Ganzheitliche Geometrie

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Text: Judith Jenner
Foto: Shawn Koh/Feng Studios

Partner: USM

Mehr Licht, mehr Platz, mehr gemeinsamer Raum: So lautete kurz gefasst das Briefing an Architekt Fabrizio Gurrado für den Umbau eines dreistöckigen Penthouses in Peking. Um den Platz in der 315 Quadratmeter großen Wohnung in einer luxuriösen Wohnanlage effizient nutzen zu können, galt es erst einmal, den Grundriss neu zu planen.

Obgleich untypisch für chinesische Wohnungen, wünschten sich die Bauherren ein zur Küche hin offenes Ess- und Wohnzimmer für gemeinsame Abende mit Freunden. Fast alle nicht-tragenden Wände wurden dafür entfernt, die Treppe vom Eingang ins Wohnzimmer versetzt und die komplette Wohnung geöffnet. Selbst das Schlafzimmer ist Teil des loftartigen Raums und nur durch Glaswände vom Wohnzimmer getrennt. In einem skulpturalen, blau gefliesten Küchenblock verbirgt sich ein versenkbarer Esstisch, der bei Bedarf in verschiedenen Längen auf ein niedriges Podest ausgefahren werden kann.

Neue Lösungen fürs Wohnzimmer
Die glasierten Fliesen des Küchenblocks setzen sich auch an der Wohnzimmerwand fort – und treffen dort auf das modulare Regalsystem von USM. Die unkonventionelle Entscheidung für ein Büromöbel im Wohnzimmer begründet Fabrizio Gurrado, Creative Director des Büros IS architecture and design, so: „Heutzutage ist die Differenzierung von Räumen durch ihre bloße Funktion nicht mehr zeitgemäß. Unsere moderne, dynamische Lebensweise erfordert immer mehr Flexibilität in der Nutzung und im Stil.“ Zudem ist der gebürtige Italiener bekennender USM-Fan: „Dieses System hat ein so großes Potenzial, dass es aus meiner Sicht schade ist, es nur als ein modulares Möbelbausystem für das Büro zu betrachten. Ich schätze die neuesten Aktualisierungen sehr, die USM daran vorgenommen hat, und habe nur auf die Gelegenheit gewartet, es in einem meiner Projekte einzusetzen.“

Zeitalter der Fusion
Für Fabrizio Gurrado ist mit diesem Jahrtausend ein Zeitalter der Fusion, der Globalisierung und Integration angebrochen. Besonders in China sei das spürbar. Wenn Büros plötzlich wie Hotelräume aussehen, warum sollten dann nicht auch Büromöbel im Wohnzimmer stehen, zumal sich der Bauherr einen rationalen und geometrischen Stil für seine Wohnung wünschte? „Die Geometrie der USM-Schränke, die trotz ihres Vintage-Charmes in dieser Umgebung extrem zeitgemäß wirken, und das strenge Netz der quadratischen Fliesen verstärken die statische Abstraktion, die die gesamte Wohnung durchdringt“, erklärt der Architekt. „Mit ihren entsättigten Farben und geraden Linien rufen sie die Energie einer ‚ruhigen Natur’ in Erinnerung – wie in einem Gemälde von Giorgio Morandi mit seinen geometrischen Kompositionen und ruhigen Tönen.“
Tatsächlich hat die Wohnung durch die radikalen Eingriffe in den Grundriss an Platz und Lebensqualität gewonnen, nicht zuletzt dank des Mutes des Architekten zu ungewöhnlichen Lösungen.

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