Eine überdimensionale Speisekammer

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Text: Katharina Horstmann
Foto: Filippo Piantanida


Ibiza – die kleine, 541 Quadratkilometer große Insel hat ihre einst durch das Meer geprägte Lebensweise den modernen Zeiten angepasst. Heute gilt die weiße Insel als das Urlaubsziel der Jungen – oder zumindest Junggebliebenen –, doch vor allem als das der „Reichen und Schönen“. Und genau dieses Fleckchen Erde wählte der italienische Architekt Max Camoletto vom Turiner Ufficio di Architettura – kurz genannt UdA –, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen: Er eröffnete gemeinsam mit seiner Frau Susanna das Delikatessengeschäft „Sano Deli“ – mit dem Ziel, saisonale, auf traditionelle Weise hergestellte Naturkost in einem zeitgenössischen Ambiente auf die Insel zu bringen.

 
 
Im Landesinneren Ibizas liegt das charmante Städtchen Santa Gertrudis. Hier sind die Häuser im für die Insel typischen, kubischen Stil erbaut. Das Umland ist geprägt von der Landwirtschaft, vorwiegend vom Gemüse- und Obstanbau, aber auch Ziegen, Schafe und die einzigen Milchkühe der Insel werden in dieser Gegend gezüchtet. Ein idealer Ort für das Pilotprojekt des Sano Deli, dachte sich wohl das Architektenpaar Camoletto, denn Ibiza ist erst der erste Schritt zu ihrem erträumten Lifestyle-Imperium. Das Konzept ist einfach: qualitätvolle, organische, vorrangig nach traditionellen Rezepten von Max Camolettos Mutter und Großmutter zubereitete Speisen zum Mitnehmen, so dass der Kunde die Vorzüge eines Restaurants zu Hause, auf dem Boot oder auch am Strand genießen kann.
 
Das klassisch schlichte Gestaltungskonzept
 
Der Sano Deli liegt am Ortsrand von Santa Gertrudis in einem charakteristischen, weiß gekalkten Gebäude und ist umgeben von einem großen Garten mit Schatten spendenden Bäumen. Tritt der Kunde durch das einladende Portal, findet er einen vorrangig in Weiß gehaltenen, 4,5 Meter hohen und 116 Quadratmeter großen Verkaufsraum vor, der von großen, recycelten Straßenlaternen beleuchtet wird und durch seine klassische Schlichtheit beeindruckt. Zur Linken des Eingangs befinden sich die Küche und die Delikatessentheke, zur Rechten die Bäckerei. Letztere wurde aus unbehandelten Hölzern der Insel von einer lokalen Schreinerei erbaut. Die warmen Töne des Materials bilden einen schönen Kontrast zu den kühlen weißen Wänden und ergänzen auch farblich das Angebot der hausgemachten Leckereien: von knusprigen Landbroten und Baguettes über Frühstücksküchlein bis hin zu Süßspeisen wie „Bunet“, einem Flan aus dem Piemont.
 
Die Küchenbox
 
Die Küche wiederum ist das Zuhause der Sano-Köche. Hier werden täglich alle Speisen frisch zubereitet – von frischen Salaten bis zur hausgemachten Lasagne und anderen italienischen Köstlichkeiten. Um die Küche von den restlichen Räumlichkeiten zu trennen und die Kunden nicht unnötig mit Kochgerüche zu belästigen, gestaltete UdA sie in Form einer etwa 12 Quadratmeter großen, klimatisierten Box, die mit transparentem, rosafarbenem Glas und grau lackierten MDF-Platten umhüllt wurde und mit einer Decke aus Polycarbonat ausgestattet ist. An einem L-förmigen, der Küche vorgelagerten Metalltresen werden nicht nur die frisch zubereiteten Gerichte angeboten, sondern auch Feinkost wie Parmaschinken, Bresaola oder Käse aus den Alpen.
 
Die traditionelle Vorratskammer                                                               
 
Hinter der Küche, im hintersten Teil des Geschäftes, befindet sich der sogenannte „Sano Food“-Bereich, dem die klassische Vorratskammer als Inspiration diente: Hier werden in hellen Eichenholzregalen schon verpackte Delikatessen angeboten. Das Repertoire reicht von hausgemachten Konfitüren bis zu eingelegtem Gemüse und wird in eigens hierfür entworfenen und beschrifteten Glasbehältern verwahrt. Ein erhöhter Tisch mit Hockern komplettiert diesen Bereich, so dass der Kunde den Imbiss gleich im Verkaufsraum einnehmen kann, falls ihn der Hunger überfällt oder es ihm an einem der Tische im Garten zu warm ist.
 
Das Pasta-Refugium
 
Mittelpunkt des Sano Deli jedoch – wie sollte es bei der italienischen Herkunft auch anders sein – ist die Pastatheke, die im hinteren Teil des Ladens liegt. Hier kann der Gast Pasta-Meister Tony Vilella durch eine graue Glaswand in seinem Refugium beim Herstellen der italienischen Teigwaren zusehen und sie für Zuhause kaufen oder sie gleich vor Ort verspeisen.
 
Die etwas anderen Souvenirs
 
Von der Pastatheke – genauer gesagt zwischen Pasta- und Bäckereitheke – geht ein kleiner Flur ab, der zu Toilette, Büro und den Lagerräumen des Geschäftes führt, aber auch als weiterer Verkaufsraum dient. Er ist durch große Holzboxen charakterisiert, die von so genannten „Bacheche“ – zu Deutsch: Aushängekästen – inspiriert und übereinander gestapelt wurden, so dass sie ein einheitliches Wandelement formen. Hier werden einerseits ausgewählte Weine angeboten, andererseits verschiedene Designobjekte. Weitere Accessoires – oder auch die etwas anderen Souvenirs der Insel – stehen auf einem in der Mitte des Sano Deli platzierten großen, weißen Tisch zur Mitnahme bereit – von Tafelgeschirr, Steingut und handgemachter Keramik bis hin zu Besteck der Marke Sambonet in Weißgold, Silber oder Bronze für das extravagantere Klientel.
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