Marcels Reise zum Mond

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Text: Claudia Simone Hoff

Dass es Marcel Wanders niemals zu bunt wird, ist keine Überraschung. Auch in Hongkong bleibt der niederländische Designer seinem unverwechselbaren Stil treu. Für das Hotel Mira Moon hat er ein eklektizistisches Interior geschaffen, bei dem alles ineinandergreift: verspielte Wandmosaiken, knallrote Tulpensessel, schmiedeeiserne Laternenleuchten, extravagante Armaturen.

Wanchai ist das Epizentrum Hongkongs. Hier brummt und brodelt es vor Geschäftigkeit. Und mittendrin liegt an der Jaffee Road 388 das Designhotel Mira Moon – Schwesterhotel vom The Mira Hong Kong auf der anderen Seite der Stadt, in Kowloon. Nicht weit entfernt vom Mira Moon: quirlige Einkaufsstraßen, kunterbunte Märkte, unzählige Restaurants, der Star Ferry Pier, die Messe und das Hong Kong Arts Center. „Ich habe zum ersten Mal in Hongkong gearbeitet. Deshalb wollte ich etwas entwerfen, das eine Beziehung zu dieser Stadt hat“, beschreibt Designer Marcel Wanders seine Idee, eine populäre chinesische Sage als Ausgangspunkt seines Entwurfs zu nehmen.

Marcel Wanders über das Hotel

Zehn Monde und ein Kaninchen
Das Mondfest wird in Hongkong – wie in ganz China – am 15. Tag des 8. Mondmonats nach dem traditionellen chinesischen Kalender begangen. Die Legende besagt, dass es einmal zehn Sonnen gab, die die Erde umkreisten und zu einem unbewohnbaren Ort machten. Der Kriegsgott Hou Yi wollte die Erde retten und schoss neun Sonnen vom Himmel. Nur die zehnte Sonne verschonte er und befahl ihr, von nun an als Quelle des Lebens jeden Morgen auf- und jeden Abend unterzugehen. Als seine Frau, die Mondgöttin, Chang´e vom Unsterblichkeitstrunk ihres Mannes kostete, flog sie zum Mond und kehrte nie mehr zurück. Da Hou Yi sehr unglücklich ohne sie war, schickte ihm seine Frau ein Kaninchen aus Jade als Begleitung auf die Erde, so dass er fortan nicht mehr allein war.

Überbordende Fantasie
Viele Motive aus dieser chinesischen Sage tauchen im Hotel auf, so wie die knallroten Leuchten in Form eines Kaninchens oder die Zimmerbezeichnungen: Half Moon, New Moon, Full Moon, Moonshine Suite. Das Interiordesign des Boutiquehotels ist überaus verspielt. Marcel Wanders schöpft in den 91 Zimmern, im Entree, Restaurant und Garten aus einem scheinbar unerschöpflichen Repertoire aus Farben, Formen und Materialien, die er paart mit überbordender Fantasie. So treffen im Mira Moon glasierte Keramiken, handgefertigte Teppiche mit Blumendekoren und feine Kristallarbeiten auf farbenfrohe Mosaiken, kunstvolle Holzschnitzereien, verschnörkelte Metalle und antike Trouvaillen. Auch wenn vieles chinesisch anmutet: Die Handschrift des Holländers erkennt man sofort, auch weil er viele Stücke aus der Moooi-Kollektion verwendet – so beispielsweise die kugelrunde Leuchte Raimond und die weiße Stehleuchte Farooo.

Eintauchen in eine Märchenwelt
Fast die gesamten Möbel des Hotels wurden speziell für das Projekt angefertigt. So gibt es viele traditionell chinesische Holzarbeiten, auch in den Zimmern. Die Betten beispielsweise werden von einem weiß lackierten Betthaupt gekrönt. Und auch die Badezimmer verknüpfen Handwerk mit Industriedesign. Die weißen rechteckigen Aufsatzbecken beispielsweise stehen in einem haptischen und gestalterischen Kontrast zu den Tischen aus Holz, auf denen sie platziert sind – vor allem wegen der auffällig gedrechselten Beine. Hinterfangen wird der üppige Tisch von wunderbaren Mosaiken von Bisazza im Farbklang Orange-Rot-Schwarz, wobei abstrahierte Pfingstrosen im Mittelpunkt der Gestaltung stehen. In den großzügigen Badezimmern mit Marmorfußboden und bodengleichen Duschen spenden Armaturen von Axor und Hansgrohe Wasser. Während die Waschplätze mit dem freistehenden Waschtischmischer Metris von Phoenix Design für Hansgrohe ausgestattet sind, fließt das Wasser in die große ovale Badewanne durch das Modell Axor Urquiola. Die spanische Designerin Patricia Urquiola hat neben der Armatur auch Sanitärkeramik, Heizkörper und Accessoires für den deutschen Hersteller entworfen. Im Mira Moon kommt eine freistehende Badewannenarmatur zum Einsatz. Möchte man gemütlich lesen oder am Laptop arbeiten und dabei in der Wanne liegen, sorgt ein Kissen und ein beweglicher, über dem Wannenrand montierter Tisch für Behaglichkeit.

Entstanden ist im Mira Moon ein spektakuläres Interiordesign, das asiatische Elemente mit europäischen kombiniert. Es ist insbesondere Wanders’ Liebe zum Detail, die dieses Hotel so besonders macht. Auch wenn Oberflächen und Formen zuweilen recht üppig sind – dem Designer gelingt es durch eine reduzierte Farbgebung von Rot und Schwarz Ruhe in das Interior zu bringen. Das Hotel glänzt neben dem Interiordesign auch noch mit weiteren Annehmlichkeiten. Nicht nur gibt es eine ganze Etage nur für Frauen und einen Secret Garden mit Open-Air Terrasse. Im Restaurant wird chinesisch-spanische Fusion-Küche serviert, und die Angestellten sind in maßgeschneiderter Kleidung der Designerin Grace Choi gewandet. Und das i-Tüpfelchen: Frisiert werden sie beim hoteleigenen Coiffeur.

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