Minimal Rustikal: La Maison Gauthier

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Text: Katharina Horstmann
Foto: Maxime Desbiens

Wenn Kunst einen Grundriss definiert: In den Laurentinischen Bergen im kanadischen Québec hat das Atelier Barda ein Haus für eine Pferdeliebhaberin geschaffen. La Maison Gauthier ist eine wohnliche Bühne, auf der Licht und Schatten, Leere und Volumen gegeneinander antreten.

Das Haus liegt hinter einer dichten Böschung versteckt. Nur wer die Einfahrt passiert hat, entdeckt den eingeschossigen Neubau, der sich auf einem Felshügel wie ein alter Stall aus roten Klinkern und schwarzem Satteldach erhebt. Die Außenwand ist fensterlos. Lediglich der Eingang springt als Rundbogen in der Fassade zurück – wie ein Gang, der in ein unbekanntes Dunkel führt. Dass sich dahinter keine Stallungen, sondern ein 350 Quadratmeter großes Wohnhaus verbirgt, lässt sich auf Anhieb nicht erkennen.

Minimal Art
Der verschlossene Eindruck entsteht durch den raffinierten und dennoch einfachen Aufbau des Hauses. Die Architekten von Atelier Barda aus Montreal haben es in der Form eines asymmetrischen „V“s angelegt: ein hakenförmiges, grafisches Zeichen, das auf der linken Seite kürzer ist als auf der rechten. Als Referenz dienten ihnen drei Dinge: traditionelle europäische Pferdestelle, amerikanische Minimal Art und insbesondere ein Bild des Malers Robert Mangold. Letzteres zeigt eine diagonale Linie und einen 90-Grad-Bogen innerhalb dreier Rechtecke. Die reduzierten, geometrischen Formen ziehen sich als roter Faden durch das Haus, genau wie der Kontrast aus Licht und Schatten, Leere und Volumen.

Chiaro-Scuro-Effekt
Im linken Flügel wurde eine große Garage mit Stellplätzen für vier Autos versteckt. Nebenan befindet sich das Atelier der Bauherrin, einer Keramikkünstlerin. Sie besitzt auf dem Anwesen ein Gestüt und wollte in unmittelbarer Nähe zu ihren Pferden wohnen. Der rechte Flügel bildet das Zentrum des Gebäudes, das die Architekten in einen vorderen Wohnbereich mit zwei rückseitig abgehenden Schlaf- und Badezimmern gegliedert haben. Ein schmaler gebogener Flur führt von der Eingangshalle in den länglichen, weiß gekalkten Wohnraum. Die niedrige Deckenhöhe lässt den Anschein von Dunkelheit und Enge entstehen – ein Gefühl, das sich im Wohnraum auflöst, der bis unter das Dach ausgebaut und mit natürlichem Licht durchflutet ist.

Das Haus wurde in der Form eines asymmetrischen „V“s angelegt.
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Schräge Illusion
Weite, bodentiefe Fenster öffnen den Blick auf eine Pferdekoppel und lassen Innen- wie Außenraum ineinander übergehen. Hier sind Küche sowie Ess- und Wohnzimmer direkt aneinandergereiht. Als Unterteilung dienen dreieckige Wandsegmente, die sich bis unter die Dachschräge senken. Die Architekten erwecken die Illusion, als hätte hier einmal eine Mauer gestanden, die sauber entfernt wurde. In die verwinkelten Öffnungen des Dachfirsts sind Oberlichter eingefasst, wodurch Lichtschächte entstehen. Sie akzentuieren die simplen, geometrischen Formen der Innenräume mit einem energetischen Schatten- und Lichtspiel.

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