Formen des Lichts

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Text: Nina C. Müller
Foto: Peter Bennetts

Es gibt Gebäude, die brennen sich einem förmlich ins Gedächtnis ein. Eines davon ist die „Kirche des Lichts“ von Tadao Andō. Ihr markantestes Element: eine Aussparung im Beton, durch die eine Kreuzform im Gemäuer entsteht – sichtbar erst durch den Einfall des Lichts. Auch für den Umbau eines viktorianischen Cottages in Australien erkannten die Planer von Layan die Vorzüge des immateriellen Stoffes. Ähnlich wie der japanische Architekt nutzen sie Texturen im Stein, Licht und Schatten, um der Architektur eine lebendige, unverwechselbare Form zu verleihen, die sich stets verändert. Und doch zeitlos bleibt.

Meist nimmt man es gar nicht war. Erst wenn es nicht stimmt, bekommt es eine immense Bedeutung, denn Licht in Gebäuden beeinflusst unser Wohlbefinden. Hell soll es sein, aber bitte nicht grell. Es möge die Räume förmlich durchfluten, aber nicht erwärmen, schon gar nicht blenden. Und Fenster dürfen zwar Aus-, aber keine Einblicke zulassen. Vor diesen Herausforderungen standen auch die Architekten Johannes Hart, Nick Murray und Andrew Jaques, als sie ein ehemaliges Arbeiterhauses am Rande von Melbourne familientauglich machen sollten.

Sonnenwind
Doch sie bekamen kompetente Unterstützung. „Der Bauherr führt ein Unternehmen für Lichtdesign und so arbeitete er akribisch an der Auswahl und Gestaltung der Beleuchtung seines Hauses mit“, berichten die Planer. Fast könnte man sagen, das australische Architektur- und Designstudios Layan behandelte das Licht in dem inzwischen 220 Quadratmeter großen, zweistöckigen Einfamilienhaus wie einen Rohstoff – das jedoch mit ganz unterschiedlichen Absichten.
Für den Anbau auf der Rückseite des Gebäudes sahen sie einen offenen Innenhof vor, um den herum sich die neuen Räume ansiedeln. Mittels vollflächiger, bodentiefer Schiebetüren kommt so möglichst viel natürliches Licht und frische Luft in den Kern des Hauses. Außerdem erlaubt die transparente Gestaltung vielfältige Blickbeziehungen innerhalb der Wohnräume und schafft fließende Übergänge zum Garten.

Schattengestalt
Ganz anders waren die Anforderungen für die oben liegenden Schlafzimmer. Hier sollten Sonneneinstrahlung und Sichtlinien auf die angrenzenden Nachbargrundstücke reguliert werden. Zu diesem Zweck entstand ein eigens für das Haus entwickeltes Lichtsystem aus 907 Kunststoffscheiben, drehbaren Edelstahlrohren und Leuchtdioden, das gleichsam dekorative wie funktionale Aufgaben erfüllt. Außen an der Fassade angebracht, dienen seine Lamellen der exakten Streuung des einfallenden Lichts und fungieren als Sichtschutz.

„Die doppellagigen, konvexen Blenden modellieren das natürliche Licht und erzeugen ein Spiel aus Schatten und Texturen“, erklären die Architekten. Doch das System kann noch mehr. Mit jeweils einer warmtonigen LED ausgestattet, erfüllen die transparent-weißen Scheiben auch die Funktion kleiner Lampenschirme, mit denen die Bewohner die Räume während der Abendstunden großflächig und stimmungsvoll beleuchten können. Außerdem unterstützen speziell abgestimmte Wellenlängen der Leuchtdioden einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus.

In neuem Licht
Warme Töne und Texturen finden sich auch in der Materialpalette des Interiors wieder. „Die durchgängige Verwendung von amerikanischer Eiche schafft ein effektvolles Glühen“, sagen die Architekten. Ein Kamin, ein cognacfarbenes Ledersofa und Travertinfliesen sorgen ebenfalls für wohnliche Natürlichkeit im gesamten Wohnbereich. Hinzu kommen Terrazzoböden und cremefarbene Klinker für die Wände im Hof und Innenraum. „Die schlanken, eleganten Steine greifen die Materialität des ursprünglichen Hauses auf“, sagen die Planer.

Ähnlich wie das Beleuchtungssystem im oberen Stock ständig wechselnde Musterungen aus Licht und Schatten erzeugt, sorgen auch die Klinker im unteren Bereich für feine Strukturen in den Wänden und Einbauten. So gelingt es den Planern – lediglich mit dem Einsatz von Licht und Stein – der Architektur einen einzigartigen Charakter zu verleihen und die Grenzen zwischen Innen und Außen spielerisch aufzulösen.

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