Kalte Schulter trotzt Sonne & Feuer

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Text: Anne Meyer-Gatermann, Foto: Bruce Damonte

Partner: Vola

Drei Kammern aus Beton klammern sich an einen steilen Hang und wagen sich bis über den Scheitelpunkt hinaus. Während sich im Inneren der versetzten Kuben der Raum nach Norden zu einer luftigen Weite öffnet, bleibt der Rücken von Sichtbeton geschützt. Casper Mork-Ulnes hat dieses raue Refugium im Norden Kaliforniens geplant und realisiert.

Sonoma County ist ein nordkalifornisches Weinanbaugebiet: Die Region bietet nicht nur edle Tropfen und ein sommerliches Klima, sondern wird auch immer wieder, zuletzt im Herbst 2018, von Waldbränden verwüstet. Deshalb wünschten sich die Bauherren – eine fünfköpfige Familie – für ihr Gästehaus einen feuerresistenten Baustoff. Die Wahl fiel auf Sichtbeton. Den ersten Stresstest hat der Bau schon bestanden: Bei verheerenden Waldbränden im Jahr 2017 wurde das Anwesen von den Flammen verschlungen. Wälder und Wiesen haben sie vernichtet, doch das Gästehaus, das sich zu dem Zeitpunkt noch im Bau befand, konnte das Feuer überstehen.

Blick von Außen. Foto: Bruce Damonte
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Mittlerweile sind die Bauarbeiten abgeschlossen. Die drei Häuser auf quadratischem Grundriss stehen Seite an Seite und sind auf das Wesentliche reduziert: Schlafzimmer, Bad und Terrasse. Die Dächer sind wie Deckel von Joghurtbechern leicht konkav, sodass ihre Form mit der benachbarten Gebirgskette korrespondiert und der Giebel den Blick über den Canyon zu den Berggipfeln lenkt. Gleichzeitig schattieren sie die Terrassen.

Nach Süden und zur Straße hin zeigen die Häuser mit quadratischem Grundriss eine verschlossene Rückenansicht, hinter der sich jeweils ein Gang mit einem separaten Entree befindet. So sind die Innenräume vor der kalifornischen Sonne geschützt. Kleine quadratische Fenster an der Westseite werfen Tageslicht in die Bäder.  Dem ersten Anschein nach verschanzt sich der Betonbau, doch im Inneren ergießen sich Licht und Luft in die Schlafräume. Mit dem Ausblick auf den Canyon entfaltet sich ein weiter Raum. An der Nordseite schiebt jedes Haus jeweils seine verglaste Ecke wie einen Schiffsbug in den Canyon.

Innen: Bad und Schlafzimmer. Foto: Bruce Damonte
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Für die Gäste der Bauherren ergibt dies Räume, die sowohl Intimität als auch Privatsphäre zulassen. Wer will, kann sich vom Bett aus zuwinken, wer nicht, schließt die Vorhänge. Besonders in den Bädern entfaltet der Sichtbeton seinen minimalistischen Charme – sogar die Waschtische sind aus dem Baustoff gefertigt. Dazu passend haben die Planer die Spülbecken und die formschöne Armatur 590B von Vola in Grau gewählt.

Das Grundstück bietet nur einen schmalen bebaubaren Streifen. Weil die Familie sich außer den drei Unterkünften auch einen Pool wünschte, rückte das skandinavische Studio Mork Ulnes Architects die Baukörper der Gästehäuser über den Scheitelpunkt des Hangs hinaus. Das verschaffte ihm nicht nur mehr Fläche, sondern einen ungestörten Ausblick über den Canyon und klimatische Vorteile: Zur Südseite hin sind die Kubaturen geschlossen, sodass es innen auch dann kühl bleibt, wenn die Sonne brennt.

Von außen betrachtet hat der Bau einen beinahe wehrhaften Charakter, weil er sich komplett in Beton gewandet zeigt. Hier sind in den Baustoff Abdrücke der Schalung eingeprägt – das verleiht ihm nicht nur eine interessante vertikale Struktur, sondern ist auch eine eingeflochtene Reverenz an die Geschichte der Holzproduktion der Region. Innen ist der Beton an den Wänden porös und an der Decke glatt verarbeitet. Kontrastierend dazu haben die Planer Türen aus Pinienholz mit organisch geschwungenen Griffen gewählt.

Umgeben von Pinien und Manzanita-Sträuchern hat Casper Mork-Ulnes einen Unterschlupf geschaffen, der Schutz vor der Wildnis bietet und gleichzeitig ein interessanter architektonischer Balanceakt aus Beton und luftiger Weite ist.

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