Keine Box, kein Blob, sondern: Blox

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Text: Jeanette Kunsmann

2018 werden in Kopenhagen gleich zwei eigenwillige Großprojekte eingeweiht: Bevor ab Herbst auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage (Copenhill von BIG) mit der ersten Abfahrt die Kopenhagener Skisaison eingeläutet wird, eröffnet am 5. Mai am Hafen das Blox vom Office for Metropolitan Architecture. Ein Besuch in einer Architektur, die sich als „urban space" versteht.

Sie ist eine von acht Koolhaas-Partnern: Wenn Ellen van Loon durch die Treppenhäuser und Etagen des neuen Blox stolziert, dann mit einem fröhlichen Lächeln und unschlagbarem Charme. Seit 20 Jahren arbeitet die Architektin bei OMA, hat Projekte wie die Casa da Musica in Porto oder die Niederländische Botschaft in Berlin mitverantwortet. Ein Projekt wie das Blox mit seinen 27.000 Quadratmetern gehört genau auf ihren Schreibtisch: Ellen van Loon liebt komplexe Großbauten und deren Rauminszenierung.

Ausstellungsraum mit Goldboden, Foto: Rasmus Hjortshoj

Ein Gebäude, das den Bauch anhebt
Tatsächlich ist der Kopenhagener Neubau von OMA ein dreidimensionales Puzzle, in dem verschiedenste Nutzungen aufeinandertreffen. Unter einer Büroetage definieren Bodybuilder ihre Körper, während in dem Volumen neben dem Fitnessstudio das Dänische Architekturzentrum seine nächste Ausstellung aufbaut und einen Block weiter im Restaurant von NOMA-Mitbegründer Claus Meyer die Tische eingedeckt werden. Anfang Mai wird das gesamte Ensemble royal eröffnet, einige Etagen sind schon bezogen, nur die Apartments stehen noch leer: Die zukünftigen Mieter werden erst im Sommer ausgelost.

Ellen van Loon möchte gar nicht viel über das Projekt sprechen – ihr ist es lieber, dass jeder den Neubaukomplex neben Schmidt Hammer Lassens Schwarzen Diamanten für sich selbst entdeckt. Während der Verkehr auf der vierspurigen Straße unter dem Gebäude durchbraust, verbindet zwei Ebenen tiefer eine öffentliche Passage die Stadt mit dem Wasser: Das war OMA wichtig, dass Blox eine durchlässige Infrastruktur wird und alle Richtungen verbindet. Es sollte auf gar keinen Fall ein Stopper im Stadtgefüge sein.

Foto: Rasmus Hjortshoj
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Kleines Dorf auf dem Dach
Der Inhalt dieses mehrfachen Hybrids wird für ein vielfältiges Publikum sorgen: Feste Büros und Coworking-Tische sowie das Dänische Design Museum, ein Modemuseum und das DAC Danish Architecture Center finden hier ihren Platz, außerdem gibt es Konferenzräume und ein Auditorium sowie einen Sonderausstellungsraum, ein Fitnesszentrum und eine Spielplatzschräge mit Kinder-Workshop. Restaurant, Café, Shop und eine Marktfläche garantieren die Möglichkeit des Konsums, auf dem Dach wird wie in einer kleinen Dorfgemeinschaft gewohnt und in der Tiefgarage wartet ein beeindruckend automatisches Parkplatzsystem mit 350 Stellplätzen. Zwischen allen Nutzungen lockern insgesamt 30 Terrassen den Komplex auf, einige sind auch öffentlich zugänglich, andere privat und vor fremden Blicken geschützt, wobei die gestapelte Struktur immer wieder, mitunter verwegene, Blickbeziehungen zwischen den einzelnen Kuben zulässt.

Architektur im Zentrum
Die Materialität des Blox verheimlicht nicht die Herkunft des Entwurfs: Harte Metallfassaden, Rolltreppen, goldene Böden, eine Collage aus Industrieverkleidungen und Vorhänge aus Textil und Drahtgeflechten lassen sofort die vertraute Handschrift von OMA erkennen. Das grün gefärbte Glas versteht Ellen van Loon als eine Referenz an das Wasser, das den Neubau flankiert – das Grundstück, ein ehemaliges Brauerei-Gelände, war das letzte freie innerstädtische Hafengrundstück. Der neue Eigentümer hatte sich 2006 für die Zusammenarbeit mit OMA entschieden, der Entwurf ist also „schon“ elf Jahre alt, was nicht nur die Form erklärt.

Dass sich im Zentrum von allen Nutzungen das  Architekturzentrum befindet, ist keine zufällige Platzierung, sondern Absicht. So entsteht schließlich eine prominente Bühne, die wohl weltweit kein anderes Architekturzentrum in der Form haben dürfte. Man kann gespannt sein, wie man in Kopenhagen mit dieser Chance umgeht.

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