Japanische Wohngarage von Suppose Design Office

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Text: Jeanette Kunsmann
Foto: Toshiyuki Yano

Dieses Haus ist wie eine Verabredung. Man muss sich erst näher kennenlernen, um mehr zu erfahren. Das Suppose Design Office hat in der japanischen Stadt Toyota einen Wohnpavillon mit hölzernem Horizont gebaut.

„Make large space with small spaces“, lautet die Gleichung der Architekten vom Suppose Design Office für ihr neuestes Wohnhaus in Japan, Toyota. Dahinter steht der Widerspruch zwischen großen Räumen und dem Bedürfnis nach Komfort und Gemütlichkeit – für Bürogründer Makoto Tanijiri einer der größten Gegensätze, mit dem sich Architekten immer wieder aufs Neue auseinandersetzen müssen. Weitere Voraussetzungen wie ein knappes Budget oder ein schwieriges Grundstück (in diesem Fall wird es gleich von drei Straßen umschlossen) können erschwerend hinzukommen. Manchmal braucht es aber ebensolche limitierende Komponenten, um einem Projekt seine Idee, seine Geschichte zu verleihen: Low Budget, High Design.

Eingang mit großer Schiebetür
Was in einem Wohngebiet in Toyota von außen zunächst wie eine gewöhnliche, wenn auch großzügige Garage aussieht, entpuppt sich in seinem Inneren als pures Raumerlebnis – eine versteckte Schönheit mit ausreichend Platz fürs Private. Sechs Oberlichter sorgen in dem introvertierten Gebäude für fantastisches Licht. Der Grundriss folgt einer klaren Struktur und gliedert sich in sechs Wohnräume, die ineinander übergehen. Durch einen Innenhof werden sie mit dem Außenraum verbunden. Die drei Badezimmer hat Makoto Tanijiri platzsparend dimensioniert und an der Nordfassade platziert; die Küche dient gleichzeitig als Durchgang, öffnet sich dabei zum Hof. Flankiert wird die Wohngarage von einer weiteren Terrasse, die eine Mauer vom Nachbargrundstück und der Straße trennt. Dieser umlaufende Sichtschutz lässt den Außenraum zu einem erweiterten Wohnzimmer werden. In Japan ist es Brauch, die Grenzen zwischen Innen und Außen zu hinterfragen. Zimmerpflanzen verstärken dabei die Auflösung von Innen- und Außenraum.

Die pur und minimalistisch gestalteten Wohnräume inszeniert das Team von Suppose Design Office durch die Materialität, vor allem aber durch ihre Belichtung: Die Oberlichter wirken dabei wie Spots, die Akzente in dem eingeschossigen Wohnhaus setzen. Eine garagengroße Schiebetür lässt eine Eingangsfassade fast zur Hälfte öffnen. Wird die Holztür zugezogen, schließt sie wie ein Puzzlestück die umlaufende Wandverkleidung im Inneren: OSB-Platten bedecken den gesamten unteren Teil, während sich der darüber liegende, weiße Bereich zum Himmel öffnet. Man muss als Architekt immer wieder konsequent sein. Günstige Baumaterialien aus Industriegebäuden wie Grobspanplatten lassen sich trotz ihrer offenen Struktur auch in einem Wohnhaus einsetzen, vorausgesetzt man verfügt über ein gewisse Offenheit in seinen Ideen. Tanijiri war 42 Jahre alt, als er mit Suppose Design Office sein eigenes Büro gründete – das ist schon eine Weile her. Heute greift der Architekt auf 17 Jahre Erfahrung zurück und gilt als Experte für die japanische Wohnungsfrage.
Blick ins Innere
Doch noch einmal zurück zu dem umlaufenden Horizont und der eingangs genannten Gleichung, die dieser Wohnarchitektur zugrunde liegt. Die mannshohe Holzverkleidung gibt der offenen Raumstruktur einen Maßstab und erzeugt eine Klammer voller Gemütlichkeit. Durch eingezogene Wände an der oberen Raumkante erhält das offene Haus die nötige Struktur, und es ergeben sich Raumsequenzen. Dass die Architekten in dieser zeitgenössischen Wohngarage komplett auf Tatami verzichten, und den Boden anstelle des traditionellen Belags mit einem grauglattem Estrich versehen, verstärkt das Bild des hölzernen Horizonts. Tatamimatten wären in diesem Haus auch einfach zu viel gewesen.

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