Flurbereinigung in Paris

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Text: Julia Bluth
Foto: COR & asociados / Luisa Marti

Paris, eine großbürgerliche Altbauwohnung im 9. Arrondissement: 120 Quadratmeter Eichenparkett, stuckverzierte Decken, marmorne Kamine. Eigentlich ein unbezahlbarer Traum auf dem hart umkämpften Immobilienmarkt der französischen Hauptstadt. Was die mit dem Umbau beauftragten Architekten von COR & asociados und mrojo architecture ursprünglich vorgefunden hatten, ähnelte jedoch eher einem düsteren Höhlenlabyrinth denn einem Traum.

„Unsere Auftraggeberin verfügte über eine geräumige Immobilie mit luxuriösen Details in einer sehr begehrten Gegend“, erklären sie. „Die Aufteilung war allerdings so kleinteilig, dass sämtliche Sichtachsen blockiert wurden und die Räume über keinen direkten Zugang zum Sonnenlicht verfügten. Das Ergebnis war eine Ansammlung kaum zehn Quadratmeter großer Zimmer zum nördlichen Innenhof. Ein Drittel der Südfassade wurde allein durch eine enge und in die Jahre gekommene Küche belegt.“

Lichtachse Korridor
Es war also dringend geboten, die Räume anders zu organisieren – mit dem zentralen Eingangsbereich als neuem Herzstück. Die Architekten transformierten den ehemals dunklen und schlauchförmigen Flur in eine offene Erweiterung der verschiedenen Lebensbereiche. Sie entfernten die Wand zur neuen Wohnküche, bauten zwei einfache Schiebetüren zum Wohnzimmer ein und versahen auch das innenliegende, modernisierte Badezimmer mit einem Tageslichtband. Auf diese Weise erreicht das Sonnenlicht der Südseite nun die gesamte Wohnung, und durchgehende Sichtachsen schaffen eine optische Verbindung aller Räumlichkeiten.

Grundriss

Schlafen, arbeiten, essen
Zweiter Schritt des Umbaus war die Verringerung der Raumanzahl durch ein flexibleres Nutzungskonzept. Die Schlafzimmer dienen nun bei Bedarf auch als Homeoffice, während die kleine Nutzküche einem modernen, nach Süden ausgerichteten Koch-Essbereich mit angrenzender Bibliothek gewichen ist. Auf der Hofseite befinden sich nur mehr ein Schlafzimmer sowie das großzügige Wohnzimmer, das sich zum Eingangs- und zum Koch-Essbereich hin öffnet.

Wahrer Luxus
„Für uns glich die Restrukturierung dem Versuch, eine Idee von Luxus wiederzufinden, die nichts mit der Feinheit der Baumaterialien oder der Anzahl der Räume zu tun hat“, fassen die Architekten zusammen. Obwohl sie viel Feingefühl bei der Restaurierung aller historischen Details bewiesen haben – Parkett, Stuck und Kamine erstrahlen in neuem Glanz –, ist es doch ihr konsequenter Mut zur Reduzierung, der ein verschachteltes Labyrinth in eine gelungene Symbiose aus Loftcharakter und diskretem Charme der Bourgeoisie verwandelt hat.

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