma Melasniemi und Juho Milonoff und ihren acht und elf Jahre alten Kindern. Zentrum ist das große Wohn- und Esszimmer mit der offenen Küche. Dieser Raum orientiert sich zur großen Terrasse hin. Der Innenraum ist in wohnlichem Birkenholz gehalten. Wegen seines weiten Blicks vermittelt der loftartige Raum fast das Lebensgefühl eines Baumhauses.

Freier Blick für alle
Auch die Eltern von Vilma Melasniemi genießen dank einer Einbuchtung im Dach des Neubaus weiterhin einen freien Blick aus ihrem Haus. Für sie macht das neue Gebäude den Garten intimer und schützt ihn vor Blicken von der Straße.

Fassade mit eingebauter Patina
Wichtig war den Bauherren eine gute Ökobilanz. Gebaut wurde vorwiegend aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Die Fassade ist aus sibirischer Lärche und wird sich mit den Jahren grau verfärben. Diese natürliche Veränderung haben Bauherren und Architekt einkalkuliert. Eine Fußbodenheizung spendet so viel Wärme, dass auf freistehende Heizkörper verzichtet werden konnte. Die Heizung und die Klimaanlage speisen sich aus Erdwärme. Zukünftig sind auf dem nach Süden ausgerichteten Dach auch Sonnenkollektoren denkbar. Für Vilma Melasniemi setzt sich der Ökoaspekt auch im Alltag durch: „Die großen Fenster bringen Licht und Wärme ins Haus. Um die Fassade brauchen wir uns nicht weiter zu kümmern. Und mit dem offenen Kamin können wir das Haus mit Holz von unserem Grundstück heizen“, sagt sie. Zur Arbeit fahren sie und ihr Mann mit dem Zug. „Wir glauben an nachhaltige Lösungen. Ein gutes Haus im Leben ist ausreichend.“

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