Ich war einmal ein Wasserturm

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: David Topple

Es gibt Häuser, die sind so schön, dass man am liebsten gleich einziehen würde. Der umgebaute Wasserturm in London ist solch ein Haus. Das Architekturbüro ACR Architects hat das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert in eine mehrgeschossige, luftig-lichte Wohnung verwandelt. Nicht nur die unzähligen Ein-, Durch- und Ausblicke sorgen für gestalterische Spannung. Auch der Einsatz hochwertiger Materialien wie Holz, Keramik von Mosa und Backstein macht das Projekt spannend.

Pittoreske Reihenhäuser, weitläufige Lofts in Industriegebäuden, elegante Apartments aus dem 19. Jahrhundert, luxuriöse Penthouses, Space-Age-Etagen aus den Siebzigern. In London ist die Auswahl an ungewöhnlichen Immobilien groß. Doch ein Objekt wie dieses findet man selbst hier nur selten. Das Glück hatten die Bauherren Leigh Osborne und Graham Voce, die nun den Wasserturm aus dem 19. Jahrhundert ihr Zuhause nennen dürfen. Was nach dem Umbau durch das Londoner Architekturbüro ACR Architects so selbstverständlich wirkt, war allerdings nicht ganz einfach umsetzen.

London calling!
Nicht nur, dass die Architekten zahlreiche Denkmalschutzauflagen erfüllen mussten. Bei Baubeginn fanden sich in dem heruntergekommenen, dreißig Meter hohen Gebäude mit 1,5 Meter dicken Mauern über 2000 Taubenkadaver, die erst einmal entsorgt werden mussten. Doch dann ging alles sehr schnell: In nur acht Monaten verwandelte sich der Wasserturm in ein gemütliches Zuhause mit mehreren Schlafzimmern, geräumigen Bädern, Fitnessraum, Fahrstuhl und einer Terrasse über den Dächern von London. ACR Architects griffen – in Absprache mit der Denkmalpflege – stark in die Bausubstanz ein. Schließlich ging es bei diesem Umbau um einen kompletten Funktionswechsel: vom Wasserturm zum Wohnhaus!

Urbanes Interior
Deshalb wurde nicht nur der Grundriss verändert. Das Gebäude aus dem Jahr 1877 wurde um einen gläsernen Kubus ergänzt, der an der Fassade zu schweben scheint und Entree, Wohnzimmer und Küche birgt. Eigentliches Highlight jedoch ist die weitläufige Dachterrasse mit Ausblick. Urban wie das Äußere wirkt auch das Interior. Das liegt insbesondere an den hohen Räumen, die mit Tageslicht geradezu durchwoben sind. Auch an nebeligen Londoner Herbsttagen strömt genügend Licht durch die großen Fensterfronten. Der Eindruck von Helligkeit wird unterstützt durch die eingesetzten Materialien an Wänden und auf den Böden – egal ob alt oder neu. Sie sind durchweg hochwertig und haptisch ansprechend: Holz, Keramik von Mosa und freiliegender Backstein.

Kochen im Lichtraum
Im Zentrum des Hauses – im modernen Kubus – befindet sich die offene Wohnküche. Vom grau-weiß getünchten hölzernen Esstisch mit industriell anmutenden Metallstühlen geht der Blick durch raumhohe Fenster auf das Nachbargebäude aus Backstein. Die Küche wird unterteilt durch einen freistehenden Block mit Spülbecken, Arbeitsfläche und Stauraum. Als Riegel hinter dem Küchenblock angeordnet ist ein wandfüllendes Schrankelement mit einer Aussparung für den Herd. Tisch, Küchenmöbel und Wände sind ganz in Weißtönen gehalten und harmonieren mit dem hellen Fußbodenbelag: der Fliesenkollektion Terra XXL des niederländischen Herstellers Mosa.

Baden in Minimalismus
Die glatten Fliesen aus Keramik passen in ihrer Schlichtheit nicht nur gut zum Interior. Ungemein strapazierfähig, kommen sie auch in den Bädern des Wasserturms zum Einsatz – an den Wänden und auf dem Fußboden. In ihrer Haptik und zurückhaltenden Farbgebung in gebrochenem Grau wirken sie elegant und ergänzen die luxuriösen Badarmaturen und -objekte von High-End-Herstellern wie Boffi. „Es war nicht einfach, die richtigen Materialien für unsere Wohnung zu finden, doch die Keramikfliesen von Mosa passen ganz genau“, sagen die Bauherren. Warum, ist einfach zu erklären: Das leicht changierende Grau der Fliesenkollektion Terra Maestricht nimmt sich zurück, bringt Ruhe in das Interior und betont die beeindruckende Architektur des Industriedenkmals.

Die Architektur des Wasserturms aus dem 19. Jahrhunderts – der einen an den Campanile von San Marco in Venedig erinnern mag –  ist der eigentliche Star dieses Projekts. ACR Architects haben mit ihren Veränderungen zwar stark in die Bausubstanz eingegriffen, doch diese in ihrer Gesamtheit erhalten. Auf sieben Etagen auf insgesamt 370 Quadratmetern Wohnfläche haben Leigh Osborne und Graham Voce ein durchaus luxuriöses, aber lässiges neues Zuhause gefunden. Da dürfte sich der Umzug von einem modernen Wolkenkratzer in den alten Wasserturm gelohnt haben!

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