Floras Kiste

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Text: Toni Kny, Foto: Nicolo’ Parsenziani

Was dem einen seine Haustiere, sind dem anderen seine Topfpflanzen. Um der floristischen Leidenschaft einer Mailänder Familie optimale Bedingungen zu schaffen, hat das Architektur- und Designstudio Aim eine lichtdurchflutete Wohnung geplant, von der sich durchaus behaupten lässt: Dort ist alles im grünen Bereich!

Schon beim Eintreten in das in der vierten Etage eines alten Gebäudes im Stadtzentrum Mailands gelegene Apartment wird augenscheinlich: Hier leben nicht nur Menschen. In beinahe jedem Winkel des gerade fertiggestellten Umbaus sprießen Farne und Palmen, wachsen Gummibäume um die Ecke. Genug Raum zu schaffen für das ungehinderte Gedeihen und die Inszenierung der grünen Mitbewohner war der Schwerpunkt, den die Architekten bei dem Projekt setzten.



Inszenierte Offenheit

Weil sich die Bauherren ihr neues Zuhause als einen eleganten und dynamischen Ort wünschten, der flexibel zu gestalten ist, veränderte Aim die bauliche Struktur des ehemaliges Büros, indem sie den Grundriss vollständig neu gliederten. So wurde die gängige Situation mit fensterlosem Flur, der einzelne Wohnbereiche miteinander verbindet, aufgegeben und durch ein offenes Raumgefüge ersetzt, das den Dialog zwischen den einzelnen Wohnbereichen ermöglicht. Das Ergebnis dieser Maßnahme ist eine auf 150 Quadratmeter verteilte Großzügigkeit, die im Zentrum der Wohnung auf besondere Weise inszeniert wurde.

Grundriss

Wohnzimmer als Bühne

Als Herzstück des Apartments haben die Architekten eine nach drei Seiten geschlossene Betonbox erdacht, eine Art Bühne zum Wohnen, in der mittels Durchbrüche interessante Ein- und Ausblicke zur angrenzenden Küche, dem Studio und dem Essbereich geschaffen wurden. Das Konzept, durch die unterschiedlich großen Öffnungen nicht nur viel Tageslicht in den hinteren Teil der Wohnung zu lassen, sondern sie auch als Display-Elemente für die Pflanzen zu nutzen, geht voll auf. Eingefasst in diese Rahmen, wachsen sie in den Raum hinein und aus ihm heraus und werden so beinahe zu einem Teil des quadratischen Volumens.

Leichtigkeit durch Kontraste 

Ergänzt wird dieses haptische und visuelle Wechselspiel durch die unterschiedlichen Oberflächen der „Wohnzimmerkiste“: Während die äußeren Wände in rauem Beton belassen wurden, um einen bewussten Bruch zu erzeugen, sind die Wände im Inneren mit weißem Harz behandelt; die dadurch entstehende leichte, helle Atmosphäre bietet das ideale Setting für die warmtonigen Möbel und Accessoires, die auf den ersten Blick wie kuratierte Exponate in einem Schaukasten wirken, auf den zweiten Blick jedoch als wohnliches Ensemble die ansonsten vorherrschende Nüchternheit – vor allem in Bad und Küche – kontern. 



Tropische Frische

Um das von den Bewohnern gewünschte exotische Ambiente neben den farblich und stofflich dezent gehaltenen Einbauten nicht in den Hintergrund zu drängen, findet sich in der gesamten Wohnung dunkel getöntes Teakholz-Parkett – die Assoziation mit einem Waldboden kommt nicht von ungefähr. Und so lässt das, zusammen mit den tropischen Pflanzen erzeugte, natürliche Raumgefühl von Brazilian Taste, wie Studio Aim das Umbauprojekt klangvoll betitelten, beinahe vergessen, dass man sich inmitten einer italienischen Großstadt befindet. Na dann: (Grüne) Daumen hoch!

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