Gemauertes Kunststück: Cottage in Mexiko

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Rory Gardiner

Das mexikanische Studio von Héctor Barroso hat in Valle de Bravo eine Waldsiedlung geschaffen, die sich als eine architektonische Fortführung der Landschaft versteht. Die maßgeschneiderten Kücheneinbauten denken wiederum die Ziegelgebäude weiter und ergänzen diese mit ihren warmweichen Holzoberflächen.

Auch Unsichtbares lässt sich planen, Architekten sprechen dann meistens von Atmosphäre. Manchmal wird sie leider komplett vergessen. Manchmal entsteht sie durch besonders feinfühlige Material- und Raumkompositionen. Die Ziegelbauten für diese fünf Wochenendhäuser in West-Mexiko erinnern dabei sogar irgendwie an die Backsteinskulpturen des Dänen Per Kirkeby, wirken aber durch die mit Erde geschlämmten Fassaden viel natürlicher – trotz einer geometrischen Strenge.

Außen

Verantwortlich für den Entwurf zeichnet das Architekturbüro Taller Héctor Barroso, ein kleines Atelier aus der Colonia Condesa in Mexiko-Stadt. Héctor Barroso weiß, was ein gutes Wohnhaus braucht, das hat er bereits mit gelungenen Wohnungsbauprojekten in verschiedenen Dimensionen bewiesen. Licht und Schatten, viel Vegetation vor der Haustür sowie einen Bezug zur lokalen Umgebung nennt er als entscheidende Faktoren für seine Entwürfe. Nur wenn man als Architekt all dies mit einplane, könne sich eine Harmonie entwickeln, meint der Architekt.

Sein neuestes Projekt befindet sich in der Gemeinde Valle de Bravo, etwa 150 Kilometer südwestlich der mexikanischen Hauptstadt. Bergiges Terrain und Nadelwald bestimmt den Charakter dieser Gegend. Und auch Barrosos Architektur. Entre Pinos heißt die Waldsiedlung, die sich aus fünf jeweils zweigeschossigen Wochenendhausensembles zusammensetzt. Jede der fünf Einheiten besteht wiederum aus sechs Volumen, die sich um einen Patio gruppieren. Gebaut wurde inmitten der Kiefern an einem Hang – ergänzt wird das mit Lehm geschlämmte Mauerwerk von betonierten Fundamenten und Deckenkonstruktionen aus Holz.

Innen

Alle Nordfassaden sind geschlossen, Richtung Süden öffnen sich die Häuser zur Umgebung. Während die Ziegelbauten von Außen vor allem durch die markante Treppenuntersicht auffallen, sorgen im Inneren die raumverlängernden Durchblicke in den Kiefernwald für die Wohnatmosphäre. Nützliche Details wie gerippte Holzdecke als Akustikelement oder die massiven Holzblöcke als Ablageflächen und Beistelltische unterstützen die Wirkung der natürlichen Baumaterialien.

Die Kücheneinbauten im Erdgeschoss haben die Architekten maßgeschneidert in den Raum integriert, die geölten Holzoberflächen finden sich in Fensterlaibungen, Zimmertüren und Deckenkonstruktionen wieder. Der Einbau erstreckt sich unauffällig über Eck, nur wenige Öffnungen unterbrechen die geschlossenen Holzfronten der Küchenzeile. Nichts stört, nichts schreit, alles passt harmonisch zusammen

Weil das Interieur ausnahmslos in erdigen, warmen Tönen gehalten ist, leuchten die Schalensitze der Eames Chairs – die Vitra-Stühle, die sonst so schlicht und elegant wirken – in diesem Esszimmer schneeweiß. Reinweiß ist auch die Bettwäsche. Und wenn man von den Schlafzimmern im Obergeschoss aus dem Bett durch die Bäume blickt, kann man die Kiefernstämme dabei beobachten, wie sie sich im Wind wiegen.

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