Jeder Zentimeter zählt

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Text: Julia Bluth, Foto: Mariela Apollonio

Beim Umbau einer beengten Maisonette im hippen 11. Pariser Arrondissement haben die Architekten von Studio Pan das Konzept räumlicher Effizienz regelrecht auf die Spitze getrieben: Ein paar Handgriffe, und das Wohnzimmer wird zum Homeoffice, das Homeoffice zum Esszimmer, das Esszimmer zum Schlafzimmer und das Schlafzimmer zum Konferenzraum ...

Die Bauherrn, ein viel reisendes Paar mit Hauptwohnsitz in der Provence, hatten einen leer stehenden Schönheitssalon mit Kellerraum und darüber liegender Wohnung erstanden. Die Immobilie sollte ihnen als pied-à-terre zum Wohnen, Arbeiten, Gäste empfangen und Ausrichten von Veranstaltungen dienen – und sich idealerweise durch kurzzeitige Vermietungen an Feriengäste selbst tragen.

Work-Life-Balance

Lilan Pan und ihr Team entschieden also, die mit 32 Quadratmetern vergleichsweise geräumige Wohnung im ersten Stock als temporäres Ferienapartment auszubauen, Ladenlokal und Souterrain hingegen zum reinen Privatbereich umzugestalten. Gemäß der Ansprüche ihrer Auftraggeber, mussten die Architekten somit auf gerade einmal 34 Quadratmetern mindestens drei Arbeitsplätze, eine vollwertige Küche, einen Wohn-Essbereich, ein Badezimmer, ein Schlafzimmer, ein Extrabett für Freunde und eine Treppe unterbringen.

Schlafen, duschen, arbeiten
Nach einer gründlichen Isolierung und dem Einbau einer mechanischen Lüftungsanlage samt Oberlichts konnten sie den Keller in ein überraschend hell wirkendes Schlafzimmer mit kleinem Schreibtisch verwandeln. Die Wände verschwinden beinah vollständig hinter Einbauten aus weiß laminiertem Holz, die Raum für Kleidung, Bücher, Waschmaschine, Dusche und Toilette schaffen. Ein Schrankbett macht beim Hochklappen Platz für einen Konferenztisch, an dem bequem sechs Personen sitzen können. Die einzige freie, dem Tisch respektive Bett gegenüberliegende Wand dient als Projektionsfläche – tagsüber für Meetings und abends für entspanntes Heimkino. Über eine Schranktreppe gelangt man hinauf ins Erdgeschoss.

Arbeiten, kochen, essen
Auch der einstige Schönheitssalon erstrahlt in monochromem Weiß. Ein Schreibtisch befindet sich direkt hinter der Tür, während der zweite über die gesamte Breite des Schaufensters verläuft. Für Privatsphäre sorgt eine Abschirmung, die auf Augenhöhe endet, um den Blick zur Straße nicht zu versperren. Die Basis für den Computerbildschirm wurde fest montiert, während der Schreibtisch über Rollen verfügt und sich abends in einen Esstisch verwandelt. Verschiebt man ihn, wird das darunterliegende Oberlicht des Souterrains sichtbar. Die unverzichtbare Einbauküche verschwindet, wenn sie nicht gebraucht wird diskret hinter Schranktüren, und ein zentraler Tresen fungiert je nach Bedarf als dritter Arbeitsplatz, als Kücheninsel oder Bar. Am Fuß der minimalistisch freischwebenden Treppe zum ersten Stock befindet sich ein praktisches Tagesbett, das gleichzeitig die Funktion einer Essbank und eines Gästebetts erfüllt.

Vermieten, veranstalten, feiern
Im Obergeschoss verzichteten die Architekten weitestgehend auf trennende Wände und entwarfen einen flexiblen Schlafbereich mit Schrankbett und Faltwand, hinter der sich im Fall einer Veranstaltung das hochgeklappte Bett verbergen lässt. Die Fensterfront verlängerten sie optisch mithilfe eines bodentiefen Spiegels, hinter dem sich außerdem die Tür zur Toilette verbirgt. Auch den Eingangsbereich und die Einbauküche auf der den Fenstern gegenüberliegenden Seite verspiegelten sie teilweise, so dass der Raum um vieles großzügiger erscheint. Wahre Größe beweisen hier eben nur die Architekten. Mit vielen Tricks und viel Charme haben sie gezeigt, dass sich Effizienz und Ästhetik keineswegs ausschließen müssen.

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