Klein ganz groß

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Text: Claudia Simone Hoff

Wohnraum ist knapp und teuer im 7. Arrondissement von Paris. Der katalanische Architekt und Designer Francesc Rifé hat beim Umbau eines Apartments aus dieser Not eine Tugend und aus einer kleinen Wohnfläche einen großen Raum gemacht.

Saint-Germain-des-Prés muss man sich leisten können. Hier reihen sich Hotels, Restaurants und Shops der Luxuskategorie aneinander. Kein Wunder, dass auch der Wohnraum extrem kostspielig ist. Im 7. Arrondissement wohnt das Paar, das Francesc Rifé mit dem Umbau seiner Dachwohnung beauftragt hat. Dass die zwar relativ klein, dafür aber extrem atmosphärisch ist – dafür sorgen ein asymmetrischer Grundriss, alte Balken und ein geneigtes Dach.

Form und Funktion
Die Idee des katalanischen Architekten und Designers: ein großer offener Wohnraum und relativ kleine Funktionsräume wie Küche, Schlafzimmer und Badezimmer, die durch ein Stauraumelement geschickt zusammengehalten werden. Darin versteckt: Ankleidebereich, Waschmaschine und Trockner sowie die Küchenzeile. Francesc Rifé ist bekannt für seine reduzierte Gestaltung, bei der Materialien und ihre Haptik eine wichtige Rolle spielen. Gerade auf einer kleinen Wohnfläche wie in Paris entfaltet sie ihre ganze Kraft, zumal Materialien und Farben stark reduziert sind.

Grundriss
Minimal
Die lediglich sechzig Quadratmeter große Wohnung ist auf zwei Ebenen angelegt: Im unteren Bereich befindet sich ein kleiner Arbeitsplatz, ein Einbauschrank sowie der Ess- und Lesebereich. Über einen halbhohen Raumtrenner schweift der Blick in den großzügigen Wohnraum, der zwei Stufen erhöht liegt. Ebenso wie der Fußboden und der Raumtrenner ist der Sitzbereich aus massivem Eichenholz maßgefertigt. Er ist wie eine umlaufende Bank aufgebaut, nimmt dunkelblaue Polsterungen und Kissen auf und dient als Stellfläche für afrikanische Skulpturen.

À la japonaise
Wohn- und Esszimmer sind mit Vintage-Sideboards und -Stühlen von Charlotte Perriand und Jean Prouvé möbliert und mit Skulpturen und Objektkunst ausgestattet. Die schräge Balkendecke bringt Rustikalität ins Innere, die durch das gebrochene Weiß zurückgenommen wird. Nirgendwo gibt es ein Zuviel an Möbeln und Accessoires, weswegen das Interior beinahe japanisch wirkt. Ein kleines Gästebadezimmer sowie das En-suite-Bad mit Regendusche ergänzen das Raumensemble. Funktionalität kommt ins Spiel, wenn Francesc Rifé maßgefertigte Einbauten und Schränke entwirft, die hinter weißen Lamellentüren mit den gräulichen Wänden zu verschmelzen scheinen.

Prioritäten
Zugegeben, die Küche ist spartanisch und sicherlich nicht geeignet für ambitionierte Hobbyköche, ebenso wie Schlafzimmer und En-suite-Bad (mit Toilette, Regendusche und rechteckigem Waschbecken) sehr klein gehalten sind. Im Zentrum der Wohnung steht der Wohn- und Essbereich. Auf zwei Ebenen angelegt, sparsam möbliert und mit wenigen ausgewählten Materialien und Farben, bietet er dem Auge Ruhepunkte und schafft trotz der geringen Größe der Wohnung ein großzügiges Raumgefühl.

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