Gemütlichkeit im Binärcode

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Text: Tanja Pabelick
Foto: Evelyne Gfeller (Brunner AG)

Partner: Brunner

Die Fassade des neuen Hewlett Packard-Headquarters kommuniziert kodiert. Bei der Nachbarschaft kein Wunder: Gleich nebenan sitzt das Kernforschungsinstitut des CERN, unter der Landschaft an der französisch-schweizerischen Grenze ziehen die Teilchen im Large Hadron Collider ihre Kreise. Das neue Gebäude des Computerspezialisten gehört zu einem Hightech-Campus, der sich trotz der formalen Strenge der Architektur im Innern durchaus wohnlich gibt – und mit Möbeln von Brunner seine Räume so ausgestattet hat, dass sie die Gemütlichkeit mit arbeitsgerechtem Funktionalismus verbinden.

Der Standort in Meyrin-Satigny ist nicht nur durch die Grenzlage optimal. Wenige Fahrminuten entfernt liegt das weltoffene Genf mit seiner internationalen Business Kultur und seinem exzellent angebundenen Flughafen. Trotzdem war HP im Jahr 1968, als es hier seinen ersten Firmensitz baute, das erste internationale Unternehmen am Ort. Das Pioniergebäude wurde damals The Hive – der Bienenstock - getauft und steht heute unweit des Neubaus von CCHE Architekten aus Lausanne. The Hive 02 ist Teil eines ganzen Hive-Areals, das von den Machern auch als „Campus für Menschen“ beschrieben wird. Neben dem Bestandsgebäude und dem neuen Headquarter sollen hier in Zukunft in parkähnlicher Landschaft weitere Projekte entstehen, wie Coworking, ein Restaurant mit Ausbildungszentrum und ein Container-Hotel.

Architektur als Botschafter
Die anthrazitfarbene Fassade des Gebäudes besteht aus vorgefertigten und mit Säure behandelten Sandwich-Elementen und ist von der Computersprache inspiriert. Die 334 Teile kommunizieren die Wiederholung der Codereihe 01010 und sorgen auf dem schwarzen Monolithen für rhythmische Akzente. Schon in der Landschaft setzen die Architekten mit ihrem Gebäudeblock auf Kontraste. Durch seine Lage an der grünen Grenze ist das Gebäude in die sanften Hügel eingebettet. Und auch im Innern des Gebäudes herrscht eine zur Gebäudehülle diametral wirkende Stimmung. Der Besucher wird in pastelligen Nuancen und skandinavische Materialien empfangen, das Mobiliar, wie die Sitzmöbelfamilie Crona von Brunner, kombinieren textile Schalen mit Holzgestellen – willkommen in der Lounge.

Zwei auf vier Etagen
In der Lobby des Erdgeschosses stehen sich die zwei Empfangstresen der beiden Departments von HP gegenüber; HP Headquarters Inc. und HP Enterprise. Und auch die angeschlossenen Bereiche dienen beiden Unternehmensteilen als gemeinschaftliche Zone. Angegliedert sind ein Restaurant, eine Cafeteria, eine Küche und ein Mehrzwecksaal, in dem Events oder Meetings stattfinden können. Darüber liegen auf vier Etagen die Büros, die als offene Fläche gestaltet sind und deren Nutzungskonzept auch auf die Fantasie der Mitarbeiter ausgerichtet ist. Es werden offene, halboffene und geschlossene Zonen angeboten, letztere reichen von der Telefonkabine über intime Besprechungszimmer bis zu Meeting- und Konferenzräumen.

Skandinavische Leichtigkeit
Zwischen den klassischen Schreibtischen stehen informelle Möbelgruppen, die sich aus verschiedenen Brunner Crona-Modellen zusammensetzen. Durch die Kombination der verschiedenen Typologien der Lounge-Serie mit hohem oder niedrigem Rücken, als Sessel oder Mehrsitzer, entstehen kleine gemütliche Inseln. In ihnen kann gearbeitet werden, aber auch ein Projekt besprochen. Zum Lunch oder einer Kaffepause bietet HP seinen Mitarbeitern die Cafeteria und Besprechungsnischen an – und auch etwas mehr Sachlichkeit beim Mobiliar. Die Crona Light sind mit einer Kunststoffschale ausgestattet – und dadurch nicht nur pflegeleichter, sondern kommunizieren auch die dynamische Raumnutzung. Flexibilität ist heute einer der wichtigsten Anforderungen im Objektbereich: Das Mobiliar muss sich auf wandelnde Nutzungsanforderungen blitzschnell einstellen. In den Konferenzräumen fiel die Wahl deshalb auf einen Stapel- und Reihenstuhl wie den A-Chair, der auch mal platzsparend verstaut werden kann, wenn Fläche gebraucht wird. Auf jedes Areal wurde bei der Möblierung individuell eingegangen – und die Mitarbeiter haben bei HP jetzt ein Büroumfeld, das trotz weniger Grundelemente im Ergebnis so vielseitig ist wie ein Binärcode.

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