Gestapelte Askese: Wohnhaus für einen Fotografen

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Text: Tim Berge, Foto: Norihito Yamauchi | Yoshihiro Asada

Der japanische Architekt Kouichi Kimura und sein Büro FORM haben mit dem Haus eines Fotografen eine außergewöhnliche Balance aus gestalterischem Minimalismus und Funktionalität geschaffen. Der Neubau dient nicht nur als Wohn-, sondern auch als Arbeitsplatz seines Bauherrn, der großen Wert auf Privatsphäre und die Beleuchtung legte.

Kouichi Kimura liebt das Spiel mit der Geometrie: Seine Bauten bestehen zumeist aus gestapelten und ineinandergesteckten Kastenformen, die sich nach außen verschlossen geben und sich allein in ihrer Materialität voneinander zu unterscheiden scheinen. Mit der Fassadenoberfläche geht der Architekt auf das jeweilige städtische Umfeld ein – oder schafft, wie beim Haus für den Fotografen, einfach nur einen formalen Kontrast zwischen den einzelnen Volumen sowie dem Neubau und umliegendem Bestand. Ansonsten bildet die äußere Hülle einen austernartigen Schutzmantel, der sich um den Wohnraum legt. Für das Haus in der japanischen Präfektur Shiga wählte der Architekt das Zusammenspiel aus verzinktem Stahlblech und grauem Mörtel: eine schlichte und effektvolle Fassade, die das Tageslicht auf unterschiedliche Art und Weise reflektiert. 

Hell-Dunkel-Kontraste
Auf das reduzierte Äußere folgt ein fein nuanciertes Innenleben: Komplexe, ineinander verwobene Raumstrukturen und geschickt platzierte Öffnungen in Fassade und Dach verbinden innen und außen und sorgen für eine spannende Dramaturgie im Gebäudeinneren. Kimura erzeugt mit seiner Grundrisskomposition ein Spiel aus Hell und Dunkel und folgt dem Wunsch des Bauherrn, die Möglichkeiten der Tageslichtführung voll auszuschöpfen. Betreten wird das Wohnhaus durch einen schmalen Durchgang, der sich bereits außen als kompaktes und eigenständiges Volumen präsentiert. Von hier aus gelangt man in einen hell erleuchteten, doppelgeschossigen Raum. Ein Deckenlicht lenkt und inszeniert das einfallende Tageslicht zugleich. Der Raum dient dem Fotografen als repräsentativer Eingangsbereich und Galerie.

Fotostudio
Von hier aus führt ein weiterer, dunkler und schmaler Flur in den kompakten Wohnbereich. Dieser wirkt dank des Einsatzes von Holzoberflächen intim und gemütlich und bildet einen angenehmen Kontrast zu den ansonsten kühlen Materialien des Studios und der Galerie. Aus dem Küchen- und Essbereich hat der Fotograf zudem einen wunderschönen Ausblick in den kleinen Garten, um den sich das Gebäude legt. Das Zentrum des L-förmigen Grundrisses bildet allerdings das Fotostudio, das gleichzeitig auch als Wohnzimmer fungiert. Der Raum ist leicht angehoben und über kurze und schmale Treppenläufe an die untere Ebene angebunden. Große Fenster öffnen das Studio zum Außenraum und lenken ebenfalls Tageslicht ins Innere – forciert durch die hellen Oberflächen. Kimura ist mit dem Haus ein spannendes Spiel aus Licht und Schatten, hell und dunkel sowie kalten und warmen Materialien gelungen. Die ideale Wirkungsstätte für einen Fotografen. 
Pläne
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