Flexibles Büro in historischen Räumen

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Text: May-Britt Frank

Das Altstadtviertel „Gastown“ im Zentrum der kanadischen Stadt Vancouver zeugt noch heute von den Anfängen der Goldgräberzeit im 19. Jahrhundert. Während des Baubooms der 1990er Jahre wurden zwar viele der über 100 Jahre alten Gebäude abgerissen, doch erfährt die nahe dem Hafen gelegene Gegend gegenwärtig eine erkennbare Revitalisierung. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung werden vernachlässigte Altbauten saniert und der wiederbelebte Raum neuen Nutzungen zugeführt. Auch Integra Architects aus Vancouver nahmen sich einem Gebäude, dem „Western Canada Building“ in der West Pender Street an und richteten sich im ersten Stock gleich noch das eigene Büro ein.
Das Ziel der Architekten bestand darin sowohl moderne Räumlichkeiten für Laden- und Büroflächen zu schaffen als auch möglichst viel von der originalen Bausubstanz zu erhalten. Größte Herausforderung während der Restaurierung des Gebäudes war es daher, die durch Zwischenwände und abgehängte Decken versteckte Gebäudestruktur festzustellen und mit entsprechenden Mitteln die alte Holz- und Ziegelelemente zur Geltung zu bringen.
Präsenz im Straßenraum
Im ersten Schritt wurde die Fassade des Gebäudes wiederhergestellt. Die Oberflächen des Backsteinbaus wurden gesandstrahlt, verfugt und versiegelt, Metallzierelemente und Holzzierleisten gereinigt und zwischenzeitlich eingebrachte Fensterelemente durch Vollholzfenster ersetzt. Durch die Installation einer dezenten Außenbeleuchtung werden Fassadendetails hervorgehoben und die Präsenz des Gebäudes im Straßenraum erhöht. Im Erdgeschoss sind zudem zwei Ladengeschäfte untergebracht, die sich mit großen Fensterflächen zum Straßenraum öffnen.
„Open Space“ durch Flexible Raumaufteilung
Eine weitere Zielsetzung war es, die vorhandene Aufteilung der Bürofläche in viele kleine Räume aufzulösen und eine offene und transparente Arbeitssituation zu schaffen. Gleichzeitig sollte die Möglichkeit für vertrauliche Gespräche und ungestörtes Arbeiten erhalten bleiben. Diese Vorgaben verlangten nach einem flexiblen System, das durch den Einsatz eines differenziert einsetzbaren Innenraumsystems des Unternehmen Raumplus aus Bremen realisiert werden konnte. Zuerst wurden im Innern vorhandene Putzelemente, alte Holzbalkendecken und Ziegel freigelegt sowie zu erhaltende Oberflächen und das Treppengeländer aufgearbeitet und neu gestrichen. Schattenfugen zwischen installierten Einbauten und bestehender Bausubstanz markieren heute sichtbar die Übergänge zwischen alt und neu.
In das Büro der Architekten gelangt man über eine Treppe, die in der Mitte des Gebäudes gelegen ist. An einer großzügigen Rezeption werden Gäste und Kunden von einer Angestellten empfangen. Ein transluzenter Raumteiler hinter dem Empfangstresen trennt den öffentlich einsehbaren Bereich von dem sonstigen Büroalltag ab und garantiert damit eine helle, aufgeräumte Eingangssituation. Von hier gelangt man in einen umlaufenden Flur, der die Plätze der Mitarbeiter und die abgetrennten Räume des Büros erschließt. Neben dem Empfang befinden sich die vier Einzelbüros der Seniorpartner, die ebenfalls durch transluzente Raumteiler vom Gang getrennt sind. Diese Büroflächen erscheinen somit trotz räumlicher Trennung weitläufiger und lassen natürliches Licht bis weit ins Innere des knapp 20 Meter tiefen Gebäudes vordringen. Auch der Besprechungsraum an der gegenüberliegenden Gebäudeseite ist durch transparent gestaltete Gleittüren vom Flurbereich abgetrennt. Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sind im offenen Bereich der Etage gelegen und gestatten durch eine geschickte Verteilung jedem Angestellten ausreichend Privatsphäre.
Integra Architects erhielt für die Sanierung des „Western Canada Building“ den begehrten „Vancouver Heritage Award“ für besondere denkmalpflegerische Leistung.
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