Extrastudio: Fenster zum Pool

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Hugo Santos Silva

Dieses Paar wohnt, wie andere Urlaub machen. Ihr neues Zuhause liegt nah am Meer und hat alles, was diese Familie braucht: Wohnzimmer, Küche, Atelier, Musikzimmer und eine Terrasse mit Swimmingpool – gebaut mit Satteldach und aus Sichtbeton.

Der Name der Architekten ist Programm: Extrastudio plant nicht einfach irgendein Einfamilienhaus, es lässt sich auch nicht von Bauvorschriften einschüchtern, das Team entwirft Gebäude mit einer Ausweitung der reinen Funktion. Was nicht bedeutet, dass ihre Architektur extravagant und hochpreisig ausfällt, im Gegenteil: Im Fall von diesem Wohnhaus mit Atelier und Pool in einem Vorort von Lissabon sieht das Ergebnis teurer aus, als es das wirklich war. Für 258.000 Euro haben João Caldeira Ferrão und João Costa Ribeiro einem ungewöhnlichen Bauherrenpaar ein ebenso ungewöhnliches Haus in die Nachbarschaft von Alto da Ajuda gezaubert.

Wobei die äußere Form zunächst unspektakulär wirkt. Roh, fast etwas unfertig und ohne jedes Ornament zeigt sich das House for an Artist als ein typischer Zeitzeuge des heutigen Minimalismus. Durch seine pure Ästhetik und die weiße Fassade schaffen Ferrão und Ribeiro ein Haus als leere Leinwand. Das Satteldach als einfache Hausform und die Rippendecken aus Sichtbeton treffen auf simplen Putz und einfache Materialien. Die inneren Werte zählen. Und hier ergänzt Extrastudio die üblichen Wohnfunktionen um ein Künstleratelier für die Bauherrin, ein Musikzimmer für den Herren des Hauses und ein Schwimmbad für alle.

Gebaut wurde in einer Straße, die das Architektenduo bereits gut kannte. Schräg gegenüber steht nämlich ihr erster Neubau von 2009, das House in Ajuda. Dieses Projekt setzt somit die Auseinandersetzung des Extrastudio-Teams mit den lokalen Planungsparametern und Vorschriften fort, um in einer regulären Hülle mit Satteldach unerwartete Raumabfolgen zu schaffen. Im Souterrain befindet sich das Atelier mit einer hohen Decke und 10 Meter langem Oberlicht, das den ganzen Tag über für eine konstante Belichtung sorgt. Daneben gibt es einen „versteckten Raum“, ein Musikzimmer mit einem intimen Fenster zum Swimmingpool.

Im Erdgeschoss öffnet sich der zentrale Raum mit seinen zehn mal zehn Meter lagen Wänden gleich zu drei Seiten. Hier ist der Treffpunkt für die Familie, der Ort für gemeinschaftliches Leben. Das darüberliegende Geschoss fasst die drei klassisch angeordneten Schlafzimmer, im Dachgeschoss blickt man durch die Schräge auf Strand, Meer und den eigenen Pool.

Wäre es nach den Bauherren gegangen, hätten sie ein einfaches zweigeschossiges Haus mit Garten geplant und ein Atelier in Lissabon gemietet. Der heutige Hybrid war die Idee der Architekten. João Caldeira Ferrão und João Costa Ribeiro, die zusammen in Lissabon studiert und danach in Rotterdam bei Rem Koolhaas gearbeitet haben, überzeugten die Bauherren mit ihrem Erstling. Hier hat das Souterrain ebenfalls loftähnliche Raumqualitäten und ein besonderes Licht. Plötzlich konnte sich das Paar sehr gut vorstellen, dass ihr Haus mehr sein kann. Und welche Möglichkeiten ein Keller in sich birgt.

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