Fernwehhaus

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Text: Nina C. Müller
Foto: Thomas Jantscher

Atemberaubende Gebirgskulissen und schneebedeckte Wälder sind zum Markenzeichen ihrer Architekturen geworden: Diesmal haben Savioz Fabrizzi aus Sion einen alpinen Stall aus Stein umgebaut, der förmlich aus der Landschaft herauswächst und sie zugleich in sich hineinzieht.



Der Bezirk Hérens im französischsprachigen Teil des Schweizer Kanton Wallis ist ein Paradies für Wintersportler wie Bergwanderer: Hier locken wilde Wiesen, klare Seen, Weinberge, Wälder und natürlich die Alpen. In dieser idyllischen Region – 1760 Meter über dem Meeresspiegel – liegt ein Gebäude aus dem Jahr 1878, das einst als temporäres Wohnhaus und als Unterstand für Vieh diente. Das Ehepaar Gaudin beauftragte Savioz Fabrizzi mit dem Umbau in ein uriges Feriendomizil – mitten auf einer Skipiste.



Formvollendet

„Trotz zahlreicher Veränderungen, die über die Jahre vorgenommen worden waren, hatte das kleine Haus seinen originalen und unverwechselbaren Charakter behalten“, berichten die Architekten von Savioz Fabrizzi. Um es in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen, entfernten sie daher lediglich einige störende Anbauten. Für mehr Raumhöhe innerhalb des Gebäudes hoben sie außerdem das Dach leicht an. Die so erzielte Ruhe in und um die Fassade bringt das grobe Steingemäuer und die archaische Grundform des Hauses nun erst richtig zur Geltung. 



Harte Schale, weicher Kern

Die massiven Wände schützen vor der winterlichen Kälte, ein Holzofen sorgt für Behaglichkeit. Den gesamten Innenraum, sprich Decken, Böden und Wände, verkleideten die Architekten mit Holzpaneelen. Die honigfarbene Lärche kontrastiere mit der steinernen Fassade und sorge für eine angenehm warme Atmosphäre, sagen die Architekten. So fand das Holz sogar für Türen, Schränke und Einbaumöbel Verwendung, wodurch das gesamte Interieur wie aus einem Guss erscheint. Doch die Paneele haben noch einen weiteren Vorteil: Allesamt horizontal ausgelegt, unterstützen sie die effektvollen, meist ebenfalls waagerecht ausgerichteten Fensteröffnungen. 



Bauen mit Perspektive

Während die Architekten in der Küche lediglich kleine, schlitzförmige Fenster für eine minimale Belichtung vorsahen, gingen sie im Wohnbereich aufs Ganze: Hier erstreckt sich ein großflächiges Panoramafenster über die gesamte Breitseite des Baus und somit über die komplette Länge des Wohnraums. „Diese gläserne Öffnung der Fassade in Richtung Tal war der größte Eingriff der gesamten Umbauarbeiten“, so die Planer. Es lässt nicht nur Sonne und Licht hinein, sondern gibt auch einen faszinierenden Blick auf die Berge frei – und das von zahlreichen Standorten im Haus.



Gipfelstürmer
„Ziel des Umbaus war es, der Hütte Komfort zu verleihen, aber dennoch ihren rudimentären Zustand beizubehalten“, so Laurent Savioz und Claude Fabrizzi, die sich immer stark mit dem Kontext ihrer Gebäude auseinandersetzen. Tatsächlich gelang dem schweizerischen Architektenduo jedoch noch viel mehr: Durch die behutsam gesetzten Fensteröffnungen erscheint der ehemalige Stall nun eng mit der Landschaft und sogar den weit entfernten Bergspitzen verbunden. So lädt das kleine Feriendomizil buchstäblich zu Blickspaziergängen in die Ferne ein und sorgt fast für noch mehr Fernweh bei seinen Bewohnern.

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