Floating Space

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: Ewout Huibers


Es gibt Wohnungen, die aussehen, als ob ihre Bewohner den Dingen des Alltags abschwören – so leer sind sie. Ein Apartment in Amsterdam huldigt dieser Leere, ohne unterkühlt zu sein. Innendesignerin Laura Álvarez ist die Transformation eines denkmalgeschützten, dunklen und klaustrophobisch anmutenden Innenraums in eine helle, zweistöckige Wohnung gelungen. Zudem hat sie im Erdgeschoss einen Raum geschaffen, der Küche und Wohnzimmer vereint und räumliche Zonierungen dennoch ermöglicht.



Falls von den kochbegeisterten Bewohnern gewünscht, kann das 70 Quadratmeter große Erdgeschoss – in dem sich Küche, Wohn- und Esszimmer sowie ein Gästebad befinden – unterteilt werden. Nicht nur die Schiebetür aus Nussbaumholz sorgt für eine Separierung der verschiedenen Wohnbereiche, auch die fragile weiße Treppe aus Stahl: Wie eine Skulptur schiebt sie sich in den Raum und führt in die erste Etage. Am oberen Ende der Treppe angekommen, sind die Seitenwände mit rahmenlosen Fenstern aus satiniertem Glas versehen, die viel Licht in die Räume zu lenken.

Räumliches Kontinuum: die Küche


Die Küche selbst besteht aus einem freistehenden Holz-Küchenblock mit darüber positionierter Abzugshaube, integriertem Gaskochfeld, Einbau-Backofen und einem Regal für das Deponieren von Weinflaschen, Kochbüchern & Co. Ihr gegenüber steht eine raumhohe Küchenschrankwand mit grifflosen Türen, hinter denen sich viel Raum zum Verstauen von Töpfen, Gläsern, Porzellan und Besteck verbirgt. Dieser Stauraum-Block verschmilzt in seiner weißen Farbigkeit mit der Rückwand des Raums. In einer Aussparung befindet sich die Spüle samt einer Arbeitsplatte. Gehen die Bewohner unter der Treppe hindurch, gelangen sie zum Essplatz. Ein Tisch mit Holzplatte und schwarzen metallenen Kufen ist umstellt mit sechs weißen Kunststoff-Stühlen. Beleuchtet wird der rechteckige Tisch von drei verschiedenen Hängeleuchten-Modellen aus gehämmerten Messing mit mattschwarzer Oberfläche der Serie Beat von Tom Dixon.

Mit Blick auf den Kanal: das Wohnzimmer

Wer seinen Blick auf den romantischen Amsterdamer Singel-Kanal schweifen lassen möchte, kann Platz nehmen auf einer unter den Fenstern eingebauten, hellgrau lackierten Sitzbank, hinter der sich gleichzeitig ein praktischer Stauraum versteckt. Oder er setzt sich auf das gemütliche graue Sofa und stellt das Glas Rotwein auf einem Recycling-Couchtisch des niederländischen Designers Piet Hein Eek ab. Neben dem indirekten Licht, das im oberen Teil der Wände eingelassen ist, sorgt hier die schwarze Stehlampe Twiggy, die Marc Sadler für Foscarini entworfen hat, für eine anheimelnde Beleuchtung.

La vie privée: das Obergeschoss

Während das Erdgeschoss den öffentlichen Bereich der 120 Quadratmeter großen Wohnung darstellt, dient das Obergeschoss der privaten Nutzung. Hier kommt warmes Bambusholz zum Einsatz, während der Fußboden im Erdgeschoss aus grauem Epoxidharz besteht. Rahmen- und schwellenlose Türen unterstützen das Gefühl, sich in einem Raumkontinuum zu befinden. Neben dem Schlafzimmer befindet sich ein multifunktional ausgerichtetes Zimmer, das bei Bedarf als Gästedomizil genutzt werden kann. Beide Räume teilen sich ein Bad, in dem die ursprünglich vorhandenen Gipskartonwände entfernt wurden und alte Dachbalken zum Vorschein kamen. Freigelegt bilden sie mit ihrer Holzmaserung einen schönen Kontrast zum ansonsten vorwiegend weißen Ambiente. Ein ebenfalls weißer, maßgeschneiderter Unterschrank ist mit zwei runden weißen Porzellanwaschbecken versehen. Unter dem wandausfüllenden Spiegel kommen unter Putz und grauen Fliesen liegende Armaturen zum Einsatz. In diesem Geschoss verwirklichten die Architekten auch den Einrichtungstraum jeder Frau: zwar kein begehbarer Kleiderschrank, dafür jedoch ein elf Meter breiter, über die gesamte Tiefe und Höhe der Wohnung reichender Einbauschrank. Womit das Geheimnis gelüftet wäre, wo die Bewohner all den unentbehrlichen Kleinkram des Lebens verstauen.
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