Lichterliebe

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Text: Nina C. Müller

Partner: Artemide

Ein Weingut, das nicht nur die Natur und seine Umgebung respektiert, sondern auch die Persönlichkeit seines Winzers widerspiegelt, das war Entwurfsziel der Architekten von Halbritter & Hillerbrand. Zwischen Bergen, Wiesen und Mohnblumenfeldern planten sie einen schlichten Neubau, der mit subtiler Beleuchtung Weine, Menschen und Natur unterstützt und sie effektvoll in Szene setzt.



Unplugged: Schon der Name verrät, dass Winzer Hannes Reeh seine Weine bewusst möglichst ursprünglich hält. So hat sich der junge, österreichische Winzer mit seinen authentischen Produkten unter Weinkennern und Gourmets bereits einiges Ansehen erarbeitet. Ähnlich wie seine Weine – schlicht, natürlich, unkompliziert und auf das Wesentliche reduziert – sollte auch sein Weingut am Rand des österreichischen Orts Andau werden. Die Planer, Heidemarie Hillerbrand und Herbert Halbritter, die schon einige Erfahrungen mit dem Bau von Weingütern machen konnten, waren da die idealen Partner.

Spiegel der Natur

Stets setzen die Architekten der Natur geometrische Gebäude gegenüber, die äußerlich zwar Kontraste zur Umgebung bilden, im Inneren jedoch subtil die jeweiligen Eigenarten von Landschaft und Wein widerspiegeln. Für ihren Bauherren Hannes Reeh entwarfen sie einen kubischen, eingeschossigen Bau, der sowohl Lager- und Produktionsbereiche, Verkaufsflächen und Räume für Verkostungen wie auch private Zimmer unter einem Dach vereint. Trotz der vielfältigen Funktionen beschränkten sich die Planer jedoch konsequent auf wenige Materialien wie Sichtbeton, Holz und Zinkblech. Diese seien zeitlos, alterten aber qualitätvoll und stellten damit einen Bezug zum Wein her, so die Architekten.

Stimmungsmacher

Außen eher herb, sorgen im Inneren buchstäblich liebliche Elemente wie ein rot gefärbter Fußboden, geschnitzte Holzschränke oder Textilien in den warmen Farben umliegender Obst- und Blumenfelder für einladende Atmosphären. „Wein hat viel mit Stimmung und Gefühl zu tun“, so der Bauherr, der neben der Innenraumgestaltung auch großes Augenmerk auf die Beleuchtung des Komplexes legte. Im Vordergrund der Planung von Halbritter & Hillerbrand stand daher ein flexibles Lichtkonzept, das einerseits die Grundbeleuchtung für die Produktionsbereiche vorsah, andererseits aber auch eine eindrucksvolle Inszenierung der Weine und des Guts.

Verantwortungsbewusstes Licht

Hier war ein Beleuchtungspartner gefragt, der eine große technische wie gestalterische Bandbreite abdecken kann. Zumal Architekten und Bauherren den Grundsatz einer nachhaltigen Bauweise gefasst hatten. Da lag die Zusammenarbeit mit Artemide nahe. Der italienische Leuchtenhersteller setzt unter dem Stichwort Responsible Light verantwortungsvolle, energieeffiziente Beleuchtungsmaßnahmen um, die hier vielerorts Anwendung fanden: Für die Büros fiel die Wahl naheliegenderweise auf die klassische Schreibtischleuchte Tolomeo. Im Außenbereich kamen etwa die Sockelleuchte Nuda und die Projektorleuchte Cariddi zum Einsatz. Ihre schlichten, metallischen Korpusse fügen sich harmonisch in die Umgebung ein, währen die LED-Leuchtmittel Strom sparen.

Licht nach Maß

Eine besondere technische Lösung, die von Artemide speziell für das Weingut Reeh entwickelt werden musste, war für den Arbeitsbereich der Traubenauslese gefragt: Hier kommt es über eine Höhendistanz von mehreren Metern auf eine lichtstarke und farbneutrale Beleuchtung an. Ähnlich komplex waren die Anforderungen in den repräsentativen Räumen des Weinguts. Im Barriqueraum, der als Schnittstelle von Produktion und öffentlichen Bereichen dient, sollten sowohl Helligkeit als auch Lichtfarbe individuell bestimmt werden können. So legten die Architekten LED-Streifen – bewusst in leicht unregelmäßiger Anordnung – an der Decke entlang. Sie leuchten den Lagerraum nun gleichmäßig aus und lassen die hölzernen Fässer lebendig und spektakulär wirken.


Auf diese Weise gelang den Planern von Halbritter & Hillerbrand – mit Liebe zum Detail und individuellen Lichtlösungen – ein kontrastreiches Gebäude, das traditionelles Handwerk und zeitgenössische Architektur als harmonische Einheit präsentiert.

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