Herzstück aus Stein

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Text: Redaktion
Foto: Piet-Albert Goethals

Partner: Vola

Ein Kunstwerk sei schon im rohen Stein enthalten. Man müsse es lediglich von unnötigem Material befreien, sagte einst Michelangelo über seine Bildhauerarbeiten. Der belgische Innenarchitekt Arjaan De Feyter klingt ähnlich, wenn er über seine Arbeit spricht: „Wir entwerfen nicht, wir setzen nur die Teile zusammen.“ In jedem Projekt sei die gestalterische Lösung entsprechend seiner Umgebung schon vorhanden. Für ein Pool-Haus schuf er eine Bar aus roten Marmorblöcken und schwarzem Eichenholz mit Messingarmaturen von Vola, die die Architektur – wie eine Skulptur – fast lebendig werden lässt.

Ein Haus zu bauen oder einzurichten, bedeutet in den meisten Fällen Entscheidungen für viele Jahre zu fällen. Wer sich hingegen ein Ferienhaus leistet, kann die Wahl der Inneneinrichtung entspannter angehen. Hier darf es durchaus exzentrischer zugehen, dachte auch Arjaan De Feyter, als er zusammen mit dem Architekten Herman Boonen ein Pool-Haus im belgischen Kasterlee gestaltete – und einen eleganten Spagat aus modern und zeitlos schuf.

Gestalterischer Freiraum
Dafür musste er sich allerdings zunächst an den Geschmack seiner Auftraggeber herantasten. „In unserer ersten Präsentation habe ich ihnen einen graueren Naturstein vorgeschlagen“, erzählt der belgische Planer. Erst nach ein paar Gesprächen wurde deutlich, dass De Feyters Kunden aufgeschlossene Charaktere waren, denen er durchaus ungewöhnliche Entwürfe unterbreiten konnte. „Seit mehr als zehn Jahren hatte ich ein Stück iranischen Travertin in meinem Schrank liegen. Seitdem war ich stets auf der Suche nach einem geeigneten Objekt, bei dem ich es verwenden konnte. Jetzt war es soweit – und meine Kunden waren sofort verliebt in dieses Material“.

Im nächsten Schritt mussten sie einen geeigneten Block des roten Steins finden. Eine wichtige Entscheidung, denn er bildet das Herzstück des Hauses: eine Bar am Ende des Wohnraums, samt Rückwand, Ablage und Waschbecken. De Feyter kombinierte sie mit einem Tresen aus handgebürsteten Eichenpaneelen, mit denen er auch den Rest des Wohnraums auskleidete. Sie bilden einen markanten Gegenpol zum Naturstein. Zum einen durch seine horizontale Musterung, die im Kontrast zur vertikal verlaufenden Maserung des schwarz gebeizten Holzes und den Beton-Stehlen der Fassade steht. Zum anderen durch die leuchtende Farbgebung, die sich gegen den grauen Boden aus Mikrozement abhebt. Zwar verzichtete der Architekt auf jegliche Form dekorativer Elemente und wählte ausschließlich glatte, geometrische Oberflächen. Durch die organisch geschwungenen Linien und die unregelmäßigen rötlichen Schattierungen im Marmor erhält seine Oberfläche eine dekorative Funktion.

Ehrliches Design
In jedem Fall zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Und wer genauer hinsieht, erkennt, dass De Feyters schlichte Handschrift keinesfalls im Widerspruch zu Komfort, Funktion oder ausgefeilter Handwerklichkeit steht. Ganz im Gegenteil, der Belgier hat ein besonderes Faible für subtile Lösungen. So ließ er beispielsweise die Steckdosen in der Barwand aus demselben roten Stein fertigen. Das macht sie von Weitem unsichtbar. Aus der Nähe betrachtet, zeugen sie von großer Detailverliebtheit. Auch Mobiliar, Accessoires und Leuchten folgen dem puristischen Konzept, offenbaren aber auch spannungsreiche Formgebungen und hochwertige Materialien wie Fell, Rattan oder Metall.

Die Armaturen mit den schlichten Namen 590 und 2471, die der Planer für die Bar und das Badezimmer auswählte, wurden vom dänischen Hersteller Vola aus Messing gefertigt. Mit ihrem warm-glänzenden Ton heben sie sich zwar von den restlichen dunklen und matten Flächen ab, fügen sich durch ihre elegante minimalistische Form und die Natürlichkeit des Materials aber ebenso in das Gesamtkonzept ein. In den Sechziger- und Siebzigerjahren von dem Architekten Arne Jacobsen entworfen, stünden sie für ehrliches Design und wären schlicht die schönsten Hähne, die je gemacht wurden, so der belgische Innenarchitekt. In De Feyters Interior ergänzen sie die konsequente Kombination aus puristischen Formen und exquisiten Materialen. So gelingt ihm eine Balance aus Natürlichkeit und Kunst – und das bis ins Detail. Das Ergebnis: ein wohnliches Kunstwerk oder eine bewohnbare Skulptur.

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