Grüne Grenze Down Under

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Text: Tanja Pabelick
Foto: Lillie Thompson

Traditionell organisieren sich Großraumbüros in Arbeitskuben. Die Räume des Melbourner Unternehmens Candlefox zeigen eine minimalistische und gleichzeitig gemütliche Alternative. Skelett-Wänden zähmen einen Indoor-Dschungel, die offene Küche wird zum Zentrum des Büros und das Interieur dekliniert Schwarz und Weiß in monochromer Konsequenz.

In der Gastronomie gilt der Satz „Das Auge isst mit“. Im Büro hingegen spielt die Ästhetik oft eine weniger wichtige Rolle – nach Effizienz, Organisation und Funktion. Dabei wurde in Studien immer wieder belegt, dass eine gute Atmosphäre die Leistung der Mitarbeiter positiv beeinflussen kann. Das Büro von Candlefox in Middle Park im südlichen Melbourne ist exemplarisch für eine Wohlfühl-Arbeitsumgebung, die sich gleichzeitig sachlich und professionell zeigt. Das Unternehmen unterstützt Bildungsanbieter dabei, ihre Schülerzahlen zu erhöhen – und legt besonderen Wert auf eine kommunikative Organisation. Entworfen hat das Interieur das Architekturbüro von Tom Robertson – und zwar nicht nur für die 20 Mitarbeiter, sondern auch für Kunden. „Die Räume sind mehr als ein Büro. Das neue Design schafft einen Ort, an dem zusammen gearbeitet werden kann, Ideen geteilt – aber auch Kontakte gepflegt und Besuch empfangen“, erklärt Tom Robertson seinen Entwurf.

Monochrome Palette
Aufgrund des kommunikativen Konzepts spielt die Küche eine zentrale Rolle – im direkten Sinn. Sie ist mittig im Büro untergebracht, offen gestaltet und komplett in Weiß gehalten, sodass sie auch visuell hervortritt. Hier sollen die Mitarbeiter nicht nur Kaffee kochen, sondern finden unweit des privaten Schreibtisches einen alternativen Ort für Meetings und informelle Gespräche. Die Wahl einer monochromen Schwarzweiß-Palette ist ein übergeordnetes Designthema: Durch viel Weiß entsteht eine helle Atmosphäre, die die Aufmerksamkeit steigern soll, während im Bereich der Arbeitsfläche Schwarz dominiert und für ein Klima der Konzentration sorgt. Der offene und hohe Raum des Gemeinschaftsbüros wurde erhalten. Statt Wände einzuziehen, hat sich Tom Robertson für eine weniger solide Lösung entschieden. Gitterrahmen aus schwarz lackiertem Metall zonieren den Raum und wirken durch ihre grafische Silhouette nahezu comic-haft.

Organisation im Raster
An den Schreibtischen wurden außerdem Textilpaneele montiert, die als Sichtschutz dienen und akustisch beruhigen. Die großen Arbeitsplatten werden zu Inseln im Raum, die Gitter zu ihren räumlichen Grenzen. Dabei erfüllen die metallenen Blockstrukturen mehrere Funktionen: Neben der Raumgliederung werden sie zur Rankhilfe für einen Indoor-Garten, der sich ausgehend von mehreren im Raum platzierten Pflanzkästen durch die Struktur streckt. Die transparente Demarkationswand wird partiell zu einer physischen. „Wir nutzen die Pflanzen als Rahmen, um kleinere Zonen innerhalb der großen Fläche zu kreieren“, erklärt Tom Robertson. Das bringt nebenbei auch akustische Vorteile. Die Blätter und das Holz absorbieren den Schall und reduzieren so den Hall. Mit der Zeit wird sich mit ihrem Gedeihen das Interieur verändern. Wuchs, Gattung oder Blüte der Pflanzen wirken auf den Raum – das Büro von Candlefox ist im direkten Sinn ein dynamisches Arbeitsumfeld, das auch der Ästhetik einen vorderen Rang zugesteht.

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