Kaktus und Konfetti

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Text: Tanja Pabelick

Hems erster Showroom in Los Angeles verlangt geradezu nach Hoffesten. Die Lage in einer alten Industriehalle mit einem großzügigen Außenbereich hat den skandinavischen Möbelhersteller dazu inspiriert, die Ausstellung bei gutem Wetter nach draußen zu verlagern. Mit Konfetti aus Farbtöpfen und Kakteengärten entsteht eine urbane Picknickzone, die den subtropischen Flair Kaliforniens gekonnt einfängt.

Der hohe Norden und die Subtropen sind für Architektur und Design diverse Ausgangssituationen. Die Ressourcen sind andere, die Lichtstimmung gestaltet das Ambiente mit, und die Wetterzustände beeinflussen maßgeblich, ob wir uns draußen aufhalten oder lieber warm einkuscheln möchten. Wenn der skandinavische Hersteller Hem also seinen ersten Showroom in Los Angeles eröffnet, dann findet er dort ein zum Norden diametrales Klima für seine hyggeligen Möbel. Auf den neuen Flächen wirken sie trotzdem konsequent einheimisch. Als Ort hat Hem eine Lagerhalle mit großzügigem Hof in Downtown besetzt und die Gestaltung des Outdoor-Bereichs ebenso wichtig genommen wie die Inszenierung der Innenräume.

Von unten wie von oben

Zur Seite geholt hat sich das Stockholmer Unternehmen mit Endemic Architecture ein Designstudio, das auch außerhalb gewohnter Perspektiven denkt. Eines ihrer größeren Projekte ist die grafische Inszenierung des Hofes des California College of the Arts in San Francisco, der mit mobilen Architekturen wie Containern als informelle Nutzungsräume, Hängematten und Pflanzkästen ausgestattet wurde und außerdem eine geometrische Farbgestaltung verpasst bekam. Die wirkt am Boden wie eine fröhliche Stimmungsstütze, aus der Vogelperspektive stellt sie ein lebendiges Kunstwerk, das der Fläche einen thematischen Rahmen gibt, dar. Für Hems Hinterhof hat Clark Thenhaus, Gründer von Endemic Architecture, einen ähnlichen Entwurf in einem kleineren Maßstab umgesetzt.

Von der Wand bis zum Boden
Der
Confetti Courtyard ist mit grafischen Formen übersät, die so zufällig verteilt sind und sich dabei überlagern wie eine gerade geworfene Handvoll Konfetti. Die kräftigen Nuancen deklinieren Patchwork, Colourblocking und geometrische Muster und werden mit einer Kakteen-Wand kombiniert. Wichtig war dem Gestalter, den Charakter einer Brachfläche nicht konsequent zu überpinseln, sondern durchscheinen zu lassen. Immer wieder blitzt altes Graffiti zwischen den neuen Farbflächen hervor, und die faltige und rissige Asphaltfläche erzählt von einer industriellen Vorgeschichte. Die Gestaltung des Hofs ist ein visuelles Fest. Die Fläche wird dezent organisiert, zoniert, und beeinflusst die Interaktionsräume der Besucher. Die Möbel von Hem wohnen als logische Kollaborateure dazwischen und schaffen mit kräftigen Farben mobile Akzente, die mal hierher, mal dorthin wandern.

©Confetti Courtyard by Clark Thenhaus / Endemic Architecture

Drinnen wie draußen
Der Showroom ist ein kooperatives Projekt mit Madera, einem Spezialisten für Böden und Wände aus recycelten Hölzern, der die Oberflächengestaltung im Showroom verantwortet. Farblich greift die Ausstellungsfläche die Idee des Hofs auf – und setzt immer wieder auf gezielt platzierte, kräftige Farbakzente. Statt den Raum zu entkernen nutzt Hem den Bestand als Bühne, die durch die Requisiten aus den eigenen Kollektionen zum gemütlichen Gesamtkunstwerk wird. Sowohl der Showroom als auch der
Confetti Courtyard interpretieren den vorhandenen Raum mit lebendigen Installationen und bringen Bestandsarchitektur, Möbel und Landschaft mit dem Ziel der sozialen Interaktion zusammen.

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