Heimatstil reloaded

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Text: Katrin Schamun

Der Weissensee ist der am höchsten gelegene See in Kärnten. Gute Wasserqualität und eine vielfältige Naturlandschaft machen ihn zum begehrten Reiseziel. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Tourismusgegenden gibt es hier nur wenige neue Hotelprojekte, denn das gesamte Gebiet um den See ist unter Naturschutz gestellt und die bereits bestehenden Bauten werden entweder ergänzt oder ausgebaut. Das Seehotel Enzian gehört zu diesen Gebäuden. Seine Umgestaltung wurde 2006 mit der Fertigstellung des Boots- und Badehauses abgeschlossen. Die Architekten von XLGD nahmen sich die Einzigartigkeit und Natürlichkeit des Ortes zum Vorbild und gestalteten den Erholungsbereich in einer modernen Form des „Heimatstils“.
Der See und seine Bebauung
Der Weissensee liegt auf 930 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und ist damit der höchstgelegene der großen Kärntner Badeseen in Österreich. Auf Grund seiner hervorragenden Wasserqualität gilt er als gutes Fischgewässer und ist ein beliebtes Urlaubsziel für Naturfreunde. Sein 23 Kilometer langes Ufer ist nur zu einem Drittel bebaut, der Rest steht unter Natur- und Landschaftsschutz. Neubauten werden nur mit strengen Auflagen genehmigt und so wird eher der Altbestand aufgefrischt, wie im Falle des Seehotels Enzian dessen Gebäude aus den 1930er Jahren stammt. Das 1970 zugefügte Personalhaus nahm die traditionelle Formensprache mit Gaupen und Holzschalung der Bergarchitektur wieder auf. Im Jahr 2004 beauftragte die Besitzerin, das französische Büro XLGD, um von ihnen das Dachgeschoss dieses Personalhauses zu einer Hotelsuite ausbauen zu lassen. Anstatt die bestehende Bausubstanz zu ergänzen, setzten die Architekten Günther Domenig und Xavier Largurgue einen kubischen Baukörper auf das Gebäude drauf, der sich in Form und Architektur deutlich vom Bestand abhebt. Zu der letzten Phase der Umgestaltung gehört der Umbau des Bootshauses, in dem ein Sauna- und Erholungsbereich integriert wurde, der das Seehotel um ein Badehaus bereichert.
Das Bootshaus
Das alte Bootshaus war baufällig geworden. An seiner Stelle sollte ein neues Gebäude entstehen, das nicht nur Boote unterbringt, sondern auch Platz für eine Wellnessanlage bietet. Die Ausmaße des Altbestands waren Voraussetzung für den Neubau, der die gleiche Grundfläche aufweisen musste, denn der den Weissensee umgebene Schilfgürtel durfte durch die Bauarbeiten in keiner Weise beeinträchtigt werden. Das neue Badehaus ruht heute souverän im See, als wenn es immer schon dagewesen wäre. Durch seine Schlichtheit ist es eher ein zurückhaltendes Objekt, dessen langgezogener, niedriger Baukörper sich in die sparsame Uferbebauung einfügt und diese nicht überragt. Auf mehr als 100 Pfählen schwebt das Bootshaus über dem Wasser und ist nur über einen Holzsteg zu erreichen, der als einziger Weg durch den Schilfgürtel führt.
Alles aus Holz
Das Gebäude selbst wird von einem Holzsteg umgeben, der äußerlich den Eindruck eines über dem Wasser schwebenden Hauses verstärkt. Sämtliche Teile des Hauses bestehen aus Holz: Alle Fassadenflächen sind mit Holzschindeln verkleidet und auch das flache asymmetrische Satteldach ist mit Latten aus Holz eingedeckt. Diese bringt zwei wichtige Vorteile, denn einerseits bilden die verlängerten Latten zur Seeseite hin eine Markise zum Schutz vor der Sonne und andererseits ermöglicht sie den flächenbündigen Einbau von Sonnenkollektoren. Mit der daraus produzierten Energie wird Warmwasser für den Saunabereich im Inneren des Gebäudes erzeugt.
Das Innere
Das Gebäude ist in zwei Abschnitte unterteilt: In dem kleineren ist Platz für zwei Boote. In dem größeren ist ein Wellnessbereich untergebracht mit Sauna, Dampfbad und einem Ruheraum. Auch hier überwiegt das Naturmaterial Holz und schafft eine gemütliche Stimmung. Der Badegast nimmt in erster Linie die Wärme und den Geruch des Holzes wahr, das ihn von allen Seiten umgibt. Nur im Nassbereich wurden grüne Fliesen eingesetzt, die mit dem Holz farblich abgestimmt sind. Für die Ruhepausen stehen Liegen bereit, die vor der großzügigen bis zum Boden reichenden Verglasung aufgebaut sind. Durch dieses Panoramafenster bietet sich eine eindrucksvolle Aussicht auf die beschauliche Umgebung des Sees und die Berge. Hier kann man gar nicht mit geschlossenen Augen liegen bleiben, ohne das Gefühl zu haben, man könne etwas verpassen.
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