Kooperativer Ankerplatz: Makerspace in Hannover

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Text: Tanja Pabelick

Partner: Wilkhahn

Der nachtgraue Bauwürfel, der neuerdings als dynamisch angeschrägter Solitär in Hannovers Stadtlandschaft steht, ist zumindest inhaltlich kunterbunt. Coworking, Makerspaces und ein Start-up-Inkubator sind praktische Labore für die Arbeit der Zukunft. Beim Mobiliar haben die Initiatoren mit Wilkhahn auf ein Unternehmen gesetzt, das sich schon lange mit der Zukunft der Arbeit auseinandersetzt. 

Der Hafven hat weder Meerblick, noch ist er Opfer eines Rechtschreibfehlers. Er verbindet das deutsche Wort Hafen mit dem englischen Haven, das man auch mit Rückzugsort übersetzen kann. Wer hier arbeitet, der findet in der Regel alles, was er braucht. Das beginnt mit den üblichen Schreibtischen und Meeting-Räumen und wird durch große Werkstätten, wie eine Schreinerei, Metallwerkstatt oder Lackiererei, auch für die handwerkliche Projektumsetzung ergänzt. Im Café trifft sich die Community zum Biosalat mit Sauerteigbrot und zum Austausch oder einmal im Monat zum Repair-Café, wenn das Instandsetzen von defekten Toastern, Föhnen, Lampen oder Fahrrädern zum gemeinschaftsstiftenden Erlebnis wird. 

Rückenwind für die Kooperation
Obwohl das Projekt erst im Herbst 2016 als Hafven startete, führt es bestehende Kooperationen etablierter Unternehmen aus der Start-up-Szene des Stadtteils Hannover Linden fort. In dem von den Berliner Architekten Mensing Timofticiuc geplanten Neubau fusioniert die Bürogemeinschaft Edelstall mit dem Makerspace Die Werke. Die gebündelten Potenziale und ein innovatives Nutzungsmodell, das ähnlich funktioniert wie die Mitgliedschaft in einem Sportstudio, ziehen Freelancer genauso an wie junge Firmen. Je nach Anwesenheit und Werkstattstunden kostet die Mitgliedschaft zwischen 10 und 200 Euro, wer mehr als die im Tarif vereinbarte Zeit im Hafven verbringt oder an Workshops teilnimmt, kann sie als Extras dazu buchen.

Inhouse-Potenziale: Vom Schreibtisch bis zur Werkstatt sind es nur ein paar Schritte. Foto: Albert Rein
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Vom Deck bis zur Koje
Entsprechend des flexiblen Nutzungsgedankens sind auch die Räume dynamisch gestaltet. Die Macher verstehen das Interieur als work-in-progress, bei dem mit der offiziellen Eröffnung erst der Startschuss für die Weiterentwicklung und bedarfsorientierte Ausgestaltung gegeben wird. So reagiert auch der Büroraum flexibel auf die unterschiedlichen Ansprüche der Mieter. Die hohen Räume zeigen selbstbewusst den rohen Sichtbeton, der Boden ist dazu passend mit Estrich ausgegossen. Ein zentral im Raum platziertes Holz-Plateau bringt eine zweite Ebene in das Großraumbüro, schafft einen Rückzugsraum und Raumgrenzen. Um diese Mobitektur herum stehen die Arbeitsplätze. Leichte Tische, rollende Stühle – alles ist auf einen Standortwechsel ausgerichtet. Neben der Flexibilität des Interieurs wird großer Wert auf die Flexibilität des Sitzens und auf die Ergonomie gelegt.

Kurs auf Ergonomie
Mit dem Büromöbelhersteller Wilkhahn haben sich die Hafven-Betreiber einen Partner und Spezialisten an die Seite geholt, der sich das Motto „Leben heißt Bewegen“ auf die Fahnen geschrieben hat und mit Stühlen wie IN, FS, Sola und Aline die Agilität von Körper und Geist fördert. Im großen Arbeitssaal stehen die dreidimensional beweglichen IN-Modelle mit Trimension®-Technologie sowie mit der FS-Linie ein moderner und besonders robuster Klassiker aus dem Portfolio des deutschen Traditionsunternehmens aus Bad Münder. 40 Plätze bietet die offene Etage, auf dem Podest stehen sogar ein paar Liegen zur Pause vom Tisch bereit. Wer sich besprechen möchte, kann den externen Meeting-Raum aufsuchen oder schnell in einem kleinen Holzquader verschwinden, der in einer Raumecke steht. In der schalltechnisch optimierten „Kiste“ finden alle Hafven-Mitarbeiter akustischen Frieden, ob für das Gespräch miteinander oder bei einem Telefonat.

Mit dem IN von Wilkhahn und seiner 3D-Mechanik werden Konzentrationsfähigkeit und ein entspanntes Arbeiten gefördert.
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Möbel aus der eigenen Werft
In den Gemeinschaftsräumen stehen mit dem Konferenzstuhl Aline und dem ConFair-Falttisch Möbel, die sich platzsparend stapeln und zusammenklappen und mit wenigen Handgriffen eine Konferenzsituation herstellen lassen. Optimal für ein Setting, das je nach aktueller Nutzung freie Spielfläche oder dichte Bestuhlung bieten muss. Dann können auch Wilkhahns Stitze zusätzlich herangeholt werden, die als multifunktionale Einbeiner durch das Haus streunen. Sie sind als kombiniertes Sitz- und Stehmöbel nicht nur in den Werkstätten perfekte Kurzzeitplätze mit wenig Raumbedarf, sondern auch optimal als Stuhl-Alternative, die einen Haltungswechsel anbietet. Und sie passen sich dem Hafven an, wo auch immer das Interieur hinsteuert: Mit der Inhouse-Produktionsstätte der Maker-Abteilung werden Anpassungen und Hacks in Windeseile umgesetzt. Die Mikroarchitekturen Plateau und Kiste im Großraumbüro wurden bereits von einem Designteam des Hafven entworfen und eben schnell im hauseigenen Makerspace realisiert.

Jetzt sind das Berliner Büro Merliner Mensing Timofticiuc Architekten und die Plimo GmbH & Co. KG für ihr Projekt Hafven mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet worden. Der Leiter der Jury, Professor Michael Schumacher, begründete die Auszeichnung damit, dass die Planer Mut zu sowohl inhaltlich als auch formal neuer und eigenwilliger Architektur bewiesen hätten. Der Staatspreis wird alle zwei Jahre für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Architektur vergeben. Dabei wechseln die Themen der Preisvergabe – in diesem Jahr stand sie unter dem Titel „Bauen für Wirtschaft und Verwaltung“.

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