Designocracy im Walbauch

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Text: Katja Neumann


Übersetzt aus dem Englischen bedeutet „switch“ soviel wie „umschalten“ oder „auswechseln“. Übersetzt in die Formensprache eines Karim Rashid steht „Switch“ für ein Restaurant in Dubai, das durch seine organischen Formen und wechselnden Farben alle Sinne ansprechen soll. Der britische Designer Karim Rashid ist bekannt für seine üppige organische Gestaltung, seine Vorliebe für die Farbe Pink und sein extravagantes Auftreten. Und so ist auch das erste von ihm gestaltete Restaurant in den Vereinigten Arabischen Emiraten zweifellos der Exot inmitten der rund 1.000 Ladenlokale der „Dubai Mall“, einem der größten Einkaufszentren der Welt.


Etwas Anderes sollte es sein, neuartig und spektakulär, das Restaurant in der Dubai Mall. Damit stand für Deem Al Bassam, Inhaber des „Switch“, schnell fest, dass Karim Rashid genau der Designer sei, den er brauchte: „Jedes Restaurant, das er gestaltet“, erklärt Al Bassam, „sieht nicht aus wie ein typisches Restaurant. Genau danach habe ich gesucht.“ Volles Vertrauen schenkte er dem Designer, und daher gab es auch keine Vorgaben. Einziger Wunsch des Auftraggebers: Das „Switch“ sollte das 21. Jahrhundert verkörpern und sich im Laufe des Tages verändern.

Schuhkarton im Einkaufszentrum

Wie einen rechteckigen Schuhkarton beschreibt Karim Rashid selbst die ursprünglichen Räumlichkeiten, die es in einen neuen Design-Hotspot umzuwandeln galt; ein vergleichsweise schmaler Raum von 200 Quadratmetern Größe und ohne jegliches Tageslicht. Rashid und sein Team unterteilten die Räumlichkeiten zunächst in drei Bereiche: den Essbereich, die Bar und die Lounge. Bei allen Bereichen stand die Flexibilität im Vordergrund. Tische und Stühle lassen sich nach Belieben neu kombinieren, von lauschiger Zweisamkeit bis zu Gruppen von zehn Gästen reichen die Möglichkeiten.

Wellenförmige Wände

Dominierendes Gestaltungselement sind zweifellos die wellenförmigen, leuchtenden Wandverkleidungen, die im Laufe des Tages das Restaurant in pink- und lilafarbenes Licht tauchen, das schließlich in Blau übergeht und weiter zu Grün, Gelb und Rot wechselt. Angelehnt an die Form von Sanddünen in der Wüste ließ Rashid die geschwungenen Wände aus Fiberglas fertigen. Die Farbwechsel und das ausgeprägte Spiel von Licht und Schatten werden über farbige Leuchten erzielt, die hinter den Deckenpaneelen angebracht sind. Hinter den Wellenwänden befinden sich die Audioelemente in Form von zylindrischen Boxen, welche von außen vollständig unsichtbar bleiben. Die großen glänzenden Flächen der Wände werden an einigen Stellen schließlich durchbrochen von digital anmutenden Mustern und Textfragmenten. Die Form der Wand ist angelehnt an das arabische Schriftzeichen für S – wie „Switch“. So scheint es, als fließe eine große Welle durch das Restaurant, die die Besucher wohlig und kokonartig umfängt – oder, wie es der Journalist Nyree Barrett in einem Artikel für Gulfnews ausdrückte: „Von der hellen, luftigen Lobby aus diese dekorative Höhle betretend, fühlt man sich wie im Bauch eines Wals, der gerade eine Disco verschluckt hat.“

Erst das Design, dann das Essen

Doch nicht nur die Wände erstrahlen in verschiedenen Farben, auch Decke und Boden ziehen die Blicke dank zahlreicher mit LED hinterleuchteter Linien und Schriftzeichen auf sich. So zieren den Boden aus schwarz-glänzendem Terrazzo wilde farbige Striche, die sich wie ein digitaler Fluss durch den gesamten Raum ziehen. Ein Deckenelement mit leuchtenden arabischen Schriftzeichen ist der Länge nach angeordnet. In arabischer Schrift finden sich hier ausgewählte Zitate Karim Rashids zu seiner Designphilosophie, in der auch Rashid-typische Neologismen wie „Designocracy“ oder „Pleasuretronic“ Platz finden.
Das Design stand von Projektbeginn an im Vordergrund und so wurden, nicht wie sonst üblich, zuerst Konzept und Speisekarte entwickelt, sondern der Inhalt folgte in diesem Fall der Form: Erst nachdem die Gestaltung abgeschlossen war, entschieden die Initiatoren des Projekts, dass zu einem trendigen, neuen Restaurant am besten Fusion-Küche passen dürfte: eine internationale Mischung garniert mit mediterranen Einflüssen sowie asiatischen und afrikanischen Ingredienzien. So spielerisch Karim Rashids Design erscheint, es ist nicht auf Praktikabilität ausgelegt und stellte damit auch die ausführenden Gewerke vor ungewohnte Aufgaben. Die Komplexität des Designs erforderte zum Beispiel, dass nicht wie üblich parallel gearbeitet werden konnte, sondern die meisten Arbeiten nacheinander ausgeführt werden mussten. Auch das Küchenpersonal machte die Not zur Tugend: Neben dem 200 Quadratmeter großen Restaurant-Raum für rund 80 Gäste befindet sich eine Küche von gerade mal 45 Quadratmetern, die zudem kaum Lagerfläche bietet. Vorteil der beengten Verhältnisse: Alle Zutaten müssen zwangsläufig frisch sein und täglich eingekauft werden – auch eine Herausforderung an das Personal hinsichtlich Organisation und Disziplin.

Das „Switch“ mit seiner außergewöhnlichen Optik und der sich stets ändernden Lichtfarbe soll ein neuer Besuchermagnet in Dubai werden – das ist das erklärte Ziel der Initiatoren: „Das Design wird die Leute hereinlocken,“ sagt Deem Al Bassam, „Essen und Service werden sie wiederkommen lassen.“
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