Licht im Eis

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Text: Katja Neumann

Einkaufszentren sind eine durchaus praktische Angelegenheit: Als Kunde hat man alle denkbaren Geschäfte und Branchen an einem Ort, alles ist schnell und bequem zu erreichen und man ist unabhängig vom Wetter. Trotzdem ist man nach dem Besuch meist seltsam gestresst, reizüberflutet von all den Angeboten, Lichtern, Menschenmengen. In Wien soll dies nun anders werden, denn hier entstand kürzlich das neue Einkaufszentrum „Stadion Center“. Zwischen dem Ernst-Happel- und dem Radstadion im Prater, wo Sport und Vergnügen eine lange Tradition haben, bietet das zentral gelegene Einkaufszentrum auf rund 21 000 Quadratmetern Platz für rund 70 Shops.
Dabei wurde der Themenschwerpunkt Sport von den Planern Loistl & Loistl in der ovalen Forum und von der Architektin Regina Freimüller-Söllinger in der Oberflächengestaltung der Fassade aufgegriffen. Mit einer LED-Außenfassade, LED-Lichtdecken im Inneren und einem weltweit einzigartigen, beleuchteten, 23 Meter hohen Eisfall ist das Wiener Stadion Center ein neuer Anziehungspunkt in der österreichischen Hauptstadt.
„Im Stadion Center fühlt man sich nicht von der Außenwelt ausgesperrt und in eine künstliche Welt versetzt. Es ist nicht eines dieser vielen Center, in dem man bereits nach kurzer Zeit Kopfweh bekommt und den dringenden Wunsch ‚nur raus’ verspürt.“ So treffend bezeichnet Gudrun Schach, Geschäftsführerin des Zumtobel Lichtforum Wien, das neue Einkaufscenter, dessen beeindruckende LED-Beleuchtung von Zumtobel in Zusammenarbeit mit dem Lichtplaner Jürgen Hassler realisiert wurde. Die Lichtlösung, basierend auf neuester LED-Technologie, ist mit einem Gesamtwert von knapp 1 Million Euro das bislang größte von Zumtobel realisierte LED-Projekt.
80 Meter langer Informations-Ring aus LEDs
Und diese Größenordnung präsentiert sich dem Besucher schon von Weitem. So wurde der Außenhaut des Gebäudes quasi ein Netz übergestülpt, das dem Center ein leichte Anmutung gibt. Darüber verläuft ein 80 Meter langes Medienband aus Tausenden von LED-Leuchten, das die Außenfassade je nach Anlass in unterschiedliche Lichtstimmungen versetzt und zugleich als Werbe- und Kommunikationsfläche fungiert. Dabei wechselt das Bild der Außenhaut zwischen lebhaften oder informellen Inhalten bis hin zu weichen, ruhigen Erscheinungsbildern. Gemäß des Themenschwerpunkts Sport bestimmen Sportevents, Werbung und temporäre Aktionen den inhaltlichen Rhythmus des sogenannten Informations-Ringes. Das System von zwei einander überlagernden Ringen wird mittels Licht unterschiedlich sichtbar. Der erste, innere Ring ist Informations- und Werbeträger, welchem ein zarter, metallisch hellgrauer Transparentring vorgespannt ist. So kann zum Beispiel, während das Licht der Informationseinheiten abblendet, eine speziell für das Stadion Center konzipierte Lichtinstallation einsetzen. Dabei wird schließlich der Transparentring zum Lichtträger und macht einen neuen Körper sichtbar.
Beleuchtetes Eis
Bereits auf dem Weg ins Foyer des Stadion Centers werden die Besucher von einem roten Himmel hinein begeleitet. Dieser entsteht durch dünne LED-Lichtstreifen, die in das Vordach integriert wurden. Im Foyer erwartet die Kunden auch schon gleich der Besuchermagnet des Stadion Centers: Ein 23 Meter hoher Eisblock mit einem Meter Wandstärke, in dem man mit einem gläsernen Lift hochfahren kann. In dem massiven Einsfall wurden 112 spezielle LED-Kachelleuchten mit je 60 mal 60 cm Grundfläche zur Hinterleuchtung integriert. Um dynamische Lichteffekte zu erzielen, die das Eis in allen Farben schillern lassen, ist jeweils ein Viertel der Kachel separat steuerbar.
Lichtbänder und LED-Decken
Die gesamte Lichtlösung im Inneren des Einkaufszentrums wurde individuell gefertigt und bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten zur Lichtinszenierung. Während großflächige Oberlichter für angenehmen Tageslichteinfall sorgen, ist das Kunstlicht hinsichtlich der Beleuchtungsstärke sehr zurückhaltend ausgeführt worden. Die hellsten Bereiche bleiben die Schaufenster der Shops, womit der Fokus auf die Geschäfte gelenkt wird. Die Mittelzone wird durch Lichtbänder und spezielle Lichtdecken farbig unterschiedlich bespielt. Dafür wurden 324 quadratische LED-Medialeuchten über neun Deckenflächen verteilt angeordnet. Diese verfügen über jeweils 144 einzeln ansteuerbare RGB-LEDs im Abstand von 50 mm und ermöglichen neben Lichtinszenierungen auch das Absielen von Text, Bildern und Videos. So tauchen beispielsweise Schwimmer über die Video-Fliesen an der Decke von einem Ende zum anderen des Centers und im nächsten Moment blühen am selben Ort die Blumen.
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