Gläserne Denkfabrik

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Text: Tanja Pabelick

Partner: Brunner

In globalisierten Zeiten ist es selten geworden, dass Entwicklung, Produktion und Verwaltung sich einen Standort teilen. Der deutsche Möbelhersteller Brunner hingegen hat die Idee eines alles vereinenden Campus zur Grundlage eines Masterplans gemacht, der die Entwicklung und Ausrichtung des Unternehmens in den nächsten 15 Jahren steuert. Mit der Innovation Factory eröffnete zuletzt die neueste Werkserweiterung, die die Unternehmens-DNA in die Architektur überführt.

Der Entwurf des Neubaus im baden-württembergischen Rheinau stammt aus der Feder des renommierten Büros Henn. Mit ihrer Architektur für den Brunner-Campus suchen sie bewusst den formalen Bezug zu den untergebrachten Aufgaben. Der als Hybridgebäude beschriebene Blockbau beherbergt die Entwicklungsabteilung, Montage- und Versandbereiche, Büro- und Kommunikationsflächen sowie ein Restaurant. Dass die vielen Aufgaben hier gebündelt werden, ist Ergebnis einer klaren Strategie. Die Mitarbeiter sollen auch über die Abteilungen hinweg miteinander ins Gespräch kommen und damit eine Kernkompetenz des Unternehmens stärken: die Entwicklung individueller Sonderlösungen.

Lageplan und Grundrisse
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Himmel aus Holz

Schon die Geschichte Brunners begann mit der festen Überzeugung, dass immer da ein Weg zu finden ist, wo der unbedingte Wille ist. Mit dem VW-Bulli machten sich Rolf und Helena Brunner 1977 auf dem Weg zu einem Kunden, der einen zuvor als „unmöglich“ beschriebenen Auftrag zu bieten hatte – und machten für ihn das Unmögliche möglich. Diese Gründungsgeschichte prägt die Haltung des Unternehmens bis heute. Vieles bei Brunner wird mit einem besonderem Qualitätsanspruch von Hand gefertigt. Dadurch ist man in der Lage Möbel herzustellen, die auf den Kunden oder seinen individuellen Anspruch zugeschnitten sind. Diese inneren Werte spiegelt der Neubau: Der Manufakturgedanke wird im modularen Holztragwerk sichtbar, das sich als orthogonales Skelett durch den Gebäudehimmel schiebt. Filigran und leicht scheint es das Dach in die Schwebe zu bringen.

Nach innen offen

Transparenz ist die Grundlage guter Kommunikation – und was im kollegialen Miteinander gelebt wird, zeigt sich auch am Gebäude. Die Richtung Nordwesten ausgerichtete Fassade des Riegels ist vollflächig verglast und wirkt wie ein Schaufenster für die Prozesse im Innern. Gleichzeitig sorgt der maximale Tageslichteinfall in den Büros und im Restaurant für eine Arbeitssituation mit Outdoor-Charakter, unterstützt durch die angrenzenden Grünflächen. Er ist nur durch die Glasscheibe getrennt, aber durch seine gestalterische Offenheit die räumlich logische Fortsetzung des Innenraums. Für die Mitarbeiter und Besucher wird der Außenraum zum Marktplatz und zur Ruhezone, in der man sich erholen, aber auch zum Austausch treffen kann. Rasen, Teich und Pflaster werden von Outdoor-Möbeln aus dem eigenen Portfolio bevölkert – und haben seit der Fertigung keine weite Strecke zurückgelegt. Der Ursprung der Brunner-Produkte, von der Konzeption bis zur Fertigung, liegt immer nur einen kurzen Fußweg entfernt.

Kollegiale Sichtbeziehung

Von außen betrachtet, ist die Innovation Factory in zwei Bauteile gegliedert. Der Produktionsbereich ist eingeschossig angelegt, daran gliedert sich ein zweigeschossiger Gebäuderiegel an. Die Bürobereiche sind im oberen Geschoss untergebracht und bieten über eine Galerie den direkten Sichtbezug zu den ebenerdig stattfindenden Herstellungsprozessen. In dieser Haupthalle findet die Stuhl- und Tischmontage statt, aber auch der Versand. Die für die Verwaltung sonst oft abstrakten Prozesse sind durch die verglasten Trennwände einsehbar, aber akustisch abgeschirmt. Brunner realisiert so eine moderne Produktionsstätte mit viel Raum für Teamleistung und Interaktion, während die Kunden einen Showroom vorfinden, in dem die Kompetenzen des Unternehmens hautnah zu erleben sind.

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