Leichter Luxus

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Text: Claudia Simone Hoff

In Toulouse hat das Pariser Architekturbüro RMGB einen zweistöckigen Altbau zu einem zeitgemäßen Wohnhaus umgebaut. Mit dabei: Möbelklassiker von Prouvé und Perriand. Rauchglas, Corian und Wannen von Urquiola im Badezimmer. Und ein wunderbar lauschiger Garten – mitten in der Stadt.

Eine halbe Million Einwohner hat Toulouse, ist Hauptstadt der Region Midi-Pyrénées und die viertgrößte Stadt Frankreichs. Wenig großstädtisch indes erscheint die Rue du Japon mit ihren Villen und großen Gärten, nicht weit entfernt vom botanischen Garten Jardin des Plantes gelegen. Hier befindet sich das zweistöckige, 150 Quadratmeter große Haus einer Familie mit zwei heranwachsenden Kindern. Im Mittelpunkt: der Küchen-, Ess- und Wohnbereich im Erdgeschoss. Durch das raumhohe Fenster – eine Maßanfertigung von Technal – geht der Blick in den mit Bäumen bestandenen Garten. Hier ist es so schön grün, dass man kaum glauben kann, mitten in der Stadt zu sein.

Grundrisse
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Küche mit Insel
Während der Wohnbereich mit dem Fischgrätparkett überaus elegant wirkt, ist die Küchenzone mit ihrem Kunstharzboden eher technisch-kühl. Eine vom Kunstschmied François Pouenat maßgefertigte Kücheninsel aus gebürstetem Edelstahl bringt einen modernen Touch in das ansonsten gediegene Interior mit den hellgrau gehaltenen, hölzernen Kassettenwänden. Eingelassen in den geradlinigen Küchenblock ist ein Spülbecken mit klassischer Arne-Jacobsen-Armatur von Vola. Gerahmt wird die Insel von raumhohen Wandschränke mit einer Aussparung zum Vorbereiten und Arbeiten. Bei der Möblierung gehen die Bauherren kein Risiko ein und setzen auf altbewährte Designklassiker: Esstisch und Stühle sind von Jean Prouvé (Vitra), das Bücherregal mit den farbenfrohen Türen stammt von Charlotte Perriand (Cassina), der Tisch wird gedeckt mit Tableware vom Conran Shop und das ausladende dunkle Sofa im Wohnzimmer kommt von Zanotta. Schön und praktisch zugleich ist die Nische links vom Küchenblock: Hier wude ein kleiner Arbeitsplatz eingefügt. Maßgefertigt aus Birkenholz mit Arbeitsfläche, Regal und Fächern.

Baden im Luxus
Luxuriöse Zurückhaltung strahlen auch die Badezimmer aus. Während das Schlafzimmer der Tochter in hellen und warmen Farbtönen gehalten ist, gibt sich das En-Suite-Badezimmer mit weißer Schiebetür ziemlich cool. Auf dem Zementfußboden steht die Stahlbadewanne Vieques, die Patricia Urquiola für den italienischen Hersteller Agape entworfen hat. Hinter dem schönen schwarzen Stück in blendendem Weiß: ein Aufbewahrungselement aus Corian mit eingelassenem Waschbecken und Wandarmatur. Auch das im zweiten Stock gelegene Schlafzimmer des Sohnes ist überaus luxuriös gehalten: Die Dusche ist als Kubus aus schwarzem Rauchglas gestaltet und mitten in den Schlafraum geschoben, ebenso wie der Waschtisch aus Corian. Ganz in Schwarz setzen die Armaturen von Boffi mit dem auffälligen roten Drehhebel ein farbliches Signal. Eine separate Toilette sowie ein Ankleidezimmer vervollständigen das Schlaf-Wohn-Ensemble, das durch ein bodentiefes Fenster mit natürlichem Licht versorgt wird. Dunkle schwere Vorhänge schaffen Intimität.

Altbau reloaded
Baptiste Rischmann und Guillaume Gibert vom Architekturbüro RMGB sind dafür bekannt, dass sie Alt und Neu gekonnt miteinander verknüpfen: mit einer subtilen Farbgebung, maßgefertigten, schlichten (Möbel-)Einbauten, geschickt platzierten Designmöbeln und -accessoires, überarbeiteten historischen Baudetails. Dieses harmonische Nebeneinander von Alt und Neu gelingt ihnen auch bei diesem Projekt. Das Haus in der Rue du Japon glänzt durch elegantes Understatement. Es ist luxuriös, ohne aufgesetzt zu wirken.

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