Marmor im Spiegel: Moskauer Apartment

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Text: Jeanette Kunsmann

Wer dieses Apartment zum ersten Mal betritt, sollte die Augen nach oben richten: Der französische Architekt Nicolas Dahan hat sich für die Deckengestaltung eine ausgefallene Inszenierung ausgedacht. Und in den Bädern spiegelt sich meerblau der Marmor aus Carrara.

Es war eine Frage der Struktur und des richtigen Lichts: Die Wellen, die Nicolas Dahan in die Oberfläche der Decken eingezogen hat, erinnern – das liegt auf der Hand: an Wellblech. Vielleicht könnte es aber auch eine alte Industriedecke sein? Ein horizontaler Vorhang? So perfekt die Ausführung, so neu ist auch das Deckenrelief: Der Architekt spricht von „sanften Wellen am Strand“. In den Hohlräumen verschwinden die maßgefertigten LED-Röhren. Die Wellen tragen das Licht.

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Für den jungen Architekten aus Paris war es kein kleiner Auftrag: Insgesamt 450 Quadratmeter auf zwei Etagen sollte Dahan sanieren und umbauen. Das Apartment in der sechsten und siebten Etage eines Moskauer Wohnungsbaus entpuppt sich als gehobene Residenz: Empfang, Speisesaal, Küche, sechs Schlafzimmer, sechs Badezimmer, ein Hamam und Fitnessraum werden von einem fast 100 Quadratmeter großen Wohnzimmer zusammengehalten. Es ist eine Stadtwohnung für das Leben mit Hausangestellten – wer träumt nicht ab und zu davon?

Vor allem die Bäder lassen in ihrer Ausführung auf ein Budget ohne Limit schließen. Grauer Carrara-Marmor bedeckt Böden, Wände, Waschtisch und Badewannen – das gleiche Material findet sich auch im Dampfbad im Obergeschoss wieder.

Für die Wohnbereiche hat Nicolas Dahan einen Boden aus Ahorn gewählt, in den Ankleidezimmern, die an die Schlafbereiche anschließen, verschiedenfarbigen Teppichboden. Marmor, Holzfußboden und die eingebauten bunten Spiegelflächen hatten einen weiten Weg: Alles wurde aus Padua in Norditalien nach Moskau verschifft. Auch die Axor Citterio-Armaturen von Hansgrohe zeigen die Wertschätzung des Architekten und des Bauherrn für italienisches Design, ebenso die Möblierung von Cassina und Edra.

Doch zurück zum wahren Highlight, eine Etage tiefer: der Decke als leuchtendes Kunstwerk. Sie erscheint mit ihren sanften Wellen als eine durchgehende Fläche und besteht aus einem speziellen Gipsstein. Mehr als 100 Platten mit jeweils 1,20 auf 1,20 Meter wurden im Wohn-, Küchen- und Flurbereich montiert und drei Monate lang geschliffen, bis das Ergebnis perfekt war. Die Leuchten wurden als Spezialanfertigung eingebaut, Aluminiumfilter in den LED-Röhren sorgen für ein weiches Licht. Dieses fängt die grünblauen Pastelltöne und die Vorhänge in Aquamarin und Türkis ein, sodass man gar nicht merkt, dass das Meer eigentlich furchtbar weit weg ist…

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