Frida Escobedo: Ankommen im Park

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Iwan Baan

Britische Ziegel treffen auf mexikanische Architektur: Frida Escobedos Serpentine Pavilion in den Westlondoner Kensington Gardens ist eine Überraschung aus Licht und Schatten, Stein und Wasser.

Den Anfang machte Zaha Hadid mit einer gefalteten Dachstruktur, die mitten in den Kensington Gardens gebaut wurde – das ist nun 18 Jahre her. Der Pavillon sollte Hadids erstes realisiertes Projekt auf britischem Boden sein und genau dies wurde zum entscheidenden Kriterium für die nachfolgenden Ausgaben des Serpentine Pavilion: Architekten, die noch nie auf der Insel gebaut haben, entwerfen ein temporäres Werk neben der Serpentine Gallery – ein Format der damaligen Co-Direktorin Julia Peyton-Jones und Hans Ulrich Obrist.

Mit den Jahrzehnten hat sich das Bauexperiment zu einer festen Institution am internationalen Architektenfirmament etabliert und die alljährliche Ernennung zum Serpentine-Pavilion-Architekten wird fast so heiß diskutiert wie der Pritzker-Preisträger. Für die 18. Ausgabe, beziehungsweise den 17. Pavillon (Pavillon Nummer fünf im Jahr 2004 von MVRDV wurde nicht realisiert, aber das ist eine andere Geschichte) hat man sich für die junge, mexikanische Architektin Frida Escobedo entschieden und sorgte mit der Wahl für eine unbekanntere und weibliche Architektin für besondere Aufmerksamkeit. Sollte das im Jahr 2018 noch eine Rolle spielen? Zumindest Frida Escobedo scheint über dieses Thema schlauerweise nicht sprechen zu wollen: „When we stop feeling that‘s surprising [that female architects occupy positions of power], then we will have arrived“, antwortet sie in einem Guardian-Interview, das Anfang Juni veröffentlicht wurde.

Frida Escobedo, Foto: Ana Hop

Auf den bezaubernden Pavillon mit seinen blauen Holzmodulen von Francis Kéré im letzten Sommer folgt diesen Juni also eine ebenfalls offene Struktur. Auch Escobedo arbeitet mit einer Fassade, die filigrane Öffnungen hat. Die gestapelten, dunklen Dachziegel, ein Material britischen Ursprungs, kombiniert die Architektin mit einer typischen Bautradition ihrer Heimat, der Celosia. Der aktuelle Sommerpavillon wirkt vielleicht etwas schüchtern, bietet den Vorgängerbauten von Sou Fujimoto (2013), Herzog & de Meuron (2012), Peter Zumthor (2011) oder SANAA (2009) aber durchaus die Stirn. Dass zum gestrigen Preview neben Frida Escobedo noch eine andere Mexikanerin saß, nämlich die Schauspielerin und Frieda-Kahlo-Darstellerin Salma Hayek, sorgte auch auf Instagram für Furore: #thetwofridas!

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