Istrischer Dampfer

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Text: Katharina Horstmann


Rovinj zählt zu den schönsten Orten an der Adriaküste. Die unter Denkmalschutz stehende Inselstadt im Westen Istriens wurde auf einem ins Meer ragenden Hügel erbaut und verfügt mit ihren verwinkelten Gässchen und ihrem mittelalterlich geprägten Stadtbild über sehenswerte Bauten aus Renaissance, Barock und Neoklassizismus. Doch Ronvinj wäre wohl kaum ein klassisches Urlaubsziel ohne die zahlreichen Fels- und Kiesstrände in der Umgebung. Hier liegt auch das neu eröffnete Hotel Lone. Entworfen vom Zagreber Architekturbüro 3LHD in Zusammenarbeit mit dem Designkollektiv For Use, hat das an ein Kreuzfahrtschiff erinnernde Tagungshotel zwar nichts mit der historischen Pracht Rovinjs gemein, bietet jedoch dank seiner eigenwilligen Form wunderbare Blicke auf die pittoreske Landschaft.
 
 
Für das 30.000 Quadratmeter große Hotel ließen sich die Architekten von 3LHD sowohl von den kroatischen Küstenhotels der siebziger Jahre als auch von den vorbeifahrenden Ausflugsdampfern mit ihren dominanten, horizontal geschwungenen Linien inspirieren. Das Ergebnis ist ein sechsstöckiges, Y-förmiges Gebäude mit dunkel gehaltenen Außenwänden und weißen, schwungvollen Terrassenbändern, die den Eindruck eines Streamliners untermauern. Die Form ist dennoch nicht ganz willkürlich gewählt, sondern bedingt durch die Größe des Hotels mit 250 Zimmern und Suiten sowie die umgebenen Holz- und Geländeerhöhungen, denen es sich anpassen musste.
 
Schwingende Brüstungen
 
Betritt der Gast das – in der oberen Rundung des „Y“ sitzende – gläserne Eingangsportal, findet er sich in einer großzügigen hellen Lobby mit Blick auf den umgebenen Monte-Mulini-Park und das Meer wieder. Diese wird von einem Atrium dominiert, das mittig im „Y“ sitzt und dessen schwingenden Brüstungen die äußere Gestalt des Hotels aufgreifen. Von der Kuppel hängt eine filigrane Installation aus weißen Metallstäben des kroatischen Künstlers Silvio Vujicic. Die Decken sind mit unschiedlich großen Spiegelplatten versehen, die die äußere Umgebung reflektieren, so dass das Grün des Waldes und das Sonnenlicht tief in das Innere des Gebäudes sickern.
 
Um das Atrium herum sind Sofas platziert, die – wie fast das gesamte Mobiliar des Hotels – das kroatisch-österreichische Designkollektiv For Use entworfen hat. Links davor steht ein langer schlichter Rezeptionstresen. An diesen schließen sich im linken Flügel des „Y“ eines der zwei Restaurants des Hotels und, im rechten Seitenflügel, die Serviceräume an. Ein Teil der Hotelzimmer und Suiten ist im Hauptflügel – dem unteren Strich des „Y“ – untergebracht; der Großteil befindet sich verteilt auf die oberen drei Geschosse.
 
Wasser als Element
 
Vom Atrium aus führt eine weiße massive Treppe in die beiden unteren Etagen, die dank der Anhöhe des Geländes nur teilweise unterirdisch angelegt sind, sich teilweise aber zum Park hin mittels großer Glasfronten öffnen. Im ersten Untergeschoss sind neben weiteren Zimmern das Hauptrestaurant des Hotels sowie ein Kongresszentrum untergebracht, das unter anderem ein Auditorium für 600 Menschen birgt. Das zweite Untergeschoss beherbergt neben einer Brasserie, einem Jazzclub und einem Kinderhort ein großzügiges Wellnesszentrum, das im Haupttrakt liegt und wie die anderen öffentlichen Bereiche von den Farben Grau und Weiß dominiert wird. Dort gibt es ein großes Hallenschwimmbad, das zum sportlichen Schwimmen einlädt. Der Pool zieht sich an einer großen Glasfront entlang, so dass der Gast den kompletten Außenbereich mit seinen zahlreiche Sonnenstühlen und dem etwas entfernt liegenden Outdoor-Becken im Blick hat. Zudem gibt es einen Fitness- und einen Relaxbereich sowie eine Sauna und ein Dampfbad im hinteren, in den Hang gebauten Teil des Gebäudes.
 
Erholungskurs
 
Wer lieber ungestört das Wasser genießen möchte, sollte sich in eines der Zimmer im ersten Untergeschoss einquartieren. Diese sind mit einem in die Terrasse eingebauten Badebecken ausgestattet, in dem der Gast sich ungestört erfrischen kann. Erholung kann man aber auch in den anderen Räumen finden, denn ruhig und komfortabel sind alle Zimmer, die von hellen Farben und Holz dominiert werden: Die Fußböden sind mit beige-farbigem Teppich belegt; Wandpaneele, Betten und Schränke sind aus Eichenholz gefertigt, und auch das Bad greift mit seinen braunen Fliesen und weißen Sanitäranlagen das Gestaltungskonzept auf. Als Kontrast zu den Naturfarben dienen Teile der Wände, die grau gestrichen sind, sowie einzelne bunte Möbelstücke. Das wahre Schmuckstück eines jeden Zimmers ist jedoch seine großzügige, mit Holz ausgekleidete Terrasse. Sie bietet zwar keinen Blick – wie ein Dampfer – auf die Adriaküste, dafür aber auf den idyllischen, waldähnlichen Park.
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