Mad Men in Toronto: Interior für einen Junggesellen

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Text: Anne Meyer-Gatermann
Foto: Lisa Petrole

Partner: Ligne Roset

Dieses Loft sollte kein Rückzugsort werden, sondern ein Ort für Freunde und lange Partynächte. Dazu passt ein Interiorkonzept aus den Sechzigerjahren.

Würde die Tür aufschwingen, der junge Don Draper hereinschreiten, eine Orange vom Esszimmertisch greifen, in die Luft werfen und wieder auffangen – man wäre nicht überrascht. Innenarchitekt Stéphane Chamard hatte, als er das Loft Hamilton in Toronto entworfen hat, vor Augen, in welcher Umgebung sich der Charakter aus der Serie Mad Men wohlfühlen würde. Chamards Auftraggeber für dieses Projekt ist ein Junggeselle: ein Physiker, der gern mal Gäste auf einen Drink einlädt.

Dieser hatte den Innenarchitekten kontaktiert, nachdem er Bilder von dessen eigenem Zuhause gesehen hatte. Der Kunde will unbedingt das gleiche Sofa: Ploum von Ligne Roset. Sonst hat er seine eigenen Vorstellungen. Er wünscht sich eine minimalistisch eingerichtete Wohnung, durch die das Flair der Sechzigerjahre weht. Es soll kein Rückzugsort, sondern ein Treffpunkt für Freunde sein.

Auch die architektonische Ausgangslage ist eine andere: Keine Villa aus der Jahrhundertwende wie bei Chamard, sondern ein ehemaliges Büroloft – ein weiter, offener Raum aus Beton. Stéphane Chamard weiß diese Ausgangslage zu nutzen. Er setzt Wände ein, um zwei Schlafzimmer abzugrenzen, jedoch zieht er sie nicht bis zur Decke, sodass Tageslicht hineindringt. Privatsphäre ist für den Junggesellen keine Priorität.

Küche, Ess- und Wohnzimmer arrangiert der Architekt als offenen Raum entlang einer Fensterfront. Der Ausblick auf üppige Baumkronen bietet Chamard Inspiration für die Farbwahl seines Interiordesigns: warme Grün- und Brauntöne. Damit bewegt er sich gleichzeitig nah an der Ästhetik der Sechzigerjahre.

Sinnlichkeit mit Schwung
Für das bereits erwähnte Sofa Ploum wählt Chamard einen waldgrünen Bezug. Die weich geschwungene Form bildet einen gelungenen Kontrast zu den gradlinigen Sprossen der Fensterfront, vor dem das Polstermöbel positioniert ist – ein Kniff, zu dem der Innenarchitekt gerne greift, um einen rechteckigen Raum interessanter zu gestalten. „So wirkt er sinnlicher“, erklärt er. Diese Wirkung hat auch die Leuchte oberhalb des Esszimmertischs, in deren üppigem Schirm sich caramelfarbene Holzbänder umeinanderschlingen.

Die meisten Möbel und Dekorationsgegenstände sind Vintagestücke aus der Epoche eines Don Drapers. Die Küche mit der extralangen Theke hingegen ist schlicht von Ikea. Afrikanische Masken geben dem Flur tagsüber das Flair eines Ausstellungsraums, nach Sonnenuntergang haben sie einen besonderen Auftritt: „Nachts über diesen Flur zu laufen, ist sehr dramatisch. Das Licht, das auf die Masken fällt, lässt sie hervortreten und produziert großartige Schatten“, sagt der Architekt.

Im Schlafzimmer steht er vor einer weiteren Herausforderung: Der Kunde hängt an seinem alten Bett, das allerdings recht sperrig ist. „Indem man es mit interessanten Dingen umgibt, lenkt man davon ab, wie visuell schwerfällig es ist“, sagt Chamard diplomatisch.

Noch eine Vorgabe hatte der Auftraggeber: Keine Bodenbeläge. „Er findet es klasse, wenn Leute auf einen Drink vorbeikommen. Ich denke, es hat praktische Gründe: Es ist einfacher einen Betonboden zu wischen, als einen Teppich zu reinigen.“ Klingt ganz so, als dürfte man legendäre Partys im Loft Hamilton erwarten.

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