Klinik ohne Grenzen

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Text: Tanja Pabelick

Partner: Wilkhahn

Räume wirken unbewusst: auf den Gemütszustand, die Arbeitsmoral oder sogar auf den Körper. Medizinische Einrichtungen bemühen sich deshalb mittlerweile häufig, sich vom klischeehaft Klinischen zu verabschieden. Licht und modern sind solche Häuser wie beispielsweise das transparente Kinghorn Cancer Center in Australien, das von BVN Architects entworfen und mit Wilkhahn-Möbeln ausgestattet wurde.

Kann Architektur heilsam sein? Maggie Keswick Jencks und ihr Ehemann Charles Jencks, ein berühmter Design- und Architekturkritiker, waren 1995 der festen Überzeugung. Nachdem Maggie Jencks selbst an Krebs erkrankt war, gründeten sie mit den Maggie's Cancer Caring Centres Anlauf- und Beratungsstellen für Betroffene in Großbritannien. Ihre besondere Idee: Auch Architekten sollten spenden. Allerdings nicht Geld, sondern Gebäudeentwürfe. Architekten-Legenden wie Zaha Hadid, Frank Gehry oder Snøhetta realisierten Häuser und haben dem in anderen Einrichtungen vorherrschenden OP-Türkis und funktionalen Edelstahloberflächen behagliche Lösungen gegenübergestellt. Die Resonanz spricht für sich. Besucher loben die Ruhe, und dass „das Gebäude sie umarme.“ Die Maggie’s, wie sie abgekürzt heißen, sind zu Vorreitern einer neuen Idee der Architekturpsychologie geworden.

Hand in Hand mit der Forschung


Genau dieser Idee, dem Abschied von der nüchternen Klinik, hat sich auch das Kinghorn Cancer Center verschrieben, das auf der anderen Seite der Erdkugel, im australischen Darlinghurst eröffnet wurde. Die besondere Herausforderung bei dem zehnstöckigen, von BVN Donovan Hill entworfenen Gebäude, war die Einbindung verschiedener Betriebe. Zum TKCC gehört mit dem Garvan Institut die Krebsforschung ebenso wie mit dem St. Vincents Mater Hospital eine onkologische Klinik. Ihre Architektur geht auf die Psychologie der Patienten, der Forscher und des Klinikpersonals ein und will mit einer räumlichen Verschränkung die tägliche Interaktion stärken.

Außenansicht der Klinik. Foto: John Gollings

Eingebundene Patienten
Weil die Klinik in einem urbanen und Ballungsgebiet liegt und sich deshalb in ihrer räumlichen Ausdehnung beschränken muss, wurde ein Atrium zum Herz des Gebäudes. Um den Hofbereich stapeln sich zehn Stockwerke und gehen durch die Öffnung ineinander über. Die Funktionsräume von Forschung und Klinik verschmelzen mit sozialen Interaktionszonen. Neben der vertikalen Gliederung gibt es eine weitere funktionale, logische Verknüpfung, die vom nördlichen zum südlichen Gebäudeteil stattfindet. Beginnend mit den Dienstleistungseinrichtungen, schließen sich Labor, Dokumentationsabteilung und Besprechungsräume an und münden im Atrium. Hier sind die einzelnen Bereich für Besucher leicht zu erkennen. Die Distanzen zwischen den Forschungsbereichen und der Praxis sind besonders kurz, so dass die Patienten auch in die wissenschaftlichen Prozesse eingebunden werden können.

Robust, praktisch, wohnlich
Besonders berücksichtigt wurden bei der Planung Aspekte der Nachhaltigkeit. Dazu gehört die Minimierung der Klimabilanz wie auch ein möglichst langer Nutzungszeitraum der Möbel. Für die Ausstattung wurden deshalb einige Programme aus dem Portfolio Wilkhahns gewählt – einem Unternehmen, das sich der Wartung und dem Recycling verschrieben hat, um seinen Produkten eine möglichst lange Lebensdauer zu garantieren. Ganz nebenbei passen Produktfamilien wie der neue Neos, Aline und Confair gut zum schrankenlosen Konzept des TKCC; weil sie sich durch ihr Design sowohl funktional in den Arbeitsalltag einfügen, als auch ästhetisch durch wohnliche Qualitäten zu überzeugen wissen. Dem Grundgedanken einer einladenden, ruhigen Klinik mit einer positiven Ausstrahlung auf den Patienten werden Architektur und Interieur so Hand in Hand gerecht.

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