Mannheim: Kunsthalle für alle

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Foto: Dietrich Bechtel, Lukac Diehl, Rainer Diehl, Stefan Schilling

Partner: FSB

Wenn Architekten Möbel entwerfen, setzen sie diese gerne in eigenen Bauprojekten ein. Noch mehr gilt das für die Elemente, die sich direkt mit der Architektur verbinden, zum Beispiel Beleuchtung, Böden und auch: Türbeschläge. Und so greifen Personal und Besucher der Kunsthalle Mannheim einen in seiner Form besonders reduzierten Türdrücker, den die Architekten von Gerkan, Marg und Partner für FSB entworfen haben.

Als die Kunsthalle Mannheim im Juni 2018 eröffnet wird, gibt es ein großes, dreitagiges Fest. Allein am ersten Tag kommen 7.500 Kunstbegeisterte, die sich nicht nur die Sonderausstellung von Jeff Wall, sondern auch den Neubau von gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner genauer ansehen wollten. Ihr Entwurf ergänzt das 1909 eröffnete Kunsthaus, ein Jugendstilgebäude von dem Architekten Hermann Billing, mit der Idee, eine Stadt in der Stadt zu schaffen. Es sei eine Architektur, „die sich in den Dienst der Kunst stellt, ohne eigene Ansprüche aufzugeben“, lobt das Preisgericht 2012, als es das Konzept des Hamburger Büros zum Siegerentwurf kürt. „Die Kunsthalle von gmp ist in ihrer spannenden Balance zwischen Transparenz und Geschlossenheit, Klarheit und Emotionalität eine souveräne Behauptung.“

Kunst für alle
Sich in den Dienst der Kunst zu stellen, ist für die Architekten unabdingbar, ebenso wichtig wie die städtebauliche Positionierung. Schließlich steht der Neubau von gmp auch noch auf einer brisanten Stelle, wurde der hiesige Vorgängerbau aus den Achtzigerjahren trotzt Bürgerprotesten abgerissen. „Kunst für alle“ verspricht Gründungsdirektor der Mannheimer Kunsthalle Fritz Wichert 1907 der Stadt – „Kunsthalle für alle“ so denkt die heutige Kunsthallendirektorin Ulrike Lorenz dieses Versprechen weiter. Von Gerkan, Marg und Partner übersetzen diesen Gedanken auf mehreren Ebenen in den Neubau.

Foto: Lukac Diehl

Stadt in der Stadt
Dafür sorgt einerseits eine barrierefreie Weiterführung der Straße in das Gebäude. Andererseits stellen die Architekten in das Zentrum ein 22 Meter hohes Lichtatrium, um das sich sieben Ausstellungshäuser gruppieren. Räumlich inszenieren Verbindungen wie Treppen, Brücken, Gassen und Terrassen diesen Ort – die Besucher begegnen sich hier wie in einer Stadt. Und so verstehen auch gmp die Kunsthalle als eine Neuinterpretation des städtischen Blocks mit ihrer Vielfalt aus Häusern, Höfen und Gassen, angelehnt an die sogenannte Quadratestadt Mannheims: der idealen Planstadt aus der Epoche des Barocks.

Kreis und Quadrat
Dass sich das Thema der Stadt auch in den Details wiederfindet, bildet eine weitere Besonderheit des Neubaus. Man sieht es zum Beispiel an den Türen: Der Türdrücker FSB 1244, den gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner selbst gestaltet haben, passt perfekt zu ihrem Entwurf der Kunsthallenerweiterung. Der Griff basiert auf einfachen geometrischen Grundformen, wobei die lineare Fläche der Frontseite die Rundung des Drückerhalses aufnimmt und mit einem rechteckigen Schnitt schließt. „Wir arbeiten mit simplen geometrischen Mitteln, Kreis und Quadrat. Lediglich da, wo der Zeigefinger aufliegt, haben wir der Haptik wegen eine Mulde ausgearbeitet, um den Griff handschmeichelnd zu machen,“ erklärt Partnerarchitekt Nikolaus Goetze.

FSB 1244 von gmp
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Und so findet sich die Stadt in der Architektur wieder, die sich ganz im Hintergrund hält, damit die Kunst eine Bühne bekommt. Ähnlich funktioniert auch der Türdrücker. Er fällt erst auf, wenn man ihn in die Hand nimmt – ansonsten hält er sich zurück. Alles geht Hand in Hand. Nur die Kunstwerke, die darf man auch in Mannheim nicht anfassen.  

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