Kompakte Kiste: Pariser Loftikus

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Text: Tim Berge, Foto: Alexandre Delaunay

Sabo Project ist ein Büro aus New York mit gewisser Erfahrung im Umgang mit kleinen Wohnflächen. In Paris haben die Innenarchitekten eine ehemalige Fabriketage in ein großzügiges Loft umgebaut. Sein Zentrum markiert eine goldene Kiste aus Aluminium, die dem Raum eine ungeahnte Dynamik verleiht.

Die Wohnung in dem früheren Fabrik- und Bürobau im 11. Pariser Arrondissement besitzt noch den Charme aus den Zwanzigerjahren, in denen das Gebäude entstand. Die freigelegte Decke offenbart ein Antlitz aus rauem Beton. Zwei Stützen ermöglichen die große Tiefe des Geschosses, das auf einem Raster von vier mal drei Raumfeldern beruht. Dieses System zeichnet sich auch in der Fassade ab, in der drei Fenster die Etage zur Straße hin öffnen. Seine kompakte Größe von 81 Quadratmetern sieht man der Wohnung kaum an. Dafür sorgt ein gestalterischer Kniff: In einer Kiste, die der Architekt Alex Delaunay dem leeren Geschoss hinzufügte, befinden sich die zwei Schlaf- und der Nassbereich. Die restliche Fläche bleibt frei und dient als großzügiger Wohnraum, in dem die Küche untergebracht ist.

Kunstvolle Textur
Der neu hinzugefügte Dielenboden und die graphitgraue Einbauküche bilden den zurückhaltenden Rahmen für die Box, die aus 40 polierten Aluminiumpaneelen besteht. Jedes der Elemente wurde individuell gestanzt, gefaltet, eloxiert und anschließend auf der Unterkonstruktion aus Stahlträgern montiert. Ein Muster aus gleichlangen Schlitzen mit abgerundeten Ecken ziert die vordere Front: Am Rand noch in geringer Anzahl verdichten sie sich zur Mitte hin und bilden ein unregelmäßig regelmäßiges Relief. Die Assoziation perforierter Fensterläden liegt nahe und verleiht der Kiste ihren kunstvoll-architektonischen Charakter.

Der Gedanke der Plastizität spiegelt sich auch in den weiteren Funktionen wider. Die Paneele lassen sich ähnlich wie die klassischen Pariser Fensterläden aufklappen. Hinter ihnen befindet sich eine Ebene aus gewellten Kunststoffelementen, die wie eine transluzente Leinwand wirkt: Sind die Fassadenteile geschlossen, erzeugen die Schlitze ein atemberaubendes Lichtornament auf der polymeren Fläche. Wenn es dunkel wird, kann die Box zu einem funkelnden Leuchtkörper werden. Auch hier finden sich Parallelen zur Idee der Außenhülle, die als Vermittler zwischen Privatheit und Öffentlichkeit dient.

Pläne
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Spielerische Szenarien
Die einzelnen Elemente an den Seiten der Box lassen sich ebenfalls aufklappen, wie die Türen zum Schlaf- und Badezimmer. Vom Flur, der sich hinter der Raum-im-Raum-Installation verbirgt, führt eine Treppe hinauf auf das Dach der Kiste, die keinen Kontakt mit der darüber liegenden Decke eingeht. In dem Zwischenraum befindet sich nun ein weiterer Schlafplatz, der Freunden und Familie der Bauherren zur Verfügung steht. Den Platz unter dem Aufstieg nutzten die Planer, um eine vollflächige Schrankwand in die Mini-Architektur zu integrieren. Sabo Project gelingt es mit ihrem simplen, wie spielerischen Eingriff, eine Vielzahl spannender Szenarien auf minimalem Raum zu kreieren. Dadurch wirkt das Loft größer als es eigentlich ist und erhält ein gestalterisches Alleinstellungsmerkmal.

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