Hamam im Adlerhorst

9

Text: Claudia Simone Hoff


Zugegeben, ein wenig holprig ist die Anreise schon. Vom Flughafen Dalaman im Süden der Türkei geht es noch zwei Stunden Richtung Westen, ehe das Ziel erreicht ist. Doch die Anstrengungen lohnen sich, liegt das D-Hotel Maris einsam auf der von einem Naturschutzgebiet umgebenen Halbinsel Datça. Ursprünglich ein Robinson Club, wurde es nach einer Komplettsanierung im April als elegantes Fünf-Sterne-Haus wiedereröffnet. Ebenso elegant gestaltet ist der Spa-Bereich des Hotels, der mit einem modernen Hamam aufwartet.


Für die überarbeitete Architektur und das Innendesign des Hotels zeichnet das Büro SCDA aus Singapur verantwortlich. Bereits das großzügig angelegte Entree mit Blick auf das ägäische Meer und die Berge veranschaulicht die gestalterische Idee: ein elegant-luftiges Interieur in Braun- und Cremetönen. Ausgewählte Materialien wie Travertin, Wallnussholz und Leder sowie eine schlichte Linienführung werden kombiniert mit italienischen Designermöbeln und orientalisch angehauchten Accessoires. Das Hotel verfügt auf acht Etagen über 200 Zimmer unterschiedlicher Kategorien, 400 Mitarbeiter bemühen sich um die Gäste.

Leben im Luxus: das Badezimmer


Wer zusätzlichen Service schätzt, mietet sich ein im Executive Club. Hier sind die Zimmer mit einem offenen Grundriss versehen, wobei dem Badezimmer viel Raum zugestanden wird. Getrennt werden beide Bereiche durch einen metallenen Paravent, der von einem orientalischen Muster durchbrochen ist. Praktisch ist nicht nur das digitale Touchscreen zum Regeln von Temperatur und Beleuchtung – der weibliche Gast freut sich über einen Schminktisch mit samtbezogenem Hocker, die gute Beleuchtung und exquisite Kosmetikprodukte.

Von beiden Seiten des breiten Waschtischs, der mit zwei Wasserbecken und einem darüber hängenden Spiegel ausgestattet ist, gehen opake Glastüren ab. Öffnet der Gast die eine, befindet sich dahinter eine quadratische Badewanne mit Meerblick, während sich hinter der anderen Tür die Toilette sowie ein separater Duschraum verbergen. Sämtliche Nassräume sind wandhoch mit Travertin verkleidet, während die praktischen Schrankeinbauten in Nussbaumholz gefertigt sind. Das Highlight des Badezimmers ist jedoch die Regendusche, denn während das Wasser fein aus der an der Decke angebrachten Dornbracht-Armatur sprudelt, kann sich der gestresste Großstädter niederlassen auf einen beheizbaren Marmorstein und sich ein Körper-Peeling gönnen – ganz wie in einem öffentlichen türkischen Hamam.

Leben im Müßiggang: der Spa-Bereich

Wer vom Hamam-Feeling nicht genug bekommen kann oder eine Rückenmassage, ein entspannendes Sprudelbad oder einen Saunagang wünscht, ist gut aufgehoben im 3000 Quadratmeter großen, zweistöckigen Spa im Untergeschoss des Hotels. Dass es im hinteren Bereich der ersten Spa-Etage – wo sich auch der Indoorpool befindet – trotzdem taghell ist, liegt an der Hanglage des Gebäudes. Der zweigeteilte Pool verfügt im vorderen Bereich über ein 36 Grad warmes Becken – in dem Metallliegen und -sessel zur sprudelnden Unterwassermassage einladen – während der hintere Bereich mit 28 Grad Wassertemperatur für die kleine Abkühlung danach sorgt. Vorbei an den nach Geschlechtern getrennten Umkleideräumen mit finnischer Sauna, Eisbrunnen und Dampfbad geht es zum schönsten Raum des Spas: dem Hamam. Hier dominieren gerundeten Formen, indirektes Licht, eine luxuriöse Marmorausstattung und typisch türkische Accessoires wie Wasserschalen und Kannen aus gehämmertem Kupfer.

So gepeelt, gebürstet und die Muskeln im Massagepool entspannt, ist man optimal vorbereitet auf eine Ganzkörpermassage in der Keller-Ebene des Hotels. Dass trotzdem kein muffiges Keller-Feeling aufkommt und man sich stattdessen in den Räumen wohl und geborgen fühlt, liegt nicht nur an der leisen musikalischen Untermalung und der feinen Raumbeduftung – die Gestaltung des Interieurs tut ein Übriges: Die schummrig-ruhige Atmosphäre wird unterstützt durch indirektes Licht (Lichtschlitze in den Wänden), Holzhockern von Terry Dwan und gemütlichen Sitz- und Liegemöglichkeiten. Das Architektur- und Designbüro SCDA hat sich dabei auf die Verwendung von Naturmaterialien und Brauntönen fokussiert. Im Behandlungszimmer fängt Alex aus Bali dann mit der Massage an. Bereits nach wenigen Minuten – leicht benebelt vom wohl riechenden Körperöl – denkt man kaum noch an den Reisestress, nervige Termine oder piepsende Mobiltelefone.

Leben am Meer: die Strände

So entspannt lässt sich die spektakuläre Lage des Hotels richtig auskosten. Die 156.000 Quadratmeter große Außenfläche mit Wasserbecken, Swimmingpool, verschiedenen Sitz- und Liegemöglichkeiten, symmetrisch angelegten und architektonisch anmutenden Blumenrabatten lädt ein zur Outdoor-Entdeckungsreise. Mit einem Fahrstuhl geht es bequem hinunter zum Wasser. Vom feinen Sandstrand aus kann der Müßiggänger aufbrechen zur Erkundung der Umgebung mit dem Kanu. Wer den zwischen den Zehen rieselnden Sand nicht so sehr mag, schlendert einfach weiter zum hölzernen Kai, wo ebenfalls Liegen bereit stehen. Wer sich lieber sportlich betätigen will, hat die Wahl: Das Angebot reicht von Wasserski- bis zu Segel- oder Surfunterricht. Möchte man das Wassersportgerät nicht selbst bedienen, steigt man ein in das Shuttle-Boot und lässt sich zu einem der hoteleigenen Strände fahren. Dort warten Cabañas, hölzerne Tagesbetten und Liegen darauf, vom Urlauber in Beschlag genommen zu werden. Manch einer träumt unter wehenden Sonnensegeln und flatternden weißen Vorhängen den ganzen Tag vor sich hin – nur unterbrochen von Schwimmzügen im erfrischenden Wasser oder einem frischen Fischgericht mit einem Glas kühlen Rosé.  

So gestärkt, geht es dann auf die hoteleigene hölzerne Segelyacht. Obwohl ausgestattet mit mehreren Doppelkabinen und En-Suite-Marmorbädern, einer geräumigen Küche mit Gaggenau-Geräten und einem luxuriösen Wohnraum, ist es an Deck doch am Allerschönsten. Segelt man zur blauen Stunde gemächlich über das stille Meer, versinkt die Sonne im Hintergrund und gleiten die Berge in ein langsames Dunkel – könnte das Leben schöner nicht sein.
Weitere Artikel 13 - 14 von 14 Poesie im Quadrat: Ferien in Vinkeveen Mit Farben lernen: Lycée in Luxemburg

Portraits, Hintergrundberichte und Reportagen zum Zeitgeschehen im Designbereich.