Maximal Marseille

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Text: Julia Bluth
Foto: David Giancatarina

Treppen sollen verbinden – und doch behindern sie oft. Vor allem in mehrgeschossigen Wohnungen können sie dem gesamten Gefüge Raum und Licht rauben. In Marseille haben die Architekten von T3 deshalb eine dunkle Maisonettewohnung radikal entkernt und dabei ihren Altbaucharakter nicht nur erhalten, sondern sogar hervorgehoben.

In ihrem Originalzustand wirkte die 100 Quadratmeter große Wohnung wie eine verwinkelte Höhle, deren ungünstiger Schnitt von einem zentralen Treppenhaus dominiert wurde. Trotz raumhoher Fenster und des direkten Zugangs zum Garten litten die Räume der unteren Ebene unter einem deutlichen Mangel an Tageslicht. Denn diese liegt im Souterrain des Hauses, während die obere Ebene sich auf Straßenniveau befindet. Die beiden Projektarchitekten Luc Lacortiglia und Christophe Pinero entschieden also, die alte Treppe sowie die nicht tragenden Trennwände einzureißen. Als Basis der neuen, freischwebenden Treppe dient nun eine Wand aus Sichtbeton, die die zwei Etagen optisch verbindet.

Luft nach oben
Das Wohn- und Esszimmer im Untergeschoss öffneten sie zusätzlich, indem sie große Teile der Decke entfernten und durch Stahlträger ersetzten. Der so entstandene Luftraum wird am Kopf der Treppe durch eine Glaspassage ergänzt, die vom Hauptschlafzimmer zum ebenfalls verglasten Boudoir führt. Auf diese Weise schaffen Lacortiglia und Pinero eine überraschende Durchlässigkeit und Helligkeit. Ihre mit dem Stil der historischen Bauweise brechende Betonwand setzt zudem einen deutlichen vertikalen Akzent. Gekrönt wird sie von einem schmalen Panoramafenster, das den Blick auf die spektakuläre Stuckdecke des Hauptschlafzimmers lenkt.

Pläne, hier: Grundriss untere Ebene
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Offen geschlossen
Die neue Transparenz zwischen den Etagen steht in einem auffälligen Kontrast zu der beibehaltenen Abgrenzung auf gleicher Ebene liegender Räume. Beispielsweise verzichteten die Architekten auf das Naheliegende, indem sie Küche und Wohn-Essraum nicht – wie heute oft üblich – zusammenlegten. Dadurch bleibt der Kochbereich ein nahezu meditativer Ort, der sich nur zum Garten hin öffnet. Auch der Essplatz im offenen Wohnraum liegt unterhalb der geschlossenen Decke und bildet gewissermaßen eine kleine Ruhezone. Auf der oberen Ebene verfügen beide Schlafräume über innenliegende Badezimmer, die sie zu in sich geschlossenen Einheiten machen.

Luc Lacortiglia und Christophe Pinero haben hier sehr bewusst Grenzen gesprengt – und respektiert. So zeigt ihr Umbau auf überraschende Weise, wie gut sich Konsequenz und Behutsamkeit manchmal vereinen lassen.

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