Medientempel Bloomberg in New York

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Text: Katrin Schamun

Mediengesellschaften in New York fallen dem aufmerksamen Passanten sofort ins Auge. Vor den Eingängen herrscht ein ständiges Kommen und Gehen besonders früh morgens kurz vor Arbeitsbeginn. Das hektische Treiben ihrer Büros breitet sich bis auf den Bürgersteig der Stadt aus und wird Teil der Straßenszenerie.
Biegt der New Yorker Spaziergänger mitten in Manhattan im geordneten Straßensystem der Stadt zwischen der 58. und 59. Straße in den Innenhof des riesigen Gebäudes ein, eröffnet sich ihm ein unterhaltsames Bild. Er steht vor der gewaltigen Glasfassade, durch die das bunte Treiben der Bloomberg L.P. zu beobachten ist. Bloomberg L.P. ist eine im Jahre 1981 von Michael Bloomberg gegründete Informationsdienstleistungs-, Nachrichten- und Mediengesellschaft, die weltweit als Nachrichtenagentur und Datenlieferant agiert.
Der Betrieb im Gebäude des Medienunternehmens gleicht einem gläsernen Bienenkorb, in dem emsige Arbeiter hin und her schwirren, um ihren für Außenstehende undurchschaubaren Aufgaben nachzugehen. Natürlich steckt hinter dieser öffentlichen Präsentation auch die Philosophie einer offenen Unternehmenspolitik: Wir beschaffen Informationen und Daten, sammeln und bearbeiten diese, um sie dann für die Öffentlichkeit aufzubereiten. Aber welche der gesammelten Daten zum Publikum gelangen und in welcher Form, wissen nur die Eingeweihten von Bloomberg, die hinter der transparenten Fassade vor Ihren Bildschirmen sitzen.
Im Jahr 2005 bezog Bloomberg L.P. den gläsernen Gigant in der 58. Straße New Yorks, der in enger Zusammenarbeit mit den Architekten Cesar Pelli & Associates, Studios Architecture sowie den Lichtdesignern von Johnson Schwinghammer und dem Möbelausstatter Unifor realisiert worden war. Das Architekturbüro Studios Architecture, mit Sitz in New York, Los Angeles, San Francisco, Washington und Paris, gewann mit seiner Innenraumgestaltung den 9. Architekturpreis der BusinessWeek/Architectural Record. Dieser Preis zeichnet Arbeiten aus, die in besonderer Weise die Geschäftsziele ihrer Bauherren unterstützen „indem sie zu Produktivität und Kreativität motivieren“.
Todd DeGamo von Studios Architecture, verantwortlich für das Innenraumdesign, strebte in seinem Entwurf eine Verbindung von nutzerfreundlicher Architektur und Bürointerieur an, um die Zusammenarbeit und Kommunikation untereinander zu fördern.
Aquarien als Markenzeichen von Bloomberg
Der Besucher betritt den gläsernen Schaukasten durch eine elegante Lobby. Sie ist eine Art Dekompressionsraum zwischen dem Alltag draußen und dem Gebäudeinneren. Von hier aus gelangt man hinunter zum Ausbildungszentrum oder hoch hinauf in die Türme der einzelnen Fachabteilungen und ihren Verbindungsgängen. Ein Detail fällt sofort auf: Im Podest von dem aus eine Treppe in die oberen Etagen führt, ist ein Aquarium eingelassen, in dem sich Koi tummeln. Solchen Aquarien begegnet man hier öfter. Sie sind ein Markenzeichen der Bloomberg Gesellschaft und wie die zahllosen Informationsbildschirme überall im Gebäude in die Architektur integriert. Nicht nur das die farbigen Wasserpflanzen und Fische bunte Akzente in den Räumen setzen – die friedlichen Bewegungen der Fische soll auf die vorbeieilenden Angestellten beruhigend wirken.
„Dieser Knotenpunkt erinnert dich jeden Tag an den Umfang des Geschäfts mit all seinen Teilen.“ Todd DeGamo, STUDIOS Architecture
Mit dem Fahrstuhl im sechsten Geschoss angekommen, begrüßt den Besucher statt einer hübschen Empfangsdame, die sich gerade die Nägel hinter ihrem Schreibtisch lackiert, ein Bildschirm genannt „Greeter“. Diese Etage dient als Knotenpunkt innerhalb des Gebäudes. Hier begegnen sich Bloomberg-Mitarbeiter und Gäste auf ihren Wegen zu den 90 Konferenzräumen, zum Speisesaal oder zurück in die Büros. Der Besuch dieses Zentrums ist ein Ereignis – eine Einladung in eine andere Welt, die durch Architektur und Design zelebriert wird. Hier in der Tiefe des Informationstempels fühlt man sich plötzlich wie in einer winzigen Stadt des 21. Jahrhunderts. Hin und her eilende Menschen bewegen sich flink und gezielt in alle Richtungen. Einige tragen unter ihren Armen ihre Mahlzeiten in orangefarbenen Plastikbehältern durch die Flure. Andere sitzen in Unterhaltungen vertieft oder ausruhend auf modernen Designer-Sofas. Dabei flimmern die jüngsten Weltereignisse und Nachrichten unentwegt über die nebenstehenden Bildschirme.
Bloombergs Bürowelt
Auf den zahlreichen Etagen des Bürohochhauses herrscht geschäftige Betriebsamkeit. Die Büros der Angestellten erinnern an Börsenmärkte. In offenen, Licht durchfluteten Räumen stehen in akkuraten Reihen dicht an dicht Schreibtische, die gleich mit mehreren Bildschirmen ausgestattet sind. Die einzelnen vom italienischen Möbelhersteller Unifor entwickelten Arbeitsplätze sind effektiv und kompakt gestaltet und mit modernster Technik ausgerüstet. Die Schreibtische „Nao System“ sind so flexibel, dass sie den individuellen Anforderungen des Nutzers entgegenkommen. Beispielsweise wurde ein raffiniertes Design entwickelt, das die Einzelarbeitsplätze voneinander trennt und zugleich die Arretierung der Arbeitsfläche in eine ergonomische Arbeitshöhe gewährleistet.
Die homogene Architektur bildet zusammen mit dem ausgewogenen Innenraumdesign eine stimmige Einheit. Das Unternehmen Bloomberg L.P. legt großen Wert auf modernstes Design in seinen Räumen, was sich im Einsatz der stilvollen Möbel nicht nur in den öffentlichen Zonen des Gebäudes zeigt, sondern auch an den Arbeitsplätzen. Aber schließlich hat diese Präsentation des „Neuesten vom Neuesten“ auch seinen Grund, denn die Produkte, die hier verkauft werden, sind genauso „up to date“.
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