Im Einklang mit dem richtigen Ton: 20 Jahre KKL Luzern

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Text: Markus Hieke

Partner: Girsberger

Es thront am Rande des Sees und vermittelt zwischen Land und Wasser: das Konzert- und Kongresshaus KKL Luzern von Jean Nouvel. Anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens wurde das Herzstück des Gebäudes, der Konzertsaal, sorgfältig erneuert – im laufenden Betrieb und einschließlich der Bestuhlung.

Als 1998 das Luzerner Konzert- und Kongresshaus eingeweiht wurde, galt es schnell als Ikone am Vierwaldstättersee. Gebaut nach Plänen des französischen Architekten Jean Nouvel, ruht sein riesiges, fast quadratisches Dach über mehreren Gebäudeteilen und scheint geradezu über manche Fähranleger am Ufer hinwegzuschweben. Innerhalb seiner teilweise durch Glaswände sehr transparenten und mal etwas verschlossenen Kuben beherbergt es verschiedene Institutionen wie das Luzerner Kunstmuseum, ein Kongress- und Veranstaltungszentrum, einen Konzertsaal sowie mehrere Restaurants und Cafés – zuletzt diente das Ensemble als Kulisse für den letzten Tatort Luzern unter Regie von Dani Levy.

Blick in das Herzstück des KKL Luzern von Jean Nouvel: der Konzertsaal

Der Konzertsaal ist eine der ersten Adressen im Schweizer Musikbetrieb. Für die Akustik  verantwortlich war seinerzeit der New Yorker Russell Johnson (1924–2007), der über mehr als drei Jahrzehnte hinweg Konzerthausprojekte weltweit realisiert hatte. „Der Saal des KKL Luzern ist ein Nachkömmling von 40 bis 50 Vorgängern, die ich seit 1956 gebaut habe“, sagte er einst. „Hier sind fast alle Errungenschaften meiner Arbeit zusammengefasst.“ Zu den Details, die die akustische Qualität des Konzertsaals auszeichnen, zählen seine perfekten Ausmaße im Verhältnis von eins zu eins zu zwei (22x22x46 Meter), aber auch die Echokammern, die dem Raumvolumen von 19.000 Kubikmetern noch einmal bis zu 6.000 zusätzliche Kubikmeter ermöglichen. Auch der höhenverstellbare Schallreflektor oberhalb der Bühne beeinflusst den Klang und kann je nach Formation des Orchesters oder Größe des Publikums variiert werden.



Unter diesen Voraussetzungen ist der Konzertsaal nun seit zwanzig Jahren fast ununterbrochen belegt. Ob Klassik, Jazz oder Pop: Russell Johnson habe, so heißt es seitens des KKL anlässlich des Jubiläums, „eine Akustik geschaffen, die das gesamte musikalische Repertoire vom Mittelalter bis zur Moderne optimal zum Klingen bringt.“ Diese Qualitäten nutzen sich nicht ab, die Saalbestuhlung hingegen schon. Auch verursachten die Drehlager in den Klappsitzen hörbare und störende Geräusche. Das Haus wünschte sich nun im Rahmen notwendiger Sanierungsarbeiten für das zwanzigste Jahr eine Überarbeitung der Sitzmöbel und fand in Girsberger einen zuverlässigen Partner.



Der Schweizer Hersteller ist mit seinem relativ jungen Geschäftsbereich Girsberger Remanufacturing auf solche Arbeiten spezialisiert. Herausforderung war es, die Möblierung des Konzertsaals im laufenden Betrieb zu erneuern – und dabei die Gesamterscheinung der Sitzreihen im architektonischen Kontext zu bewahren. Die Generalüberholung galt einer Gesamtzahl von 1898 Sitzen, die von Girsberger in fünf Etappen im Zweischichtbetrieb durchgeführt wurde. Zur Optimierung konstruierten Ingenieure aus dem Hause des Herstellers neue Klappbeschläge samt Gegengewicht sowie Sitz- und Rückenbrettbefestigungen für die Stuhlreihen. Klappgeräusche gehören damit der Geschichte an. Das Verhalten des Mechanismus im Langzeitbetrieb wurde dafür im hauseigenen Testlabor getestet.

Girsberger Remanufacturing hat insgesamt 1898 Sitze erneuert.

Um einen zügigen Austausch zu ermöglichen, wurden die Sitz- und Rückenpolster vorgefertigt. Die neuen Polstermodule wurden unter Berücksichtigung aller Brandschutzanforderungen auf einer 15 Millimeter starken Sperrholzträgerplatte aufgebracht. Das ersparte das Freilegen der vormals mit Formschaum ummantelten Stahlrahmen sowie das anschließende erneute Umschäumen. Bei einer vergleichbaren Stabilität wurde so nicht nur ein kostengünstigeres, sondern auch ökologischeres Ergebnis erzielt. Als Bezugstoff dient ein strapazierfähiger Veloursstoff, der in denselben Farbton eingefärbt wurde, den die Sitzmöbel auch bisher trugen.

Für alle Staub entwickelnden Arbeiten hat Girsberger eine mobile Werkstatt in einem Container außerhalb des KKL errichtet. Denn Schmutz wäre der Feind der akustisch wirksamen Wandverkleidung im Saal. Für alle Freunde anspruchsvoller Musik feiert das KKL Luzern sein Jubiläum derzeit noch bis Mitte September mit dem Lucerne Festival. Gutes soll man erhalten, das gilt vom Symphonieklassiker bis zur Bestuhlung – beides berührt schließlich jeden Besucher.

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