LED-Lüster im Traditionshaus

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Text: Katja Neumann


Nach hundert Jahren war für den altehrwürdigen Schweizer Parlamentskomplex in Bern, der im Volksmund schlicht „Bundeshaus“ genannt wird, die Zeit gekommen für eine grundlegende Sanierung. 1902 eröffnet, verfolgte der Architekt Hans Wilhelm Auer damals das anspruchsvolle Ziel, die demokratische Idee der Schweiz in Form eines Gebäudes darzustellen. So zeigen beispielsweise die verwendeten Steine aus elf verschiedenen Kantonen die geografische Vielfalt des Landes. Auch bei der Innenausstattung wurden Materialien aus sämtlichen Schweizer Regionen von Handwerkern aus dem ganzen Land eingesetzt.

Nun war in der Vergangenheit allein der zentrale Bau des Komplexes, das Parlament, zahlreichen Veränderungen unterworfen, sodass das Gebäude im Laufe der Jahrzehnte von einem regelrechten Flickwerk aus Umbaumaßnahmen überzogen wurde. Eines der Hauptziele der Sanierung bestand darin, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen und den Charakter des Hauses würdig zur Geltung zu bringen. Die beauftragten Berner Architekten Aebi & Vincent begannen damit, überflüssiges Hinzugekommenes abzubauen. Riesige Mengen Bauschutt wurden aus dem Gebäude geschafft und zu Tage trat Erstaunliches: Ursprüngliche Farben, reichhaltige Details sowie Ornamente und sogar originale Tapeten konnten ans Licht geholt und sorgsam restauriert werden.

Moderne Infrastruktur in historischer Bausubstanz

Neben den denkmalpflegerischen Anforderungen und dem sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz sollte auch die Infrastruktur grundlegend erneuert werden, um den Parlamentariern eine optimale Arbeitsumgebung bieten, mit moderner Kommunikationstechnologie und energieeffizienter Haustechnik. Sicherheitsaspekte von Brandschutz über Zutrittskontrolle bis Erdbebensicherheit wurden verbessert, alle Fraktionen verfügen nun über angemessene Sitzungszimmer und auch die historische Halle mit ihrer großen Glaskuppel wird jetzt ausreichend mit Tageslicht versorgt, sodass sie heller und freundlicher wirkt. Moderne Glaslifte finden sich heute eingebettet in Sandsteinkonstruktionen der vorletzten Jahrhundertwende und Pulte mit Internetzugang mitten im historischen Nationalratssaal.

Sechs große LED-Leuchter erhellen den Konferenzraum

Exemplarisch für die Integration moderner Elemente in den historischen Kontext ist besonders der neue Konferenzraum im obersten Geschoss. So ist der gesamte Raum mit Oberlichtern versehen, die gefiltertes Tageslicht ins Innere lassen. Ein wortwörtliches Highlight sind fraglos die sechs großen LED-Lüster, über die der gesamte Raum homogen ausgeleuchtet wird. Konzipiert wurden die Leuchten nach Vorgaben der Architekten als Sonderfanfertigung von dem schweizerischen Hersteller Huco, einem Tochterunternehmen des Schopfheimer Beleuchtungsspezialisten durlum. So sollten die Leuchter zugleich mehrere Anforderungen erfüllen: Neben der Hauptbeleuchtung mit direktem und indirektem Licht sowie der obligatorischen Notbeleuchtung sollte die Lichtintensität bei Bedarf auch hoch genug sein für Fernsehaufnahmen. Zu diesem Zweck sind die drei vorderen, über dem Podium positionierten Leuchter mit 17 zusätzlichen, schwenkbaren LEDs ausgestattet, die individuell gerichtet und zugeschaltet werden können und damit die vertikale Beleuchtungsstärke für mögliche TV-Aufnahmen gewährleisten.

Varianten durch kalt- und warmweiße Leuchtdioden

Die Leuchter selbst sind vier Meter über dem Boden angebracht und bestehen aus vier verchromten Stahlringen in unterschiedlichen Größen, die zusammen eine Höhe von 90 Zentimetern haben. Der größte Ring misst dabei 1,60 Meter im Durchmesser. Über insgesamt 56 schwenkbare LEDs, die in jede der sechs Leuchten integriert sind, lässt sich der gesamte Raum direkt beleuchten. 24 LED-Spots je Leuchter sind für die indirekte Beleuchtung fest installiert und nach oben gerichtet.
Auf der Innen- und Außenseite eines jeden Ringes ist zusätzlich ein Acrylglasring angebracht, in den weitere LEDs eingebaut sind. Gehört zu einem Vortrag zum Beispiel eine Videoprojektion, werden die direkte und indirekte Beleuchtung ausgeschaltet, lediglich der Acrylglasstreifen leuchtet in einer dezenten Beleuchtungsstärke. Sogar ein leichtes Farbspiel lässt sich mit dem Leuchter erzeugen, da die in die Ringe integrierten LEDs von kaltweißer Lichtfarbe sind, im Acrylglasstreifen hingegen wurden warmweiße Leuchtdioden eingesetzt. Einen doppelten Lichteffekt erzielten die Konstrukteure von Huco damit, dass sie jeden der vier Ringe seitlich und an der Unterseite mit Chrom versahen. Die in Löcher eingelassenen LEDs leuchten damit nicht nur selbst, sondern werden in Chromoberfläche nochmals gespiegelt.
Die komplexe Steuerung der Leuchter ist in die Raumsteuerung integriert. So können, entsprechend der Nutzung des Raumes, bei jedem Ring Direkt- und Indirektlicht sowie die Beleuchtung der Acrylglasringe einzeln oder in Gruppen gedimmt und geschaltet werden. Jeweils ein Ring eines jeden Leuchters hat zusätzlich die Eigenschaft, dass er bei einem Ausfall der Netzspannung die Funktion einer normkonformen Notbeleuchtung übernimmt.

Die sechs Leuchter im Berner Parlamentsgebäude wurden von den Unternehmen Huco eigens für dieses Projekt konstruiert und angefertigt. Inzwischen haben die Schweizer Leuchtenhersteller das Produkt zur Serienreife weiter entwickelt. Somit wird der LED-Leuchter seit wenigen Wochen als Standardprodukt hergestellt und in Kürze regulär am Markt erhältlich sein.
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