Haus im Hof

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Text: Julia Bluth
Foto: Nic Granleese

Ein schmales Budget, ein noch schmaleres Grundstück und hohe Ansprüche – eigentlich keine erfolgsversprechende Kombination. Architekt Adrian Bonomi schaffte es dennoch, einer jungen australischen Familie ihren Traum vom Traumhaus zu erfüllen. Im beliebten Vorort Brunswick nördlich vom Stadtzentrum Melbournes fügt sich sein minimalistisches C House nicht nur nahtlos in die viktorianische Architektur der Nachbarschaft. Es vermittelt auch eine Weite und Größe, die in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Fläche steht.

Einst befand sich auf dem Grundstück der Bauherren ein für die Gegend typisches, historisches Holzhaus. Da es jedoch einem Brand zum Opfer gefallen war, entschieden sie sich für einen konsequenten Neubau. „Die Auftraggeber wünschten sich ein kompaktes und komfortables Haus, um ihre Kinder großzuziehen“, erklärt Bonomi. „ Das Bauland war zwar eben, aber nur neun Meter breit und sechsundzwanzig Meter lang. Auf dieser Fläche musste ich drei Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer, einen geräumigen Wohnbereich, zwei Badezimmer, großzügige Außenräume und eine Doppelgarage unterbringen – nicht zu vergessen, all die untergeordneten Bereiche mit ihrer jeweiligen Privatsphäre.“

Höfe statt Garten
Bis zur Grundstückgrenze reicht die Bebauung auf den schmalen Grundstücken der Vorortsstraße. Auch das 150 Quadratmeter große C House macht da keine Ausnahme. Bonomis Strategie, um trotzdem kein Gefühl von Enge aufkommen zu lassen: Er verzichtete auf den üblichen Garten hinter dem Haus und integrierte lichte Innenhöfe in das geschlossene Wohngefüge. „Der Entwurf bietet einen systematischen Übergang von den öffentlicheren zu den privateren Räumen, direkten Zugang zu privaten Außenbereichen und reichlich natürliches Licht zu allen Tageszeiten“, beschreibt er, „trotzdem bricht er mit dem üblichen Muster hinsichtlich seiner Ausrichtung und Gestaltung des Eingangsbereiches. An die Stelle eines repräsentativen, zur Straßenseite ausgerichteten Raumes tritt ein zwischen zwei ruhigen Innenhöfen eingebetteter Wohnbereich.“

Überraschend anders
Der erste Raum, den man im Haus betritt, ist ein kleiner Lichthof mit angrenzendem Arbeitszimmer, an den sich ein großer Wohnraum sowie Koch- und Essbereich anschließen. Darauf folgt ein großer Innenhof, der westlich mit dem Nachbargrundstück abschließt und auf der Ostseite von einem verglasten Korridor gesäumt wird. Entlang des langen Flurs liegen zwei kleinere, als Kinderzimmer nutzbare Schlafzimmer mit eigenem Lichthof. Am Ende befindet sich das große Elternschlafzimmer mit angrenzenden Badezimmern sowie einem weiteren, kompakten Lichthof. Eine Doppelgarage schließt das Gebäude ab.

Klein ganz groß
Obwohl das C House in sich verkapselt ist wie ein eigenes kleines Universum, wirkt es weitläufig und großzügig. Dank der integrierten Höfe haben die Bewohner nicht nur überall Zutritt nach draußen, es fällt auch ungewöhnlich viel Tageslicht in alle Bereiche – die hohe Decken, die hellen Holzböden und weißen Wände tun ein Übriges. Adrian Bonomi hat es trotz widriger Umstände geschafft, den Bauherren alle Wünsche zu erfüllen. Darüber hinaus hat er jedoch ein Stück Architektur geschaffen, das neue Maßstäbe setzt – und das nicht nur in Brunswick.

Das C House im australischen Fernsehen





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